Eine Erfolgsgeschichte, die einst als Start-up begann

Gemeinsam mit Freunden legte Thomas Hähn (links) vor fast 30 Jahren mit einem Start-up den Grundstein für die Erfolgsstory der Hahn Group. Das Amt als CEO der Unternehmensgruppe hat er nun an Philipp Unterhalt (rechts) übergeben. Unterhalt begleitet die Gruppe seit 2014, seit 2019 als Geschäftsführer. Zusammen mit Thomas Hähn entwickelte er das Konzept der Hahn Group als Plattform für unternehmerisch geführte Automationsunternehmen und steuerte sämtliche Transaktionen des Unternehmensverbunds. Auf Hähn wartet ein neues Kapitel: Er leitet nun die RSBG Automation & Robotics Technologies GmbH, eine neue Unternehmensplattform der Beteiligungsgesellschaft für Mittelstandsbeteiligungen der RAG-Stiftung. Foto: Hahn Group

Mit Freunden gründete Thomas Hähn einst in der Elterngarage Start-up und Grundstein der späteren Hahn Group. Der Start einer nachhaltigen Erfolgsgeschichte.

Jede Erfolgsgeschichte hat einen Anfang: In nicht einmal 30 Jahren ist ein einstiges Start-up zum weltweiten Vorreiter für Automatisierungs- und Robotertechnologien im industriellen Umfeld gewachsen. Heute beschäftigt die Hahn Group insgesamt 1.600 Mitarbeitern in 14 Ländern. Mit mehr als 30 Tochtergesellschaften hat man ein globales Unternehmensnetzwerk aufgebaut, das mehr als nur Quelle für Synergieeffekte zwischen den Gesellschaften ist. Durch Diversifizierung in Technologien, Regionen und Kundenbranchen macht sich die Hahn Group unabhängiger von einzelnen Geschäftsfeldern und kann damit flexibel und agil auf sich verändernde Marktgegebenheiten reagieren. Insbesondere in herausfordernden Zeiten wie der Corona-Pandemie zeigt sich die Stärke dieser Aufstellung.

So konnten freie Kapazitäten im Automobilbereich für Projekte in Healthcare genutzt werden. Den Antrieb für den Erfolg der Unternehmensgruppe schafft eine Unternehmenskultur, die stark auf unternehmerischer Verantwortung fußt. Auch Digitalisierung ist nicht nur ein „Trend“, sondern Teil der Unternehmenskultur und wird strategisch vorangetrieben.

Die Anfänge dieser Erfolgsgeschichte wurden in der Garage von Thomas Hähn gemacht. Zusammen mit Freunden legte er 1992 den Grundstein für die spätere Hahn Automation, aus der schließlich auch die Hahn Group hervorging. Hähn, der bis vor kurzem noch als CEO die Geschicke der Hahn Group leitete, wird künftig die RSBG Automation & Robotics Technologies GmbH führen, eine neue Unternehmensplattform der Beteiligungsgesellschaft für Mittelstandsbeteiligungen der RAG-Stiftung. Aus dieser neuen Muttergesellschaft sollen sich weitere Potenziale und Synergien auch für die Hahn Group ergeben. Deren Führung übernimmt der bisherige Geschäftsführer Philipp Unterhalt, der das Amt als CEO seit dem 1. April 2021 ausübt.

Im Interview mit der K-ZEITUNG blickt Thomas Hähn auf die Anfänge der Unternehmensgruppe zurück und gewährt gemeinsam mit Philipp Unterhalt Einblicke in das Unternehmen sowie in künftige Projekte.

Thomas Hähn: Angefangen hat alles während meines Maschinenbau-Studiums. Damals war ich Werkstudent bei Boge, einem gummiverarbeitenden Unternehmen. Dort schrieb ich auch meine Diplomarbeit, die ein automatisches Beladesystem für Gummi-Spritzgießmaschinen umfasste, wodurch sich die die Zykluszeit im Spritzgießprozess um 15 bis 20 % reduzieren ließ. Für die damalige Zeit war das derart innovativ, dass Boge mir anbot, nach meinem Studium als Betriebsingenieur einzusteigen. Genau im Monat der Fertigstellung meiner Diplomarbeit wurde das Unternehmen jedoch von Mannesmann übernommen, was einen Einstellungsstopp zur Folge hatte. Die damalige Werkleitung ermutigte mich dazu, mich selbstständig zu machen – mit der Aussicht auf Aufträge aus dem Hause Boge. Somit war das also mein erster Kunde und das Ganze lief dann so gut, dass wir innerhalb von 2 Jahren das komplette Werk mit unserer neuen Beladetechnik ausstatten konnten.

