Thilo Stier, Global Sales Director & Innovation Manager bei Akro-Plastic, zeigt den Bremsscheibenschutz einer neuen Enduro aus dem Hause KTM. Das Bauteil besteht aus Naturfaser-Verbundkunststoff umspritzt mit Bio-PA-Compound.
Foto: K-ZEITUNG
Thilo Stier, Global Sales Director & Innovation Manager bei Akro-Plastic, zeigt den Bremsscheibenschutz einer neuen Enduro aus dem Hause KTM. Das Bauteil besteht aus Naturfaser-Verbundkunststoff umspritzt mit Bio-PA-Compound.

K 2022

Enduro mit Naturfasern und Bio-Compounds

Biobasierte Compounds von Akro-Plastic und naturfaserverstärkte Composites reduzieren den CO2-Fußabdruck einer Enduro aus dem Hause KTM.

Ein Blickfang auf dem K-Messestand der Akro-Plastic war die neue Husqvarna FE 350 Rockstar Edition 2022 – eine Enduro aus dem Hause KTM mit nachhaltigen Produktlösungen aus Naturfasern und Bio-Compounds. Die Motorcross-Maschine enthält einen Bremsscheibenschutz aus dem Naturfaser-Prepreg Amplitex von Bcomp umspritzt mit biobasiertem Polyamid der Reihe Akromid Next von Akro-Plastic. Beide Werkstoffe – der naturfaserverstärkte, duroplastische Verbundkunststoff Amplitex sowie das biobasierte, thermoplastische Akromid Next – reduzieren im Vergleich zu ihren fossilen Pendants den CO2-Fußabdruck der Enduro.

Sitzbankboden der Enduro aus „Frittenfett“

Auch der Sitzbankboden des Motorrades zielt auf mehr Nachhaltigkeit: Er ist aus einem biozirkulärem, langglasfaserverstärktem PP hergestellt, das Akro-Plastik auf der K-Messe als Akrolen Next PP LGF präsentierte. Laut Akro-Plastic ist die Rohstoffbasis für dieses biozirkuläre Polypropylen ausgedientes „Fritten-Fett“. Das verwendete Basispolymer weist damit sogar einen negativen CO2-Fußabdruck aus. Bei den fertigen Compounds Akrolen Next PP LGF liegen die Werte je nach Type bei ungefähr 0,5 kg CO2eqv/kg.

„Für die Reduzierung der Treibhausgasemissionen kann und muss die Kunststoffindustrie einen wichtigen Beitrag leisten“, erklärte Thilo Stier, Global Sales Director & Innovation Manager bei Akro-Plastic, auf der K-Messe. „Unseren Beitrag zeigen wir auf der K-Messe unter anderem an Beispielen der Enduro von KTM.“

Bio-Compounds bieten konstante Eigenschaften

Ein Vorteil der biobasierten Next-Materialien gegenüber vielen nachhaltigen Rezyklaten ist laut Stier ihr konstantes Eigenschaftsniveau. Darüber hinaus bieten Biokunststoffe wie PA69 oder PA510 eine bessere chemische Beständigkeit und eine geringere Wasseraufnahme gegenüber dem klassischen PA6 oder PA66.

Neben den Aspekten der Nachhaltigkeit hatte die Husqvarna FE 350 Rockstar noch eine Besonderheit: Ihr hybrider Bremsscheibenschutz aus duroplastischem Naturfaser-Verbundwerkstoff und thermoplastischem Bio-Polyamid gewann den SPE-Award 2022 in der Kategorie Body Exterior – und zwar für ein spezielles Fügeverfahren namens Conexus, das Thermoplaste und Duroplaste stoffschlüssig miteinander verbindet. Eine Koppelfolie wird in einem isothermen Heißpressverfahren mit dem Duroplast verbunden und anschließend mit dem biobasierten Polyamid hinterspritzt.

Entwickelt wurde der Bremsscheibenschutz von KTM Technologies in Zusammenarbeit mit Altendorfer Kunststofftechnik (Verarbeiter), Alba (Werkzeughersteller), Bcomp (Hersteller der Naturfaser-Prepregs Amplitex) Akro-Plastic (Compoundeur der biobasierten Polyamide Akromid Next) sowie dem Ingenieurbüro Zahler und dem Fraunhofer ICT.

Materialsubstitution reduziert CO2-Emissionen

Neben Biokunststoffen wie an den Beispielen der Enduro von KTM zeigte Thilo Stier bei Akro-Plastic weitere interessante Möglichkeiten, den CO2-Fußabdruck von Kunststoffbauteilen zu reduzieren. So eignet sich nach seinen Angaben aliphatisches Polyketon (Akrotek PK) sehr gut für Kühlkreisläufen mit Wasser und Glykol und hat im Vergleich zu den üblicherweise eingesetzten Materialien PA66 oder PPA einen deutlich geringeren CO2-Fußabdruck. „Ein weiterer Ansatz zur Senkung des CO2-Fußabdruckes bietet unser PET der Precite-E-Reihe. So kann ein 50 % glasfaserverstärktes PET nicht nur eine günstigere Alternative zu PPA oder PA66 sein, sondern mit 1,8 kg CO2eq/kg bietet beispielsweise unser Precite E GF 50 (7300) einen um fast 50 % gesenkten CO2-Fußabdruck zum vergleichbaren PA 66 GF 50“, erläuterte Thilo Stier.

Der Compoundeur Akro-Plastic ist ein Unternehmen der Feddersen-Gruppe, die sich das Ziel ausgegeben, bis spätestens Ende 2025 an allen deutschen Standorten klimaneutral nach Scope 1 und Scope 2 zu arbeiten. „Zusätzlich haben sich viele Firmen der Feddersen-Gruppe nach ISCC Plus zertifizieren lassen, Akro-Plastic zusätzlich nach Red Cert²“, ergänzte Thilo Stier abschließend. mg