Röchling: Corona-Pandemie sorgt für Umsatzrückgang

Der Vorstand der Röchling-Gruppe mit (v.l.) Franz Lübbers, Prof. Dr. Hanns-Peter Knaebel und Evelyn Thome musste aufgrund der Corona-Pandemie zwar für 2020 einen Umsatzrückgang melden, konnte aber auch mit guten Zahlen für das erste Quartal 2021 aufwarten. Foto: Röchling

Der Mannheimer Kunststoffspezialist Röchling musste 2020 einen Corona-bedingten Umsatzrückgang hinnehmen, ist aber gut ins Jahr 2021 gestartet.

Nach zehn Jahren mit kontinuierlichem Wachstum musste Röchling aufgrund der Corona-Pandemie im Geschäftsjahr 2020 einen Umsatzrückgang von 13,3 % hinnehmen: Im Vergleich zu 2019 ging der Umsatz um 312,7 Mio. EUR auf 2,039 Mrd. EUR zurück. Dabei mussten alle drei Unternehmensbereiche – Industrial, Automotive und Medical – einen Rückgang verkraften.

Schwierig war für Röchling vor allem das zweite Quartal 2020, das durch kurzzeitige Werkschließungen der Automobilhersteller gekennzeichnet war, deren Auswirkungen sich deutlich im Unternehmensbereich Automotive niederschlugen. Trotz der angespannten Lage konnte Röchling aber ein positives Ergebnis vor Ertragssteuer (EBT) ausweisen, das allerdings mit 2,3 Mio. EUR deutlich unten den 81,9 Mio. EUR von 2019 blieb.

Zum Ende des vergangenen Jahres waren insgesamt 11.094 Menschen bei Röchling beschäftigt. Damit sank die Anzahl der Beschäftigten im Vergleich zum Vorjahr um 380 Personen. Dies ist zum einen auf personelle Anpassungen aufgrund der Corona- Pandemie zurückzuführen, zum anderen aber auch ein Resultat des bereits vor dem Einsetzen der Pandemie begonnenen Restrukturierungsprogramms „Driving Future“ bei Röchling Automotive. Das Programm ist inzwischen erfolgreich abgeschlossen worden.

Röchling trotz Corona-Pandemie und Rohstoffmangel zuversichtlich

Wie der Röchling-Vorstand bei der Bilanzpressekonferenz erklärte, ist das laufende Geschäftsjahr auch weiterhin durch die Auswirkungen der Corona-Pandemie gekennzeichnet. Zudem machen sich aktuell die Knappheit an Rohstoffen und an Halbleitern sowie die damit verbundenen Preissteigerungen auf dem Weltmarkt deutlich bemerkbar. Trotz dieser volatilen Rahmenbedingungen befanden sich die Umsätze im ersten Quartal 2021 wieder auf einem höheren Niveau als noch im zweiten und dritten Quartal des vergangenen Jahres.

Die Röchling-Gruppe geht trotz der nicht vorhersehbaren Rahmenbedingungen durch die Corona-Pandemie sowie die Engpässe bei Kunststoff-Rohstoffen und Halbleitern von einem Umsatzwachstum im hohen einstelligen Prozentbereich für das Jahr 2021 aus. Ein Vor-Pandemie-Niveau wird das Unternehmen aber damit wohl noch nicht wieder erreichen. Dies ist vor allem auf die zu erwartende Entwicklung des Unternehmensbereichs Automotive zurückzuführen, in dem sich die neuerliche Kurzarbeit bei einigen Automobilherstellern aufgrund der fehlenden Rohstoffe und Halbleiter deutlich bemerkbar macht.

Trotz deutlichem Umsatzrückgang mit blauem Auge davongekommen

„Trotz des deutlichen Umsatzrückgangs sind wir im vergangenen Geschäftsjahr mit einem blauen Auge davongekommen. Vor allem das vierte Quartal 2020 hat uns geholfen, vorherige Verluste wieder etwas auszugleichen. Auch der Jahresbeginn 2021 lässt eine Stabilisierung unseres Geschäfts erkennen, da die Umsatzerlöse insgesamt wieder auf Niveau des Vorjahresquartals liegen, als die Auswirkungen der Corona-Pandemie noch nicht auf unser Geschäft durchgeschlagen haben“, betonte der Vorstandsvorsitzende der Röchling-Gruppe, Prof. Dr. Hanns-Peter Knaebel bei der Vorstellung der Geschäftszahlen am Donnerstag, 20. Mai 2021, bei einem virtuellen Bilanzpressegespräch.

