Circular Economy im Zentrum der K 2019

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Gut drei Monate vor der K-Messe wird deutlich, dass die Circular Economy das große Thema der K 2019 sein wird – bei Engel sogar mit fünf Exponaten.

Ende Juni gewährte Engel im Rahmen einer zusammen mit Borealis und Erema veranstalten „Pre K Pressekonferenz“ in Linz einen ersten Ausblick auf die Neuheiten der K 2019. Dabei wurde schnell klar, was für Engel das große Thema der Weltleitmesse der Kunststofftechnik sein wird: Die Circular Economy, die sich wie ein „grüner Faden“ durch verschiedene Exponate ziehen wird.

Dr. Stefan Engleder, CEO der Engel Gruppe, ist es ein persönliches Anliegen, eine Beitrag zum Aufbau einer Kreislaufwirtschaft für die Kunststoffindustrie zu leisten. „Die Kunststoffindustrie trägt eine globale Verantwortung, der die Unternehmen nur gemeinsam gerecht werden können. Ich begrüße es deshalb, Circular Economy auf dem wichtigsten internationalen Branchenevent in den Fokus zu rücken. Die K wird diesem Thema noch mehr Schub verleihen", so Engleder in Linz.

Die K 2019 wird zeigen, was heute schon möglich ist

Für den Engel CEO ist die Kreislaufwirtschaft aktuell einer der wesentlichen Innovationstreiber und er sich fest überzeugt. „Die K 2019 wird aufzeigen, was heute schon möglich ist und woran die Unternehmen der Kunststoffbranche arbeiten, um immer mehr Stoffkreisläufe zu schließen.“

Zu den vorrangigen Aufgaben auf dem Weg zur Kreislaufwirtschaft gehört es, aufbereiteten Kunststoffabfällen ein breiteres Einsatzspektrum zu eröffnen. Welchen Beitrag Engel als Spritzgießmaschinenbauer und Systemlöser leistet, machen die Österreicher auf der K 2019 mit fünf Exponate an drei Standorten deutlich. Im Mittelpunkt stehen die Verarbeitung von Rezyklat, die Erhöhung der Prozessstabilität und der Trend zum Design for Recycling.

„Die Stabilität der Spritzgießprozesse ist ein wichtiger Schlüssel, Rezyklate auch für höherwertige Produkte einsetzen zu können“, betont Günther Klammer, Bereichsleiter Plastifiziersysteme und Experte für Circular Economy bei Engel Austria. Denn Rezyklate unterliegen naturgemäß stärkeren Chargenschwankungen als Neuware. Um deren Einfluss auf den Prozess deutlich zu reduzieren, kommt bei der Verarbeitung von vollrezykliertem ABS am Messestand von Engel das intelligente Assistenzsystem iQ weight control zum Einsatz. Die Software aus dem Inject 4.0 Programm von Engel sorgt selbst bei stark schwankender Rohmaterialqualität für ein konstantes Schmelzevolumen beim Einspritzen und damit für eine konstant hohe Produktqualität. „Die intelligente Assistenz öffnet Rezyklaten die Tür zu einem deutlich breiteren Spektrum an Anwendungen“, sagt Klammer. „Industrie 4.0 ist für die Kreislaufwirtschaft ein wichtiger Enabler.“

Außen Neuware – innen Rezyklat

Ein weiterer Ansatz, Rezyklate breiter einzusetzen, sind so genannte Sandwichbauteile mit einem Kern aus Rezyklat, der in Neuware eingebettet ist. Ziel ist es, zum einen immer mehr Produkte für diese Form der Zwei-Komponenten-Fertigung auszulegen und zum anderen den Rezyklatanteil in den Sandwichstrukturen zu erhöhen. Der erzielbare Rezyklatanteil im Kern wird wesentlich von der Formteilgeometrie und dem Füllbild der Kavität bestimmt.

Die Transportboxen, die Engel auf seinem Messestand im Engel Skinmelt Verfahren produziert, stellen in dieser Hinsicht eine besondere Herausforderung dar. Dennoch gelingt es Engel, bei dieser komplexen Bauteilgeometrie mit dem Skinmelt Verfahren einen sehr hohen Rezyklatanteil von über 50 % zu erreichen. Wichtig ist zudem die Sortenreinheit, „damit sich die Sandwichprodukte am Ende ihrer Nutzungsdauer wieder leicht recyceln lassen“, betont Klammer.

