Boy forciert das Automationsgeschäft

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Spritzgießautomatenbauer Boy sieht bei den Kunden einen steigenden Bedarf für automatisierte Fertigungszellen – und baut deshalb diesen Bereich aus.

Von Krise keine Spur: Anderthalb Tage nach dem Start der K 2019 zeigte sich Alfred Schiffer, geschäftsführender Gesellschafter beim Spritzgießautomatenbauer Boy, sehr zufrieden mit den Besucherzahlen auf dem Stand in Halle 13. „Der Absatz schwächelt dieses Jahr. Aber der Einbruch fällt bei uns nicht so extrem aus, weil wir nicht so stark von der Automobilindustrie abhängig sind wie manche Wettbewerber. Außerdem muss man immer schauen, von welchem hohen Level wir kommen: Das Jahr 2017 lief so extrem gut, dass wir nicht mehr alle Projekte realisieren konnten. Das war nicht mehr normal.“

Schiffer ist sich sicher, dass der Kunststoffmarkt auch in Zukunft wieder an Fahrt aufnehmen wird: „So lange die Weltbevölkerung wächst, wächst auch der Kunststoffmarkt. Kunststoff trägt maßgeblich zum Wohlstand unserer Gesellschaft bei. Und Elektromobilität ist ohne Kunststoff gar nicht denkbar.“

Komplette Automationszellen

Der Spritzgießautomatenbauer aus Neustadt-Fernthal blickt somit optimistisch in die Zukunft. Dafür hat er sich neu aufgestellt: „Wir automatisieren nun auch inhouse, die Kunden können von uns komplette Automationszellen erhalten“, betont Schiffer. Dabei läuft die Automation unter der Procan Alpha Steuerung des Unternehmens. „Unsere Kunden fragen zunehmend nach solchen automatisierten Fertigungszellen nach, weil sie keine Kapazitäten oder Know-how dafür intern haben“, erklärt Schifer. „Wir haben unsere Entwicklungsabteilung für diese Aufgaben neu ausgerichtet.“

Automation spielt auf dem Stand von Boy in Düsseldorf daher eine große Rolle: Nahezu alle Exponate sind mit einem Robot ausgestattet. Das größte Publikumsinteresse zieht dabei eine komplexe Automationszelle auf sich, bei dem Spritzgießautomat, Handling, weitere Peripheriegeräte sowie ein kollaborierender Roboter (Cobot) für eine eindrucksvolle Barista-Show miteinander vernetzt sind. Sowohl die Produktions- als auch die individuellen Eckdaten der Messeanwendung lassen sich gemäß Industrie 4.0 jederzeit nachvollziehen.

Das Handling längs gesetzt

Zudem zeigt Boy auf der Messe, dass man beim Handling auch mal quer – oder besser gesagt: längs – denken kann: Bisher war es üblich das Handling in Form eines Linearroboters an der Spritzgießmaschine quer anzuordnen. Nun zeigt Boy, dass es auch anders geht: Auf einer Boy 125 E ist der Linearroboter vom Typ LR 5 nun in Längsrichtung auf dem Spritzgießautomaten angeordnet. „Dies ermöglicht eine besonders kompakte Automationszelle“, so Schiffer. Gegenüber der herkömmlichen Anordnung, bei der insbesondere der Schutzzaun um Handling und Förderband viel Platz beanspruchen, bleibt so Produktionsfläche frei. Je nach Größe des LR 5 können somit 3 bis 5 m² Fläche eingespart werden. In Düsseldorf werden in der Automationszelle Schneidunterlagen gefertigt, die vom LR 5 aus dem Werkzeug entnommen und längs des Spritzgießautomaten auf eine Rutsche abgelegt werden.

Mobile Maschinensteuerung mit WLAN

Um komplexe Automationszellen bequemer bedienen und einrichten zu können, macht Boy die Bedieneinheit seiner Maschinensteuerung Procan Alpha nun mobil mit einer WLAN-Ausführung. Die kabellose Bedieneinheit bietet nahezu die gleiche Funktionalität wie die fest montierten Steuerungen der Boy-Spritzgießautomaten. Über die IP-Adresse des Terminals, die einem Spritzgießautomaten fest zugeordnet ist, lässt sich diese – und nur diese – Maschine per Fernbedienung über eine gesicherte Ethernet-Kommunikation steuern. Ist das Terminal zu weit von der Maschine weg, stoppt die Spritzgießmaschine automatisch.

In der nächsten Ausbaustufe will Boy die WLAN-Variante der Procan-Steuerung auch für die Bedienung seiner LR 5 Linearhandling-Geräte anbieten.

sk

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