Zum Inhalt springen

Maschinenbau als Lösungsanbieter für das Recycling

Alaaddin Aydin, VP Maag Germany/Managing Director, ist vor allem auf die weltweite Engineering-Kompetenz der Unternehmensgruppe stolz. Foto: Maag

Die Kreislaufwirtschaft braucht ganzheitliche Recyclinglösungen – und der Maschinenbau ist hierfür Anbieter, davon ist Alaaddin Aydin von Maag überzeugt.

In der Way-2-K-Interviewserie des VDMA im Vorfeld der K-Messe spricht dieses Mal Alaaddin Aydin, Geschäftsführer von Maag Germany, über das Thema Kreislaufwirtschaft und die Rolle des Maschinenbaus als Lösungsanbieter für ganzheitliches Recycling.

Herr Aydin, wie bekommen wir das Problem des Kunststoffabfalls in den Griff?

Alaaddin Aydin: Die Frage ist nicht einfach zu beantworten. Es kommt immer auf den Umgang mit Kunststoff an. Da, wo keine Infrastruktur existiert und es kein abgestimmtes Regelwerk gibt, kann der vernünftige Umgang mit dem Kunststoffmüll nicht funktionieren. Das schadet uns sehr. Dieses Problem kann die Kunststoffindustrie alleine nicht lösen. Die Politik muss in Zusammenarbeit mit der Industrie und dem Handel die Infrastruktur und Rahmenbedingungen schaffen, um kontrollierte und nachvollziehbare Wertstoffströme zu gewährleisten und die Verlagerung der Risiken in Drittstaaten verhindern.

Statt Austausch: Produkte müssen reparierbar sein

Wie kann die Kreislaufwirtschaft forciert werden?

Aydin: Die Kunststoffindustrie und der Handel arbeiten schon seit längerem an Lösungen, um die Wertstoffströme im Kreislauf zu halten und den Anteil an Sekundärstoffen in Produkten zu erhöhen. Hersteller von Kunststoffprodukten sind zunehmend dabei ihre Produkte recycelbar zu machen und erhöhen auch den Rezyklatanteil in ihrer Produktion. Produkte müssen aber auch reparierbar sein – an diesem Punkt ist noch viel zu tun. Viele Produkte sind nicht reparierbar und werden immer noch einfach ausgetauscht, wenn sie defekt sind. Reparieren muss sich lohnen. Hier sind zwei einfache Beispiele: Die Effizienz kann mit Lösungen für eine umfassende vorausschauende Wartung oder Online-Qualitätskontrollen erheblich gesteigert werden.
Die Diskussion muss versachlicht und lösungsorientiert geführt werden. Kunststoffe sind dann meistens ein Teil der Lösung und nicht das Problem. Am Ende müssen alle an einem gemeinsamen Ziel arbeiten, die Industrie, die Politik aber auch die Gesellschaft.

In Deutschland sind wir ja schon ein gutes Stück voran gegangen.

Aydin: Ja, hier wird viel gemacht, es gibt aber auch noch viel zu tun. Es gibt viele gute Initiativen von allen beteiligten Seiten. Themen wie Ressourceneffizienz, klimaneutrale Kreislaufwirtschaft und die Schaffung von industriellen Infrastrukturen für eine Kreislaufwirtschaft werden oft im Schulterschluss angegangen. Die meisten Herausforderungen lassen sich aber nur auf der europäischen Ebene oder international lösen. Neben technologischen Innovationen braucht es klare und möglichst unbürokratische Regeln, die für alle gelten und ein „Level-Playing-Field“ gewährleisten.

Maschinenbau bietet Lösungen für ganzheitliches Recycling

Welche Rolle kommt der Industrie und hier vor allem dem Maschinenbau zu?

Aydin: Der Maschinenbau ist ein Lösungsanbieter. So sehen wir uns bei Maag auch. Wir können Lösungen anbieten, die Produktionsabfälle vermeiden, den effizienten Einsatz von Energie und Rohstoffen weiter vorantreiben und die Wiederverwertbarkeit nach dem Ende des Lebenszyklus eines Produktes gewährleisten. Zum Beispiel arbeiten Kunststoffhersteller mit Hochdruck an Lösungen, um Verbundwerkstoffe zu vermeiden und gleiche Funktionen über Monomaterialien anzubieten, was die Kunststoffprodukte leichter recycelbar macht. Nachvollziehbare Wertstoffströme und die Identifizierbarkeit von Kunststoffen für ein sortenreines Recycling, sowohl chemisch als auch mechanisch, werden vorangetrieben. Fest steht: Die Kreislaufwirtschaft braucht ganzheitliche Recyclinglösungen.

Welche Rolle spielt die Digitalisierung hierbei?

Aydin: Sie spielt eine entscheidende Rolle. Je effizienter produziert wird und je mehr Sekundärstoffe eingesetzt werden, umso kleiner ist der Eingriff in die Natur. In den Nachrichten und der Fachpresse ist das Thema Kreislaufwirtschaft omnipräsent und die Unternehmen stellen sich dieser Herausforderung und den daraus folgenden Aufgaben.

Auch Verbraucher müssen umdenken und nachhaltiger handeln

Und welchen Beitrag muss der Verbraucher leisten?

Aydin: Es muss ein Umdenken in unserer Gesellschaft stattfinden. Es reicht nicht, als Konsument die Plastikteppiche auf den Meeren und den drohenden Klimawandel zu beklagen. Man muss auch sein eigenes Verhalten ändern und wertschätzend mit den Rohstoffen und den Produkten umgehen. Das bedeutet zum Beispiel, dass man ein Produkt nicht einfach austauscht, weil es ein neueres Modell gibt, sondern dass man es bis zu seinem physischen oder technologischen Lebensende nutzt. Das heißt auch, dass man sich nicht drei Kleidungsstücke bestellt und zwei wieder retourniert. Bei Kleidung ist es heute oft schon so, dass durch den Trend zu Fast Fashion ein nicht unerheblicher Anteil ungetragen auf dem Müll landet. Der Verbraucher beeinflusst durch sein Kaufverhalten am Ende auch die Industrie und den Handel.

Welchen technologischen Beitrag zur Lösung der Probleme bietet Maag?

Aydin: Wir bieten zum Beispiel Lösungen für das mechanische Recycling an. Das Herzstück ist unser Hochleistungsschmelzefilter von Ettlinger, der je nach Applikation bis zu 16 Prozent Gewichtsvolumen aus dem Kunststoff herausholen kann - bei einem minimalen Materialverlust. Unsere sechste Generation Pumpen, die es jetzt auch speziell für Recycling-Anwendungen gibt, kann Partikelgrößen bis 4 Millimeter tolerieren, so dass selbst bei Post-Consumer-Recycling-Applikationen die Standzeiten verdoppelt wurden. Zudem bieten wir komplette Downstream-Lösungen an, inklusive der Granulierung. Die Granulatoren haben wir komplett überarbeitet. Bei gleicher Baugröße ist jetzt 40 Prozent mehr Ausstoß möglich. Die Verfügbarkeit der Anlagen wurde zudem erhöht und die Lebensdauer von Verschleißteilen erheblich verlängert, so dass ungeplante Stillstandszeiten minimiert wurden. Dies führt wiederum zu erheblich reduzierten Produktionsabfällen beim An- und Abfahren der Anlagen. Im Umkehrschluss bedeutet dies, dass wir kleinere Anlagen anbieten können bei verbesserter Leistung und Zuverlässigkeit. Das bedeutet weniger Bauraum, weniger Energieeintrag, weniger Produktionsabfälle bei verbesserter Produktqualität.

kus/VDMA

Schlagwörter: