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Veranstaltungen

Sinneswandel beim PUR-Recycling gefordert

FSK und BVSE erörterten auf einem Fachtag die Potenziale und Hürden beim PUR-Recycling. FSK-Geschäftsführer Klaus Junginger fordert ein Umdenken.

In modernen PUR-Recyclingverfahren für gebrauchte Matratzen wird flexibles Polyurethan aufgespalten und liefert das ursprünglich verwendete Polyol.

Geballtes Know-How war versammelt zu einem Fachtag über PUR-Recycling Anfang Oktober im Kulturhaus der BASF Schwarzheide. Organisiert haben den Fachtag der FSK – Fachverband Schaumkunststoffe und Polyurethane gemeinsam mit dem BVSE – Bundesverband Sekundärrohstoffe und Entsorgung.

PUR-Recycling erfordert vielfältige Lösungen

Die Experten diskutierte verschiedene Lösungsansätze beim chemischen und mechanischen Recycling sowie deren Stärken und Schwächen. Einigkeit bestand darin, dass es nicht eine einfache und einzige Lösung für das PUR-Recycling gibt, sondern für den vielfältigen Werkstoff auch vielfältige Recyclinglösungen gefordert sind.

Es gibt noch enormes Potenzial, da bislang nur der geringste Anteil von PUR-Produkten überhaupt dem Recycling zugeführt wird. Gerade im Baubereich seien die Potenziale enorm, eine korrekte, getrennte Sammlung nur selten gewährleistet, so konstatierten die Experten. Auch die 40 Mio. Altmatratzen, die allein in der EU jährlich anfallen, böten noch sehr große Möglichkeiten einer sekundären Rohstoffverwertung.

Bislang wird lediglich ein einstelliger Prozentsatz von PUR-Produkten überhaupt der Wiederverwertung zugeführt, sei es chemisch oder mechanisch. Der große Teil wird thermisch verwertet, da dies für die Entsorger der günstigste Weg ist.

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FSK fordert Sinneswandel beim PUR-Recycling

„Für ein Umdenken oder gar einen Sinneswandel im Bereich PUR-Recycling sind alle Akteure gefordert“, so FSK-Geschäftsführer Klaus Junginger. „Wertstoffhöfe und Wertstoffsammler als Grundlage des Recyclings sollten Systeme installieren, die eine qualitativ hochwertige Trennung und Sammlung gewährleisten.“ Die Experten zeigten deutlich die Fehlstellen bei der Sammlung auf. Immer noch komme viel zu wenig PUR im Recycling an. Von Seiten der Politik müsse ein Anreizsystem geschaffen werden, das zu einem Wettbewerb des Recyclings führt. Auch die Durchsetzung aller bereits eingeführten Maßnahmen sei wünschenswert.

Solvolysen werden beim chemischen Recycling von PUR eingesetzt. Sie liefern dabei zielgenaue Bausteine, die bei der PUR-Synthese wieder Verwendung finden. Von Seiten der großen Systemhäuser und dem Markt müsse eine Öffnung gegenüber dieser Recycling-Polyole stattfinden. Die Polyole stünden den Basisrohstoffen laut Untersuchungen und Prüfungen in nichts nach, träfen aber immer noch auf Ressentiments, hieß es auf dem Fachtag.

Produkthersteller in die Pflicht nehmen

Nicht zuletzt müsse bereits bei der Entwicklung der Primärprodukte die Frage nach dem Recycling künftig eine zentrale Rolle spielen und die Hersteller entsprechend in die Pflicht genommen werden. Kommunikation und Partnerschaft seien hier der Schlüssel, die noch notwendige Überzeugungs- und Aufklärungsarbeit zu leisten.

Die Veranstaltung richtete der FSK gemeinsam mit dem BVSE aus. Dr. Thomas Probst vom BVSE führte mit seiner Expertise durch die Veranstaltung und moderierte eine Austauschrunde sowie eine Podiumsdiskussion, an der neben FSK-Geschäftsführer Klaus Junginger folgende Experten teilnehmen: Alexander Kramer vom Deutschen Städte und Gemeindebund (DStGB), Christoph Brüning von Omnicycle, Mila Skokova von H & S Anlagentechnik, Marco Werth von Rampf Eco Solutions sowie Dr. Marieke Hoffmann von der Deutschen Umwelthilfe. mg

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