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News 16. Februar 2024

Kunststoffverarbeiter erwarten 2024 weiteren Rückgang

Mitgliederbefragung des GKV mit ernüchterndem Ergebnis: Kunststoffverarbeiter rechnen 2024 mit Rückgängen bei Umsatz und Ergebnis sowie steigenden Kosten

Viele der Kosten, unter denen die Kunststoffverarbeiter zu leiden haben, werden direkt von der Politik beeinflusst und müssen nach Überzeugung des GKV schnellstmöglich reduziert werden, um die Wettbewerbsfähigkeit der Branche und die Arbeitsplätze zu erhalten.
Viele der Kosten, unter denen die Kunststoffverarbeiter zu leiden haben, werden direkt von der Politik beeinflusst und müssen nach Überzeugung des GKV schnellstmöglich reduziert werden, um die Wettbewerbsfähigkeit der Branche und die Arbeitsplätze zu erhalten.

Seit vielen Jahren befragt der Gesamtverband Kunststoffverarbeitende Industrie e. V. (GKV) im Januar die Mitgliedsunternehmen der Trägerverbände zu ihrer Einschätzung der Konjunktur- und Wirtschaftslage des kommenden Jahres. Aber so schlechte Werte wie heuer hat der GKV nach Worten von Hauptgeschäftsführer Dr. Oliver Möllenstädt nur sehr selten ermittelt.

So verzeichneten die rund 200 befragten Unternehmen im Vergleich zum Vorjahr überwiegend rückläufige Umsätze, und auch die Umsatzerwartungen für das Jahr 2024 sind verhalten. Konkret erwarten 45 % der Teilnehmer einen weiteren Umsatzrückgang, im Durchschnitt um 8 %.

Umsatz und Ergebnis der Kunststoffverarbeiter rückläufig

Bei den Betriebsergebnissen sieht es ähnlich aus: Die Mehrheit der Kunststoff verarbeitenden Unternehmen meldet für das vergangene Jahr gegenüber dem Vorjahr einen Rückgang. Und auch für dieses Jahr sind die Ergebniserwartungen vieler Unternehmen zurückhaltend. „Lediglich eine Minderheit von 28 Prozent der befragten Unternehmen erwartet eine Verbesserung des Betriebsergebnisses in 2024“, so Möllenstädt.

GKV-Hauptgeschäftsführer Dr. Oliver Möllenstädt:„Die Befragungsergebnisse machen deutlich, dass die Kosten für Strom, Löhne und Gas die Unternehmen deutlich stärker belasten als zuvor, gefolgt von den Bürokratiekosten.“
GKV-Hauptgeschäftsführer Dr. Oliver Möllenstädt:„Die Befragungsergebnisse machen deutlich, dass die Kosten für Strom, Löhne und Gas die Unternehmen deutlich stärker belasten als zuvor, gefolgt von den Bürokratiekosten.“
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Auch vom Außenhandel – für Möllenstädt ein wichtiger Index für die Entwicklung des Standorts Deutschland – gingen 2023 wenige Impulse für die Kunststoff verarbeitende Industrie aus. Für das kommende Jahr rechnen nur 24 % der Unternehmen mit steigenden Umsätzen im Export. Mit Abstand wichtigste Außenhandelsregionen für die Kunststoff verarbeitenden Unternehmen in Deutschland bleiben dabei die übrigen EU-Länder. Das gilt für 80 % der Unternehmen, die durchschnittlich 24 % ihres Umsatzes mit dem EU-Ausland tätigen. Entsprechend groß ist damit natürlich auch die Abhängigkeit von der Konjunktur in der EU.

Der Import von Rohstoffen aus dem nichteuropäischen Ausland nahm im vergangenen Jahr spürbar zu. Durchschnittlich 29 % der verarbeiteten Kunststoffe wurden 2023 von den befragten Unternehmen von außerhalb Europas bezogen. Zum Vergleich: 2022 waren es nur 17 %. Der steigende Anteil der meist günstigeren Kunststoffe aus dem Ausland ist für Möllenstädt ein klares Zeichen, dass die deutschen Kunststoffhersteller derzeit mit ihrer Wettbewerbsfähigkeit zu kämpfen haben.