Die Röchling-Gruppe investierte im vergangenen Jahr 86,7 Mio. EUR in ihre Infrastruktur sowie Produktions- und Fertigungskapazitäten. Das waren im Vergleich zum Vorjahr 34,4 Mio. EUR weniger. Dieser Rückgang betraf alle drei Unternehmensbereiche gleichermaßen und war Folge der bereits dargestellten gesamtwirtschaftlichen Lage. Neben erforderlichen Ersatz- und sinnvollen Rationalisierungsinvestitionen wurden Erweiterungsinvestitionen nur in begrenztem Maße vorgenommen.

Trotz der Corona-Krise musste Röchling aber keines seiner Werke schließen und so ist die Gruppe nach wie vor weltweit an 90 Standorten in 25 Ländern vertreten. 57 Standorte liegen in Europa, 18 in Asien und 15 in Amerika. 37 % des Gesamtumsatzes erzielte die Röchling-Gruppe im vergangenen Jahr in Deutschland, 32,8 % im übrigen Europa. Während der Anteil am Umsatz für Amerika bei 18,3 % stabil blieb, wuchs er in Asien leicht um zwei Prozentpunkte auf 12,4 %.

Im ersten Quartal 2021 vor allem Bereich Industrial erfreulich entwickelt

Das erste Quartal 2021 war bei der Röchling-Gruppe durch eine weitere Entspannung der wirtschaftlichen Situation gekennzeichnet, die sich bereits im vierten Quartal des Vorjahres andeutete. Der Umsatzerlös bezifferte sich auf 558,9 Mio. EUR und lag damit nur geringfügig unter dem ersten Vorjahresquartal. Vor allem der Unternehmensbereich Industrial zeigte sich für dieses erfreuliche Ergebnis verantwortlich, steigerte er seinen Umsatz im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 24,3 Mio. EUR auf nunmehr 243,7 Mio. EUR. Während der Unternehmensbereich Medical das Vorjahresniveau mit 43,9 Mio. EUR (2020: 43,5 Mio. EUR) knapp übertraf, sank der Umsatzerlös bei Automotive um 25,8 Mio. EUR auf 272,1 Mio. EUR.

„Wir hatten noch ein sehr gutes Vorjahresquartal, insbesondere in Europa und den USA. Das Ergebnis des ersten Quartals 2021 ist in erster Linie der Rohmaterialversorgung geschuldet, von der wir indirekt betroffen waren, da etliche Automobilhersteller ihre Werke, insbesondere in Europa und in den USA aufgrund der Knappheit an Halbleitern entweder mit reduzierter Kapazität laufen ließen oder sogar ganz pausierten“, berichtete Prof. Dr. Knaebel.

Wirtschaftliche Talsohle durchschritten

In allen drei Unternehmensbereichen zeigt sich der Auftragseingang von Röchling inzwischen aber wieder auf einem zufriedenstellenden Niveau und so blickte Prof. Dr. Knaebel am Ende der Bilanzpressekonferenz optimistisch in die Zukunft: „Wir haben einen guten Start in das Jahr 2021 mit einem soliden ersten Quartal erlebt. Das ist vielleicht ein bisschen bescheiden formuliert, denn wir wissen, dass noch einige Aufgaben vor uns liegen, die wir dieses Jahr angehen müssen. Wir werden, um wettbewerbsfähig zu bleiben, auch weiterhin dort in unsere Infrastruktur sowie Produktions- und Fertigungskapazitäten investieren, wo dies für ein weiteres Umsatzwachstum wichtig ist. Wir sind davon überzeugt, dass wir die wirtschaftliche Talsohle durchschritten haben, sofern es nicht zu unerwarteten Rückschlägen bei der Bekämpfung des Coronavirusʼ und bei der Bereitstellung von Rohstoffen und Halbleitern kommen wird. Die unsichere Ausgangslage veranlasst uns zu vorsichtigem Handeln, ohne dabei die strategischen Fokusthemen aus dem Blick zu verlieren.“

Wie im Beitrag der K-ZEITUNG von der Bilanzpressekonferenz 2019 zu lesen ist, hat Röchling ja schon eindrucksvoll bewiesen, dass das Unternehmen auch ein einem herausfordernden Umfeld Wachstum realisieren kann.

gk