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News 27. Februar 2024

Initiative EE-Industrie will Grünstrom in Eigenversorgung

19 Mittelständler haben das Konsortium „Initiative EE-Industrie“ gegründet, um die Eigenversorgung mit Grünstrom und die Dekarbonisierung voranzutreiben.

Die Initiative EE-Industrie beschreitet einen ungewöhnlichen Weg, um Grünstrom in Eigenversorgung herzustellen. Sie bittet dabei um Unterstützung – zum Beispiel durch Angebote von Freiflächen oder benötigte Dienstleistungen.
Die Initiative EE-Industrie beschreitet einen ungewöhnlichen Weg, um Grünstrom in Eigenversorgung herzustellen. Sie bittet dabei um Unterstützung – zum Beispiel durch Angebote von Freiflächen oder benötigte Dienstleistungen.

Das Mittelstands-Konsortium „Initiative EE-Industrie“ – dazu gehören die beiden Kunststoffverarbeiter Pöppelmann und Kraiburg Relastec – verfolgt den Ansatz, Wind- und Photovoltaik-Anlagen zur Eigenversorgung mit Grünstrom zu errichten und zu betreiben. Es ist der Überzeugung, dass ein Konsortium die erfolgversprechendste und einzige Möglichkeit bietet, mittelständischen Unternehmen die für die CO2-neutrale Transformation zwingend benötigten Grünstrommengen zu sichern, Bündeleffekte zu nutzen und die Erzeugungskosten für Grünstrom zu minimieren. Außerdem will die Initiative einen Beitrag zum Klimaschutz und zur Wettbewerbsfähigkeit des Wirtschaftsstandorts Deutschland leisten.

Ins Leben gerufen wurde die Initiative EE-Industrie von Dirk A. Neumayer, Geschäftsführer des Schwarzwälder Umformtechnikspezialisten Richard Neumayer, und der auf das Energie- und Klimarecht spezialisierten Rechtsanwaltskanzlei Ritter Gent Collegen. „Ich sehe unsere Generation in der Verantwortung, das Klimaschutzproblem zu lösen. Zugleich müssen wir die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts Deutschland wahren. Unsere Initiative kann hierfür einen wichtigen Beitrag leisten“, sagt Neumayer.

Initiative EE-Industrie braucht 220 MW Windstrom

Alle 19 Unternehmen zusammen haben einen Strom-Gesamtverbrauch von 1.596 GWh/Jahr. Nach erster Prognose hat das Konsortium einen Bedarf von 220 MW an Windstrom – dies entspricht circa 35 bis 40 modernen Windrädern – und 80 MW Photovolatik-Strom. Dies entspricht einer PV-Freiflächenanlage von rund 960.000 m2.

Die beteiligten Unternehmen wollen im ersten Schritt ein praktikables und rechtskonformes Konzept erarbeiten und die konkreten wirtschaftlichen Rahmenbedingungen ermitteln. Sie bauen auf einen erfolgreichen Verlauf dieser Konzeptphase, um anschließend positiv über den Eintritt in die Projektphase – mit Gründung einer gemeinsamen Projektgesellschaft – entscheiden zu können.

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Politischer Appell für „wettbewerbstauglichen Grünstrom“

Die Teilnehmer der Initiative richten einen eindringlichen Appell an die Politik: „Wir haben den Willen und sind bereit, den Klimaschutz und die Dekarbonisierung unserer Unternehmen aktiv voranzutreiben und hierfür hohe Invests zu tätigen. Beeinflussen können wir die Erzeugungskosten für den benötigten Grünstrom. Angewiesen sind wir jedoch auf einen wettbewerbsfähigen Gesamtpreis. Wir appellieren daher eindringlich an die Politik, insbesondere den Preis für den Grünstromtransport zu reduzieren.“

Als konkrete Maßnahmen fordern sie unter anderem die Reduzierung der Netzentgelte (ohne räumliche Beschränkung) für gekoppelte Grünstromlieferungen aus neuen, zur Eigen- oder Konsortiumsversorgung betriebene Erneuerbaren-Energien-Anlagen (EE-Anlagen). Diese Forderung sei essenziell, so die Initiative, denn die drohenden massiven Netzentgelterhöhungen schließen eine wettbewerbstaugliche Versorgung mit Grünstrom und damit auch die Dekarbonisierung der deutschen Wirtschaft aus. Die Begrenzung auf neue, zur Eigen- oder Konsortiumsversorgung betriebene EE-Anlagen gebe einen sinnvollen Investitionsanreiz zum Aus-/Aufbau erneuerbarer Energien und minimiere die Belastung des Netzentgeltsystems.

Außerdem fordert die Initiative EE-Industrie den Entfall von Baukostenzuschüssen für Leistungssteigerungen infolge der Elektrifizierung von Prozessen wie zum Beispiel Power to heat, die zügige Ausweisung von ausreichenden Freiflächen für die EE-Eigenerzeugung sowie weitere, deutliche Verkürzungen und Erleichterungen der Genehmigungsverfahren für Wind- und PV-Freiflächen-Anlagen. Sie plädiert für staatliche Sicherheiten/Bürgschaften für EE-Eigenerzeugung und Stromlieferverträge (PPA) entsprechend der EU-Einigung zum neuen Strommarktdesign. Und schließlich fordert sie eine Zuordnung der EE-Erzeugung auf Ackerflächen zum land- und forstwirtschaftlichen Vermögen im Bereich der Erbschaftssteuer zur Vermeidung von überhöhten Pachtzinsen für Freiflächen. sk

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