Gemeinsam mit meinen Freunden fingen wir damals als klassisches Start-up an und tüftelten in der Garage meiner Eltern an den Systemen. Tagsüber konstruierten wir und nachts wurde gebaut und ausprobiert. Unser Handling-Gerät für Gummi-Spritzgießmaschinen, der ‚Liftmaster‘, hat sich dann recht schnell in der Branche herumgesprochen.

Den ‚Liftmaster‘ bauen wir heute noch, worauf ich besonders stolz bin. Auch nach 28 Jahren bezieht Boge noch immer Automationsequipment bei uns – inklusive dem Liftmaster. Noch heute für unseren ersten Kunden arbeiten zu dürfen, ist etwas Außergewöhnliches. Zum 25-jährigen Firmenjubiläum hat uns Boge einen der ersten ‚Liftmaster‘ als Geschenk wieder überreicht.

Mit der Gummiindustrie sind wir sehr schnell stark gewachsen. Zum Beispiel haben wir 7 Jahre nach unserem Start den ersten Standort im Ausland eröffnet. Boge hatte damals ein Werk in den USA gekauft und uns darin bestärkt, unsere Technik auch dort auf den Markt zu bringen – was aufgrund der dortigen Normenlage nicht ganz einfach war. Wir haben viele Bauchlandungen hingelegt, sind aber immer wieder aufgestanden.

Schlussendlich ist auch unsere Technologie mitverantwortlich dafür, dass etwa Boge im rheinland-pfälzischen Simmern überhaupt noch produziert und die Gummiproduktion in Deutschland nicht schon längst abgewandert ist. Wir sind ständig darauf bedacht, zu professionalisieren und dort zu automatisieren, wo es Sinn macht. Mit unseren Partnern und Kunden pflegen wir eine Symbiose, die uns in unserem Innovationsanspruch bestärkt.

Mit dem „Liftmaster“ fing alles an: Der Erfolg des Handling-Gerätes für Gummi-Spritzgießmaschinen legte den Grundstein für die spätere Hahn Group. Noch heute wird er gebaut und ist vielfach im Einsatz. Foto: Hahn Group

Hähn: Absolut. Die Gummiindustrie lag von Anfang an in unserem Fokus und der Erfolg in diesem Bereich gibt uns letztlich Recht. 2006 waren wir hier Weltmarktführer und unsere Technologien befinden sich bei so gut wie allen gummiverarbeitenden Unternehmen im Einsatz – ganz egal ob Liftmaster oder Montageanlage. Nach und nach haben wir uns dann auch vermehrt mit dem Bereich Montagetechnik auseinandergesetzt.
Zu diesem Zeitpunkt stand für uns der nächste strategische Wechsel in der Unternehmensausrichtung an. Für uns war klar: Von Gummi auf Kunststoff, das ist der nächste logische Schritt. Ganz nach dem Motto: Gummi können wir gut, Metall ist einfach, jetzt machen wir Kunststoff.

„Von Gummi auf Kunststoff, das war für uns der nächste logische Schritt.“

Thomas Hähn

2007 stand dann das Unternehmen Remak, das zum Klöckner-Konzern gehörte, zum Verkauf. Remak war einer der Erfinder der Linearrobotertechnik. Zu diesem Zeitpunkt war Remak schon längst nicht mehr so erfolgreich wie einst. Danach akquirierten wir dann auch die Schweizer Geiger Handling. Letzten Endes waren wir um die Erkenntnis reicher, dass es schwieriger ist, Unternehmen wiederzubeleben, als in bereits gut laufende Unternehmen zu investieren. Wir wussten aber auch, wenn wir weiter mit Akquisitionen wachsen wollen, dann nur mit solchen, die uns als Unternehmen einen wirklichen Mehrwert einbringen, einfacher zu integrieren und auch leichter zum Erfolg zu führen sind.