Für die Herstellung der Transportboxen verarbeitet Engel ausschließlich Polypropylen, wobei das Rezyklat aus Post-Consumer-Sammlungen stammt. Engel arbeitet hierfür mit dem Grünen Punkt, dem Dualen System Deutschland (DSD), zusammen.

Design for Recycling

Nach Erfahrung von Engel ist es für das Recycling am Ende der Produktlebenszeit wichtig, dass bereits bei der Entwicklung eines neuen Produkts der spätere Recyclingprozess mitgedacht wird und die Anforderungen der Kreislaufwirtschaft und Nachhaltigkeit im Produktdesign Berücksichtigung finden.

Beispiele, wo dies bereits gut funktioniert, finden sich zum Beispiel in der Verpackungsindustrie und im Composite-Leichtbau. So geht bei der Herstellung von Dünnwandverpackungen im IML (In-mould-labelling)-Prozess der Trend zu Monomaterialsystemen, bei denen Label und Granulat aus demselben Material bestehen.

Im Composite-Leichtbau weisen durchgehend thermoplastbasierte Lösungen den Weg in die Kreislaufwirtschaft. Im Organomelt Prozess von Engel werden faserverstärkte Halbzeuge mit thermoplastischer Matrix, wie Organobleche und Tapes, mit einem Thermoplast aus der Materialgruppe des Matrixmaterials umspritzt.

Das gesamte Composite-Bauteil besteht nur aus thermoplastischem Kunststoff und Glasfasern und hat damit das Potenzial wiederverwertet zu werden. Auf seinem Messestand demonstriert Engel das serienreife Verfahren mit einer anspruchsvollen Automobilanwendung.

Ein zweites Leben für Fischernetze

Im Freigelände der K zwischen den Hallen 10 und 16 werden auf einer Engel Victory Spritzgießmaschine Post-Consumer-Abfälle zu solchen Mini-Müllcontainern verarbeitet. Bild: Engel

Engel spannt den Circular-Economy-Faden auf der K 2019 übrigens weit über seinen Hauptmessestand hinaus. Im Freigelände zwischen den Hallen 10 und 16 werden auf einer Engel Victory Spritzgießmaschine Post-Consumer-Abfälle zu Mini-Müllcontainern verarbeitet.

In unmittelbarer Nachbarschaft hierzu befindet sich der Recycling-Pavillon von Erema. Dort fertigt eine weitere Victory Maschine Zettelboxen aus aufbereiteten Fischernetzen.

Die Polyamid-Rezyklate stammen aus Chile, wo drei amerikanische Maschinenbauer Sammelstellen für alte Netze eingerichtet haben. Zuvor landeten diese mangels verfügbarer Sammelinfrastruktur häufig im Meer. In Chile werden die Netze auf einer Erema Anlage recycelt und auf Engel Spritzgießmaschinen zu Skateboards und Sonnenbrillen verarbeitet. Das Projekt beweist, wie sich durch das interdisziplinäre und internationale Zusammenspiel Stoffkreisläufe auch da schließen lassen, wo es bislang keine umfassenden Sammelsysteme gibt.

Weltweite Herausforderung

Gemeinsam mehr bewegen: Engel hat die globale Verpflichtung zur New Plastics Economy der Ellen MacArthur Foundation unterzeichnet. Bild: Ellen MacArthur Foundation

„Circular Economy ist eine weltweite Herausforderung mit regional unterschiedlichen Schwerpunkten“, macht Stefan Engleder deutlich. „Mit unserer Erfahrung aus Europa können wir dazu beitragen, auch in anderen Regionen der Erde wie Südamerika oder Asien erste Schritte in Richtung Kreislaufwirtschaft zu gehen. Dies funktioniert umso besser, je enger die Unternehmen entlang der Wertschöpfungskette zusammenarbeiten. Als einzelnes Unternehmen haben wir hier nur begrenzt Einfluss.“

Zum Ausdruck kommt diese Überzeugung unter anderem im Global Commitment zur New Plastics Economy. Als einer der ersten Kunststoffmaschinenbauer schloss sich Engel im Herbst vergangenen Jahres der Initiative der Ellen MacArthur Foundation an. „Die Initiative vernetzt die weltweiten Akteure und verschafft unserem gemeinsamen Anliegen mehr Gehör“, so Engleder.

gk

 

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