Investitionen gehen zurück

Dass sich dies alles auch auf die Investitionen auswirkt, ist klar. Möllenstädt: „Angesichts der Umsatzentwicklung und der Unsicherheit über die Rahmenbedingungen im Industrieland Deutschland haben viele Kunststoffverarbeiter 2023 ihre Investitionen reduziert. 35 Prozent der Unternehmen investieren weniger als noch im Vorjahr. Auch 2024 sind wenig Impulse bei den Investitionen zu erwarten.“

Was Möllenstädt besondere Sorgen macht: Erstmals seit vielen Jahren hat ein erheblicher Teil der befragten Unternehmen 2023 den Personalbestand verringert, was sich deutlich von der Tendenz der Vorjahre unterscheidet. Auch dies dürfte sich 2024 fortsetzen. So kündigen 24 % der befragten Unternehmen einen weiteren Personalabbau an.

Dass die Trennung von Mitarbeitern den Kunststoffverarbeitern besonders schwerfällt, erklärt der anhaltende Fachkräftemangel. „Der Mangel an Fachkräften und Auszubildenden ist weiter eines der gravierendsten Probleme der mittelständischen Industrie. 72 % der befragten Mitgliedsunternehmen der Trägerverbände des GKV klagen aktuell über einen Fachkräfte- oder Arbeitskräftemangel. Insbesondere das Angebot an Verfahrensmechanikern und Kunststofftechnikern am Arbeitsmarkt deckt die Nachfrage nicht. Auch Ausbildungsplätze in technischen Berufen bleiben allzu oft unbesetzt“, so Möllenstädt.

Fortschritte bei der Nachhaltigkeit

Doch es gibt auch gute und für die Zukunft der Branche wichtige Veränderungen zu vermelden. Möllenstädt: „Viele Unternehmen machen Fortschritte bei der Steigerung der Nachhaltigkeit. So gaben 48 Prozent der befragten Unternehmen an, 2023 mehr Kunststoffrezyklate verarbeitet zu haben als im Vorjahr. Und auch für das Jahr 2024 prognostizieren die Unternehmen eine weiter wachsende Menge an verarbeiteten Kunststoffrezyklaten.“

Ähnlich sieht es bei den bei Aktivitäten zur Klimaneutralität aus. Auch hier machen die Unternehmen Fortschritte. Bereits 24 % der Befragten gaben an, bereits weitgehend klimaneutral zu produzieren. Geplant ist das bei weiteren 24 % der Unternehmen.

Kosten drastisch gestiegen

Anlass zur Sorge bereiten vielen Kunststoffverarbeitern die teilweise drastisch gestiegenen Kosten, vornehmlich für Energie und Löhne. Den meisten Unternehmen gelang es 2023 nur teilweise, die Kosten an ihre Kunden weiterzugeben. „Diese ungesunde Entwicklung gefährdet die Existenz vieler Kunststoffverarbeiter auf mittlere Sicht“, so die Warnung von Dr. Oliver Möllenstädt, der deshalb betont, dass die Unternehmen diesen Weg auf Dauer nicht weitergehen können.

Da stellt sich natürlich die Frage, wie die Unternehmen reagieren wollen, wenn sich die Kostensituation in Deutschland 2024 nicht ändert. Möllenstädt: „58 Prozent gaben an, dass dann ein weiterer Abbau von Arbeitsplätzen unausweichlich sei, gemessen an der Zahl der Nennungen in unserer Umfrage gefolgt von Kurzarbeit und der Verlagerung von Produktion ins Ausland.“

Dass die Unternehmen trotz aller Widrigkeiten ihren Optimismus nicht verloren haben, zeigt sich bei genauerer Betrachtung der GKV-Auswertung: Bei allen negativen Entwicklungen des Jahres 2023 – vom Umsatz und Betriebsergebnis über Export und Investitionen bis hin zur Mitarbeiterzahl – sind die Erwartungen an 2024 besser als die Ergebnisse 2023.

Novum an der diesjährigen Umfrage: Erstmals hat der GKV die Unternehmen der Kunststoff verarbeitenden Industrie auch nach ihrer Einschätzung bezüglich des Ausmaßes der Kosteneffekte auf ihre Wettbewerbsfähigkeit befragt. Die Antwort verbindet Möllenstädt mit einer klaren Botschaft an die Politik: „Die Befragungsergebnisse machen deutlich, dass die Kosten für Strom, Löhne und Gas die Unternehmen deutlich stärker belasten als zuvor, gefolgt von den Bürokratiekosten. Deshalb sollte die Politik insbesondere auf die Milderung dieser für die Unternehmen besonders belastenden Kostenfaktoren verstärkte Anstrengungen richten.“

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