Positive Stimmung auf dem Schweizer Kunststoffmarkt

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Die Schweizer Kunststoffbranche befindet sich nach den durch den Frankenschock ausgelösten Krisenjahren wieder auf Wachstumskurs.

„Die Stimmung in der Schweizer Kunststoffbranche ist so gut wie seit Langem nicht. Im gesamten Jahr 2018 konnten wir einen positiven Trend sehen: Die Umsätze sind gestiegen, die Auftragslage bei den Verarbeitern hat sich verbessert – und auch die Margen sind gestiegen“, betont Kurt Röschli, einer der beiden Geschäftsführer des Branchenverbands Swiss Plastics.

Bereits 2017 hatte sich die Branche nach zwei Jahren mit negativer Entwicklung wieder erholt: Die Umsätze lagen laut Swiss Plastics bei über 14,5 Mrd. CHF – und damit um 5,6 % über dem Wert von 2016. Dabei hatten alle Sparten zugelegt – von den Verarbeitern über die Rohstofflieferanten bis hin zu Formenbauern. „Wir rechnen mit einer kleinen Abschwächung im kommen Jahr, werden aber das hohe Niveau halten können“, ist Röschli überzeugt.

Den sogenannten Frankenschock – die Aufhebung der Euro-Untergrenze zum Franken Anfang des Jahres 2015 – ist laut Röschli überwunden. Dies führt er auf die allgemein gute Nachfrage am Markt nach Kunststoffprodukten zurück, aber auch auf den Umstand, dass viele Schweizer Unternehmen der Branche ihre Beschaffungskonditionen vom Schweizer Franken auf Euro umgestellt haben.

Gleichwohl erkennt auch er die leichten Wolken am Horizont, welche die Konjunktur seit der zweiten Hälfte dieses Jahres eintrüben. So hat Economiesuisse, der Dachverband der Schweizer Wirtschaft, Anfang Dezember die Prognose für das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts für 2018 auf 2,7 % korrigiert. Für 2019 geht er von einer Halbierung des Wachstums aus – das Plus werde nur noch bei 1,4 % liegen. Der Wachstumsstopp im dritten Quartal war laut Economiesuisse aber nur temporärer Natur. So haben die Warenexporte im Oktober wieder kräftig zugelegt und ein monatliches Allzeithoch erreicht.

„Wir beobachten die wirtschaftliche Entwicklung natürlich, aber wir sehen keinerlei Krise heraufziehen“, betont Röschli. Lediglich bei Unternehmen, die die deutsche Automobilindustrie beliefern, sieht er aktuell ein paar Fragezeichen. Generell verzeichnen die Mitglieder von Swiss Plastics aber eine sehr gute Nachfrage aus Deutschland. Die Schweiz ist viertgrößter Lieferant in die EU nach USA, China und Russland.

Negative Einflüsse durch Nachhaltigkeitsdebatte

Negative Einflüsse auf die Kunststoffbranche sieht der Verband auch durch die anhaltenden Diskussionen auf EU-Ebene zum Verbot von Einweg-Produkten aus Kunststoff sowie zum Marine Littering. „Die Nachhaltigkeitsdiskussion wird auch in der Schweiz geführt – und führt zu einem negativen Image unserer Branche“, klagt Röschli. „Dabei vermisse ich Argumente wie beispielsweise, dass der Einsatz von ‚gutem und sympathischem’ Kunststoff große Vorteile für die Automobilindustrie, den Flugzeugbau oder die Medizinaltechnik bringt.“ Um die Schweizer Bevölkerung aufzuklären, hat Swiss Plastics hat über seine Webseite und Social-Media-Kanäle eine Kampagne zum nachhaltigen Wirtschaften mit Kunststoff gestartet. „Da haben wir es in der Schweiz einfacher als etwa in Deutschland, da wir vom Rohstofflieferanten bis hin zum Recycler alle Unternehmen in der Wertschöpfungskette unter dem einheitlichen Dach von Swiss Plastics haben.“

Zu wenig Nachwuchs

Die Zahl der Mitarbeiter in der Branche ist laut Swiss Plastics 2017 erstmals seit Jahren wieder leicht gestiegen. „Das ist natürlich eine gute Nachricht, aber diese Entwicklung wird leider nicht lange anhalten“, sagt Röschli. Die Gründe dafür sieht er einerseits im anhaltenden Fachkräftemangel und andererseits im Trend der Verlagerung von Produktionsstätten ins Ausland. „Wir haben zu wenig Fachkräfte in der Kunststoffbranche und uns geht der Nachwuchs aus“, so Röschli. Auf maximal 100 neue Lehrlinge komme die Branche pro Jahr – viel zu wenig, um in Zukunft gut aufgestellt zu sein. Dabei müssten laut Verband rund 250 neue Lehrverträge im Kunststoffbereich abgeschlossen werden, um den Fachkräftebedarf langfristig sichern zu können. Der Verband wirbt dabei nach Kräften auf Berufsmessen und anderen Events um den Nachwuchs.

Immer weniger Unternehmen in der Branche

2017 zählte Swiss Plastics 783 Firmen in der Branche – und damit 50 weniger als im Vorjahr. Firmenlöschungen und -fusionen können zu diesem Schwund beigetragen haben. Aber Röschli beobachtet, „dass vor allem mittlere Unternehmen aus Kostengründen ihre Fertigungsstätten in osteuropäische Länder wie Polen, Slowenien oder die Slowakei verlagern“. Er geht davon aus, dass die Zahl der Arbeitsplätze weiter rückläufig sein wird. „Die Schweiz wird künftig kein klassischer Fertigungsstandort mehr sein. Wir werden uns mehr und mehr auf Entwicklung, Design und Forschung konzentrieren.“ Unternehmen, die noch in der Schweiz fertigen, sind zudem zunehmend gezwungen, ihre Effizienz zu steigern – etwa durch die Erhöhung des Automationsgrads. Röschli: „Das bedeutet im Umkehrschluss, dass weniger Mitarbeitende in der Fertigung benötigt werden.“

sk

Lesen Sie mehr über den Schweizer Kunststoffmarkt im Special Blickpunkt Schweiz in der K-Zeitung 24/2018.

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