2014 wurde dann die RAG-Stiftung Hauptgesellschafter der Hahn Automation. Seitdem konnten wir unsere Akquisitionsstrategie deutlich beschleunigen. Unsere erste Transaktion nach dem Einstieg der RAG-Stiftung war Wemo in Schweden. Zusammen mit der RAG-Stiftung kam dann auch Philipp Unterhalt mit an Bord, der damals den Kauf der Hahn Automation von Seite der RAG-Stiftung Beteiligungsgesellschaft mitbegleitete. Der Startschuss für die Entwicklung der Hahn Group.

Philipp Unterhalt: In Summe sind wir bislang sehr gut durch die Coronakrise gekommen. Unsere Zielsetzung war seit Beginn der Pandemie klar definiert: im Vordergrund steht die Gesundheit unserer Mitarbeiter sowie die Aufrechterhaltung des Betriebs. Durch ein breites Bündel an Maßnahmen innerhalb der Unternehmensgruppe ist uns dies gut gelungen. So waren wir beispielsweise in der Lage, innerhalb kürzester Zeit knapp 400 Mitarbeiter ins Homeoffice zu bringen.

Aber auch vor Corona haben wir uns in einem anspruchsvollen Markt bewegt – insbesondere im Bereich Automotive. Unsere Strategie, die gezielte Diversifizierung unserer Aktivitäten über Branchen hinweg, hat sich hier ausgezahlt. Weil wir eben nicht nur im Bereich Automotive agieren, sondern auch über unsere Tochter-Unternehmen wie der Waldorf Technik beispielsweise auch den Bereich Medizintechnik adressieren können. Dieser Bereich hat natürlich, bedingt durch die Coronakrise, eine besondere Relevanz. Durch diese Aufstellung haben wir in 2020 einen Auftragseingang verzeichnet, der mehr als 20 % über dem des Vorjahres 2019 liegt. Wir sind also insgesamt sehr gut aufgestellt.

„Unsere Strategie ist die gezielte Diversifizierung unserer Aktivitäten.“

Philipp Unterhalt

Wir haben die Coronakrise aber auch als Chance begriffen, denn hier zeigt sich die Stärke unseres Unternehmensnetzwerkes. Unsere Tochter-Unternehmen arbeiten eng zusammen und wir können Kapazitäten flexibel gemeinschaftlich nutzen. Nach Jahren des massiven Wachstums nutzen wir diese Zeit, um uns auch ein Stück weit zu konsolidieren, Prozesse weiter zu digitalisieren und unsere Zusammenarbeit im Unternehmensnetzwerk weiter zu festigen. Des Weiteren haben wir die Gelegenheit genutzt, unseren Vertrieb zu stärken, neue Produkte auf den Markt zu bringen und den Service für unsere Kunden zu optimieren.

Die Hahn Group ist mit ihren Tochterunternehmen in verschiedenen Branchen der Industrie unterwegs. Die gezielte Diversifizierung der Aktivitäten ist Teil der unternehmensweiten Strategie. Mit Waldorf Technik ist die Gruppe im Bereich der Medizintechnik stark vertreten. Foto: Hahn Group

Unterhalt: Unsere Unternehmenskultur fußt sehr stark auf unternehmerischer Verantwortung des oder der Einzelnen – ein wesentlicher Erfolgsfaktor der Hahn Group. Bei Tätigkeiten, die es zulassen, ist es deshalb im Zweifel nicht wichtig, ob ich im Büro oder im Homeoffice arbeite. Der eigene Antrieb und der Spaß an der Arbeit im Team stehen im Vordergrund. Durch diese Unternehmenskultur ist es uns wesentlich leichter gefallen, flexibel auf die Coronakrise zu reagieren.

Entsprechend konnten wir oft genannte Befürchtungen wie Ineffizienzen durch Homeoffice bisher nicht beobachten. Was digitale Arbeitsweisen anbelangt, glauben wir grundsätzlich, dass operative Tätigkeiten durchaus im Homeoffice ausgeführt werden können - im Übrigen auch über die Coronakrise hinaus. Das Büro bleibt aber weiterhin ein wesentlicher Faktor für kollaborative, innovative und kommunikative Arbeiten und natürlich sind Begegnungen sowie der physische Austausch mit Kolleginnen und Kollegen für eine freundschaftliche und teamorientierte Unternehmenskultur ganz wesentlich.

