Marktstudie: Composites-Index rutscht ab

Composites Germany ermittelt in einer Marktstudie halbjährlich den Composites-Index, der die aktuelle Geschäftslage für Verbundwerkstoffe spiegelt. Foto: Reed

Composites Germany veröffentlicht eine neue Marktstudie. Vor allem in den Bereichen Luftfahrt und Automobil sieht sich die Composites-Branche im Sinkflug.

Zum 15. Mal hat Composites Germany in einer Marktstudie aktuelle Kennzahlen zur Geschäftslage für faserverstärkte Kunststoffe erhoben. Das Ergebnis: der Composites-Index, der die derzeitige generelle Geschäftslage für faserverstärkte Kunststoffe spiegelt, fällt auf den niedrigsten Wert seit Beginn der Erhebung im Jahre 2013.

Beurteilung der generellen Geschäftslage bei den Mitgliedsunternehmen von Composites Germany. Grafik: Composites Germany

Befragt wurden alle Mitgliedsunternehmen der drei großen Trägerverbände von Composites Germany: AVK, Leichtbau Baden-Württemberg und VDMA-Arbeitsgemeinschaft Hybride Leichtbau Technologien. Ihre Einschätzung für Europa ist besonders bedrückend. Hier fällt der Index von +150 im ersten Halbjahr 2019 auf -350 in ersten Halbjahr 2020.

Marktstudie legt trübe Stimmung offen

Sichtbar werden hier die Auswirkungen der Corona-Pandemie auf zahlreiche Anwendungsbereiche von Verbundwerkstoffen. Vor allem mit Blick auf die Automobilindustrie und die Luftfahrt ist die Sorge der Composites-Branche groß.

Aber nicht nur die generelle Geschäftslage wird als eher ungünstig bewertet, auch bei der Bewertung der eigenen Geschäftslage bleiben die Unternehmen pessimistisch. Selbst wenn sich im Automobilbereich eine Erholung ankündigt und im Bausektor die Krise noch nicht voll zum Tragen kommt, sind viele Unternehmen stark verunsichert. Der Composites-Index für Europe zur eigenen Geschäftslage fällt von +100 im ersten Halbjahr 2019 auf -100 in ersten Halbjahr 2020.

Entwicklung der Composites abhängig von der Anwendung

Einschätzung zur Marktentwicklung von Composites in ausgewählten Anwendungen. Grafik: Composites Germany

Äußerst unterschiedlich zeigen sich auch die Erwartungen an die Entwicklung ausgewählter Anwendungsbereiche, in denen Verbundwerkstoffe verwendet werden. Vor allem für die Automobilindustrie und die Luftfahrt prognostizieren die Befragten eine Verschlechterung des Marktumfeldes. Andere Bereiche, wie der Sport- und Freizeitbereich oder auch der Infrastruktur-/Bausektor werden hinsichtlich der Erwartungen deutlich positiver beurteilt.

GFK löst CFK als Wachstumstreiber ab

Bleiben, wie auch in den letzten Markterhebungen, Deutschland, Europa und Asien die Weltregionen, aus der die wesentlichen Wachstumsimpulse für das Composites-Segment zu erwarten sind, so zeigt sich werkstoffseitig ein Paradigmenwechsel.

Wurde von den Befragten in den ersten 13 Erhebungen stets CFK als Material genannt, aus dessen Umfeld die wesentlichen Wachstumsimpulse für den Composites-Bereich zu erwarten sind, so wird GFK nun zum zweiten Mal in Folge als wichtigster Werkstoff genannt. Dieser Trend nimmt, gemessen an der Anzahl der Nennungen, sogar noch zu.

Hoffnung auf neue Anwendungen

Die derzeitige Situation der Corona-Pandemie hat nicht nur im Composites-Bereich für deutliche Unsicherheit gesorgt. Neben Produktionsausfällen und einem stark zurückgehenden Investitions- und Konsumklima sorgen auch politische Unsicherheiten und wirtschaftspolitische Querelen für eine negative Stimmung.

Viele der getroffenen Maßnahmen scheinen derzeit noch nicht ausreichend zu sein, um eine optimistische Grundstimmung zu erzeugen. Zwar drehen die Erwartungen an die zukünftige Geschäftslage generell ins Positive, dies führt aber noch nicht zu einer positiveren Bewertung der eigenen Position am Markt.

"Es bleibt abzuwarten, wie sich die Wirtschaft vor allem im Herbst entwickeln wird. In den letzten Jahren ist es gelungen, Composites in vielen neuen Anwendungsbereichen zu etablieren. Composites bleiben, nicht zuletzt aufgrund ihrer vielfältigen Eigenschaften, ein wichtiger Zukunftswerkstoff, der trotz der derzeitigen Krise seinen Weg in die Industrie finden wird", sagt Dr. Elmar Witten, Sprecher der Geschäftsführung bei Composites Germany und Geschäftsführer AVK.

mg

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