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Technische Kunststoffe

Rezyklate können mehr als Blumentöpfe

Rezyklate gibt es auch für anspruchsvolle Anwendungen. Barlog Plastics hat sein Sortiment um Rezyklate für technische Kunststoff-Komponenten erweitert.

Granulat aus recycelten PET-Flaschen. In PBT/PET-Blends kann es zur Verbesserung des CO2-Footprints von technischen Kunststoffteilen beitragen.
Granulat aus recycelten PET-Flaschen. In PBT/PET-Blends kann es zur Verbesserung des CO2-Footprints von technischen Kunststoffteilen beitragen.

Rezyklat im Einsatz für technische Kunststoff-Komponenten in sicherheitsrelevanten Bauteilen? Das Image von Rezyklaten sieht häufig noch so aus: Sie sind grau und haben im Vergleich zu Neuware schlechtere und dabei auch noch schwankende Eigenschaften. Hinzu kommt häufig ein strenger Geruch. Als umweltfreundliche und kostengünstige Alternative eigenen sie sich vor allem für Teile mit geringen Anforderungen an die Qualität.

Rezyklate für anspruchsvolle Anwendungen?

Plant ein Entwickler sicherheitsrelevante Bauteile, schließt er schon auf der Zeichnung den Einsatz von Rezyklaten aus. Kontakt mit Lebensmitteln? Kommt nur in ganz wenigen Ausnahmen in Frage. Kontakt mit Trinkwasser? Ist oft schon in den relevanten Produktnormen ausgeschlossen. Auch die gesellschaftlichen Diskussionen über das Kunststoff-Recycling drehen sich meist nur um kurzlebige Verpackungen und nicht um hochwertige, technische Kunststoff-Komponenten.

Doch wie wollen wir die gesellschaftliche Vision eines nachhaltigen, klimaneutralen Lebensstils und einer neuen, zirkulären Kunststoffwirtschaft bis spätestens 2050 mit Leben füllen, wenn es für anspruchsvolle Anwendungen, wie z. B. Elektrofahrzeuge, Küchengeräte, Trinkwasserinstallationen, Luftfahrt oder Medizintechnik, keine nachhaltigen Kunststofflösungen gibt?

Verzicht auf Kunststoffe keine Option

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Der Verzicht auf Kunststoffe ist für den Großteil dieser Einsatzgebiete keine Option. Sie werden aufgrund ihrer einzigartigen Eigenschaften als elektrische Isolatoren und Leichtbauwerkstoffe benötigt, die zudem auch noch kostengünstig hergestellt werden können. Die Mobilitäts- und Energiewende wird ohne Kunststoffe in der breiten Masse nicht gelingen können.

Glücklicherweise gibt es bereits erste Möglichkeiten, mit recycelten Kunststoff-Compounds auch in anspruchsvolle Bereiche vorzudringen. Der Distributeur und Compoundeur Barlog Plastics hat für das eigene Produktsortiment eine Reihe von hochwertigen Rezyklaten entwickelt, die bereits heute verfügbar sind.

PET-Rezyklate aus recycelten Flaschen

Das PET-Recycling eignet sich sehr gut für die Herstellung hochwertiger Compounds aus Rezyklaten. Der Recyclingprozess umfasst neben der Entgasung und Schmelze-Filtrierung die Solid State Polymerisation, mit deren Hilfe der Viskositätsverlust, der durch Gebrauch und Wiederaufarbeitung entsteht, ausgeglichen werden kann.

Das fertige Rezyklat hat, genau wie Neuware, eine enge Spezifikation und genau definierte Eigenschaften und kann so in einem weiteren Prozessschritt zu modifizierten und faserverstärkten Compounds weiterverarbeitet werden, die sich als nachhaltiger Ersatz von Polyestern und Polyamiden eignen. Recyceltes PET hat im Vergleich zu Neuware einen deutlich reduzierten ökologischen Fußabdruck und spart in Spritzgießanwendungen in der Regel 30 bis 60 % CO2-äquivalente Treibhausgas-Emissionen ein.

Unter dem Handelsnamen Keballoy Eco R-PET bietet Barlog Plastics eine Reihe hochwertiger Compounds an – von unverstärkten Verpackungsmaterialien bis hin zu 50 % glasfaserverstärkten Metallersatzwerkstoffen oder carbonfaserverstärkten Leichtbaumaterialien. Die meisten dieser Produkte erfüllen dabei die Anforderungen für den Einsatz im Lebensmittelkontakt nach den geltenden europäischen Richtlinien. Keballoy Eco R-PET lässt sich in brillanten, hellen Farben einfärben und kann so zur Herstellung lebensmitteltauglicher Konsumgüter verwendet werden.

Rezyklate müssen nicht grau sein. Sie sind in vielen bunten Farben erhältlich.
Rezyklate müssen nicht grau sein. Sie sind in vielen bunten Farben erhältlich.

Aus R-PET wird ein technischer Kunststoff

Darüber hinaus kann R-PET aus Flaschenware auch in PBT/PET-Blends zur Verbesserung des CO2-Footprints von technischen Kunststoffteilen beitragen. Ohne wesentliche Veränderung der Verarbeitungseigenschaften können so ca. 15 % CO2-Emmissionen eingespart werden.

Neben PET werden auch Polycarbonate in großen Mengen für Getränkeflaschen, aber auch für die Herstellung großformatiger Platten verwendet. Diese Produkte lassen sich nach Gebrauch gut getrennt sammeln, aufbereiten und zu hochwertigen Rezyklaten weiterverarbeiten. Mit speziellen Aufbereitungsprozessen lassen sich sehr reine, transparente Recyclingwerkstoffe erzeugen, die auch die Herstellung von lackier- und verchrombaren PC/ABS-Blends ermöglichen. Das Keballoy Eco R-PC Sortiment bietet eine Auswahl an Gehäuse- und Designwerkstoffen, z. B. für den Automobil-Innenraum oder für Elektrogeräte.

Seit der Premiere der neuen Produktreihe Keballoy Eco anlässlich der K 2019 hat Barlog Plastics sein Sortiment an Keballoy Eco Compounds kontinuierlich ausgebaut.

Erste Anwendungen des chemischen Recyclings

Viele technische Kunststoffe werden in langlebigen Anwendungen unter ständiger Temperaturbelastung eingesetzt und kommen im Laufe ihrer Lebensdauer mit Medien oder UV-Strahlung in Kontakt. Diese Einsatzbedingungen setzen den Kunststoffen so stark zu, dass es mit den Methoden des mechanischen Recyclings nicht mehr möglich ist, sie am Ende ihres Lebens wieder zu annähernd neuwertigen Materialien zu recyceln, geschweige denn, an eine Kreislaufführung zu denken.

Hier kommt das chemische Recycling ins Spiel, mit dessen Hilfe die Kunststoffe wieder in ihre Ausgangsstoffe zerlegt werden und dann wieder zu Neuware verarbeitet werden. Während dieses Verfahren in vielen Fällen auch nach jahrzehntelanger Entwicklung aufgrund zu hoher Energiekosten noch nicht kommerzialisiert werden konnte, gibt es dennoch bereits einige Erfolgsgeschichten. So wird z. B. im industriellen Maßstab aus alten Fischernetzen wieder neuwertiges Polyamid 6 hergestellt. Das trägt dazu bei, die Menge an alten Fischernetzen in den Weltmeeren zu reduzieren, Fischern ein Zusatzeinkommen zu bieten und den Carbon Footprint von Polyamid-Bauteilen zu reduzieren.

Barlog Plastics bietet seinen Kunden an, alle PA6-basierten Kebablend Spezialcompounds kostenneutral auf chemisch recyceltes PA6 aus Fischernetzen umzustellen, um einen Beitrag zu einer nachhaltigeren Kunststoffwirtschaft zu leisten. Auch kundenspezifische Produktentwicklungen auf Basis von chemisch recyceltem PA6 sind auf Anfrage jederzeit möglich.

Biobasiertes POM von Kolon Plastics

Auch im Distributionssortiment bietet Barlog Plastics inzwischen einige nachhaltige Optionen an. So bietet z. B. der koreanische Partner Kolon Plastics im Rahmen seiner Sustainability Roadmap ein biobasiertes, ISCC Plus zertifiziertes POM-Copolymer an und arbeitet an der Entwicklung neuer Technologien zur Gewinnung von POM aus Wasserstoff und CO2 zur Reduktion des Energieverbrauchs bei der Polymerisation.

Neben den genannten Beispielen arbeitet Barlog Plastics weiterhin an neuen nachhaltigen und recyclingbasierten Produkten und ist ständig auf der Suche nach neuen Kooperationsmöglichkeiten zur Verwendung von Rezyklaten und zur Reduktion seiner Scope 3 Ökobilanz.

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