Digitalisierung ist ein Thema, das wir seit Jahren innerhalb der Unternehmensgruppe strategisch vorantreiben. Bereits vor mehr als 3 Jahren haben wir eine unternehmensweite Digitalstrategie entwickelt. In diesem Kontext haben wir dann auch im Sommer 2019 Hahn Digital gegründet. Hier bieten wir ein Set an digitalen Services, um unsere Maschinen zu ergänzen und weiteren Mehrwert für unsere Kunden zu kreieren.

Unterhalt: Digitalisierung, Industrial IoT oder auch Industrie 4.0 sind in vielen Bereichen zunächst einmal nur Schlagworte. Schlagworte, die es mit Leben zu füllen gilt. Wie schon erwähnt haben wir überlegt, was Digitalisierung für die Hahn Group bedeutet. Welche Services können und wollen wir unseren Kunden bieten, die auch wirklich einen Mehrwert bieten?

Unsere Anlagen stehen überall auf der Welt. Da ist es nur natürlich, unseren Kunden mit digitalen Servicemodellen noch schnellere Reaktionszeiten zu bieten. Dafür nutzen wir die von Thomas Hähn schon angesprochenen Augmented Reality Brillen. Darüber hinaus verfügen unsere Produktionslinien über eine Vielzahl an Aktuatoren, Robotern und Sensoren, die eine Flut von Daten generieren. Mit unseren Lösungen können wir nun alle drei Stufen der Datennutzung abdecken: Durch „Descriptive Analytics“ können wir den aktuellen Status einer Anlage transparent und in Echtzeit aufzeigen. Durch „Diagnostic Analytics“ evaluieren wir, warum etwas passiert ist – beispielsweise ein Maschinenstillstand. Im dritten Schritt können wir durch „Predictive Analytics“ die Produktion weiter optimieren, Wartungszeiten effizienter Planen und unsere Kunden sogar in der Produktentwicklung unterstützen. All dies wird durch unser EVE-Connect bzw. EVE-Analytics abgedeckt.

Auch im Bereich Bildverarbeitung setzen wir auf Digitalisierung und bieten mit EVE-Vision eine auf KI basierende Lösung, die das Anlernen neuer Teile wesentlich verkürzt und die Sichtprüfung revolutioniert. Mit all diesen Technologien sind wir in der Lage, nicht nur den Output zu optimieren, sondern den Gesamtnutzen unserer Anlagen für unsere Kunden weiter zu steigern. Diese Möglichkeiten bilden auch die Grundlage für neue Geschäftsfelder wie Machine as a Service (MaaS) oder „pay per part“.

Hähn: Im Rahmen unserer Unternehmensstrategie haben wir 2014 gemeinsam mit der RAG-Stiftung unsere Ziele definiert. Eines davon war die kollaborative Robotik, die wir damals als Partner von Universal Robots kennenlernten. Mit ‚Sawyer‘ kam dann von Rethink Robotics ein kollaborierender Roboter mit einem völlig neuen, innovativen Bedienkonzept auf den Markt. Ähnlich dem eines Smartphones – komplett selbsterklärend. Alles sehr innovativ. Wir haben uns dazu entschlossen, in Rethink Robotics zu investieren und das neugewonnene Know-how in unsere Produktentwicklung miteinfließen zu lassen. Diese Erfahrung hat unsere Position am Markt weiter gefestigt. Natürlich arbeiten wir weiter vertrauensvoll mit anderen Roboterherstellern zusammen. Wir haben aber zusätzlich unser eigenes Wissen im Haus, das wir nun auch verstärkt in Rethink Robotics miteinfließen lassen. Wir wollen uns hier weiter in neue Bereiche wie der Servicerobotik wagen – und auch in solche, in denen die Robotik noch enormes Entwicklungspotenzial besitzt.

