Strom- und Gaspreise gefährden Wettbewerbsfähigkeit

Angesichts der stark gestiegenen Strompreise wollen rund zwei Drittel der Befragten ihre Beschaffungsstrategie ändern. Foto: Pxhere

Laut DIHK-Umfrage sieht fast die Hälfte der befragten Unternehmen durch die stark steigenden Preise für Strom und Gas ihre Wettbewerbsfähigkeit in Gefahr.

In einer aktuellen Umfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) bei rund 600 Betrieben aus allen Branchen nannten drei Viertel der Unternehmen den deutlichen Anstieg der Strom- und Gaspreise als Belastung für ihr laufendes Geschäft, 46 % befürchten sogar den Verlust der eigenen Wettbewerbsfähigkeit am Standort Deutschland.

Keine Spielräume für Zusatzinvestitionen mehr

Die meistgenannte Konsequenz der gestiegenen Strom- und Gaspreise ist der Verlust der Wettbewerbsfähigkeit am Standort Deutschland. Foto: DIHK

"Das von den Unternehmen gezeichnete Bild ist sehr beunruhigend", kommentiert DIHK-Präsident Peter Adrian die Umfrageergebnisse. "Die hohen Strom- und Gaspreise nehmen einem Drittel der Unternehmen bereits die finanziellen Spielräume für notwendige Zukunftsinvestitionen. Betroffen sind zentrale Bereiche wie Klimaschutz, Forschung und Innovation, aber auch Investitionen im jeweiligen Kerngeschäft der Unternehmen."

Wettbewerbsfähigkeit des deutschen Mittelstands leidet

Die aktuellen Verteuerungen treffen die deutschen Betriebe stärker als ihre internationalen Wettbewerber: Beim Strom zahlen sie in fast allen Abnahmegruppen schon bisher die höchsten Preise in Europa. So kostet deutsche Mittelständler ihr Strom fast doppelt so viel wie die Konkurrenz in Frankreich.

CO2-Bepreisung erhöht Gaspreis zusätzlich

Auch beim Gaspreis kämpft rund ein Drittel der vom DIHK befragten Betriebe mit signifikanten Mehrkosten. Foto: DIHK

Ähnlich das Bild beim Erdgas: Der Anstieg des Gaspreises ist zwar ein weltweit zu beobachtendes Phänomen. Aber auch hier verursacht die nationale CO2-Bepreisung seit Jahresbeginn Wettbewerbsnachteile für alle Unternehmen, die nicht unter den europäischen Emissionshandel fallen.

Unternehmen müssen Kostenexplosion verkraften

Die DIHK-Auswertung zeigt, dass knapp die Hälfte der Unternehmen gegenüber dem Corona-Jahr 2020 signifikant höhere Stromkosten verkraften müssen – für jeden achten Betrieb ist sogar eine Verdopplung bereits Realität.  Nur gut 19 % der Befragten konnten auf dem Vorjahresniveau beschaffen. Und: Mehr als ein Viertel der Unternehmen berichten, dass sie für die reine Strombeschaffung mehr als 10 Cent pro Kilowattstunde aufwenden müssen. Dazu kommen noch Steuern, Umlagen und Netzentgelte von bis zu 15 Cent pro Kilowattstunde.

Auch bei der Gasbeschaffung kämpft ein Drittel der Betriebe mit signifikanten Mehrkosten. Die Situation kann sich weiter verschärfen, denn viele Unternehmen müssen in diesem Jahr noch erhebliche Mengen an Gas einkaufen.

Beschaffungsstrategie ändert sich

Die Firmen suchen dringend Auswege aus dieser Krise: Rund zwei Drittel der Befragten denken darüber nach, ihre Beschaffungsstrategie zu ändern. Mehr als 40 % der Betriebe haben dabei großes Interesse an langfristigen Direktlieferverträgen für Grünstrom, den sogenannten Green PPAs. Denn diese helfen ihnen nicht nur auf ihrem Weg zur Klimaneutralität, sondern stabilisieren auch den Strompreis. 

Für bezahlbaren Strom EEG-Umlage zügig abschaffen

Die gestiegenen Strompreise führen zu erheblichen Mehrkosten in den Unternehmen. Foto: DIHK

"Die Rückmeldungen zeigen uns, dass die Explosion der Beschaffungskosten bei Strom und Gas viele Unternehmen empfindlich trifft", berichtet Peter Adrian. "Langfristige Direktlieferverträge für Grünstrom werden vor diesem Hintergrund immer stärker zu einem entscheidenden Standortfaktor. Die Politik sollte Maßnahmen ergreifen, um die Höhe der Energiekosten auf einem wettbewerbsfähigen Niveau zu halten."

Insbesondere beim Strom bestehe "viel Handlungsbedarf", so der DIHK-Präsident. "Wirklich wichtig ist, dass die angekündigte Abschaffung der EEG-Umlage zügig kommt und die Rahmenbedingungen für grüne Direktverträge verbessert werden."

Der DIHK hat die detaillierten Ergebnisse der Erhebung im Internet kostenlos zum Download zur Verfügung gestellt.

gk

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