Hähn: Die Siemens Technology Accelerator (STA) ist Anteilseigner an Rethink Robotics und bringt ihr Know-how in unser Unternehmen mit ein. Gemeinsam werden wir im Laufe dieses Jahres eine neue Roboter-Baureihe ankündigen – konkret einen hybriden Leichtbauroboter. Dieser wird dann Anfang nächsten Jahres auf den Markt kommen. Ein Roboter – innerhalb der Schutzeinhausung – mit der Performance eines industriellen Sechsachsroboters. Im Kollaborativ-Modus, also ohne Schutzzaun, verfährt dieser langsamer und kann so mit dem Menschen kooperieren. Ein revolutionäres System, das neue Einsatzmöglichkeiten mit sich bringen wird.
Welche Rolle nimmt hier Siemens und welche Rethink Robotics ein – insbesondere aus technologischer Sicht?
Hähn: Der kollaborative Roboter ‚Sawyer‘ in Kombination mit der Intera-Software ist einzigartig. ‚Sawyer‘ ist mit einer speziellen Titanfeder ausgestattet. Dadurch gibt der Arm etwas nach. Für eine Vielzahl an Anwendungen ist das ideal – besonders im kollaborativen Bereich. Wenn man als Mensch mit einem Roboter zusammenarbeiten will, dann tut man das am liebsten mit einem ‚Sawyer‘.

Im industriellen Umfeld sind jedoch schnellere, präzise Systeme gefordert. Gemeinsam mit Siemens bietet sich uns die Chance, eine innovative Technologie, wie die des neuen Hybridroboters auf den Markt zu bringen. Da Siemens selbst keine eigenen Roboter realisieren wollte, die technologische Basis aber bereits vorhanden ist, macht es für Siemens durchaus Sinn, dieses Vorhaben unter dem Label Rethink Robotics zu realisieren und zu vertreiben. So hat Siemens die komplette Mechanik samt Antriebs-und Elek-trotechnik entwickelt. Zudem kommt hier modernste Steuerungstechnik zum Einsatz. In diesem Kontext sind sämtliche Controller im Roboterarm integriert – mitsamt Ethernet-Konnektivität in der Greiferkomponente. Kombiniert mit der Intera-Software ist das eine perfekte Symbiose.

"Im industriellen Umfeld sind schnelle, präzise Systeme gefordert".

Thomas Hähn

Hähn: Unsere Kapazitäten für den Bau zusätzlicher Roboter sind begrenzt. Auch in Schweden, wo es sicherlich naheliegend gewesen wäre, hätten wir die dortigen Kapazitäten nicht schnell genug erweitern können. Wir hatten viele Standorte im Blick, haben uns dann aber bewusst für Deutschland und den Standort Bochum als erste Wahl entschieden. Teile des neuen hybriden Leichtbauroboters werden dort dann auch automatisiert hergestellt. Das Ruhrgebiet bietet mit seiner ausgeprägten Hochschullandschaft und den Möglichkeiten, auf gut ausgebildetes Fachpersonal zurückgreifen zu können, eine überaus gute Plattform. Für uns als Teil der RAG-Stiftung ist die Wahl für den Standort Bochum auch ein Bekenntnis zum Ruhrgebiet.

Unterhalt: Grundsätzlich ist die Herausforderung der veränderten Antriebskonzepte für uns ein ganz wichtiges Thema. Wir haben uns sehr früh darauf eingestellt und sind wenig abhängig vom Verbrennermotor. E-Mobility, Wasserstoff, Hybrid-/ Plug-in-Technologie: das sind alles verschiedene Antriebskonzepte, die nicht notwendigerweise zu einem Wachstum in der Gesamtflotte führen, sich also in höheren Stückzahlen widerspiegeln. Sie führen also dazu, dass die Produktionsanlagen noch flexibler werden müssen. Diese höhere Flexibilität spricht natürlich für die Nutzung von Robotern.

In diesem Kontext ist auch das Thema des autonomen Fahrens von Bedeutung. Hier sehen wir einen Bedarf an automatisierten Fertigungskonzepten. Um autonomes Fahren zu ermöglichen bedarf es einer hohen Anzahl unterschiedlicher Sensoren und Optiken. Das wiederum wird zu neuen Produktgruppen führen, für die dann neue Automatisierungs- und/oder Produktionskapazitäten zu entwickeln sind. Und auch beim Thema Lieferketten sehen wir für uns durchaus die Perspektive einer dezentralen Produktion. Vielleicht sogar einer teilweisen Repatriierung von Produktion. Wenn es dazu käme, wäre das in Deutschland und anderen Hochlohnländern letztlich nur über Automation und Robotik zu leisten. Wir sehen uns für das Thema E-Mobility oder alternativer Antriebsmöglichkeiten sehr gut aufgestellt.

Dominik Bechlarz