Chinaplas: Digitale Formate ergänzen Präsenzmesse

Digitale Formate ergänzen die Chinaplas als erste große Präsenzmesse der Branche seit Beginn der Corona-Pandemie. Foto: Adsale

Mit der Chinaplas in Shenzhen öffnet eine der wichtigsten Kunststoffmessen wieder als Präsenzveranstaltung – ergänzt um digitale Formate.

Zahlreiche digitale Formate ergänzen auf der Chinaplas (13. Bis 16. April 2021 in Shenzhen) die erste große Präsenzmesse der Kunststoffbrache nach Ausbruch der Covid-19-Pandemie.

China scheint die Auswirkungen der Pandemie überwunden zu haben. Seine Volkswirtschaft ist die derzeit einzige, die mit hoher Dynamik wächst. Und während in Deutschland das Messewesen immer noch daniederliegt, ist die Chinaplas die erste große Messe der Branche sein, die wieder vor Ort ihre Tore öffnet.

Allerdings wird die Einreise von Besuchern außerhalb Chinas durch strenge Quarantäne-Bestimmungen erschwert bzw. unmöglich gemacht. Der Chinaplas-Veranstalter Adsale geht daher neue Wege und bietet in Zusammenarbeit mit Ausstellern und Verbänden einen digitalen Videokanal an, in dem Produkthighlights vorgestellt und Marktentwicklungen beleuchtet werden. Austeller führen zudem zahlreiche Webinare in unterschiedlichen Sprachen durch und präsentieren sich auf einem virtuellen Messestand.

Digitale Formate auf der Chinaplas

So veranstaltet Lanxess einen Virtual Day APAC. „Damit können wir im Rahmen der diesjährigen Chinaplas vielfältige Möglichkeiten zur virtuellen Teilnahme anbieten. Wir sind uns sicher, auf diesem Weg sehr viele Partner, Kunden und interessiertes Publikum auch außerhalb Chinas erreichen zu können. Das Programm beinhaltet ein reichhaltiges Angebot an virtuellen Standbesuchen und Fachvorträgen sowohl auf Chinesisch als auch auf Englisch“, erklärt Michael Rockel, China Business Unit Manager, Lanxess High Performance Materials. Rockel gibt sich dabei zuversichtlich: „Momentan sehen wir eine starke Dynamik im Markt und erwarten einen regen Andrang.“

Andy Postlethwaite, Leiter Kunststoffgeschäfts Asien, BASF. Foto: BASF

Unsere Erwartungen an die diesjährige Chinaplas unterscheiden sich nicht von denen der vergangenen Jahre.

Andy Postlethwaite, Leiter Kunststoffgeschäft Asien, BASF

Die BASF geht ähnliche Wege. „Aufgrund der Pandemie gehen wir davon aus, dass die Zahl der internationalen Besucher begrenzt sein wird. Dennoch: Unsere Erwartungen an die diesjährige Chinaplas unterscheiden sich nicht von denen der vergangenen Jahre. Das Interesse der internationalen Community an dieser Veranstaltung ist nach wie vor groß. Daher wird die BASF auch digitale Plattformen zur Verfügung stellen“, erklärt Andy Postlethwaite, Leiter des BASF-Kunststoffgeschäfts in Asien.

Für Postlethwaite liegt in den digitalen Optionen sogar die Messe-Zukunft: „Ein Beispiel ist die Übertragung aller unserer Tech Talks vom Messestand aus. Wir erwarten hier sogar eine bessere Reichweite, denn die Tech Talks kann sich jeder überall auf der Welt ansehen.“ Mit derartigen Formaten könnten alle Innovationen von überall auf der Welt beworben werden und somit an Zugkraft gewinnen, meint Postlethwaite, „wenn auch ohne die Größenvorteile und die Reichweite von Veranstaltern wie Adsale.“ Wenn die Pandemie vorbei ist, sollten Veranstalter weiterhin virtuelle Plattformen als einen wichtigen Bestandteil ihrer Veranstaltungen einbeziehen.

Bedeutung des chinesischen Marktes wächst

Andere Unternehmen spielen noch nicht die digitale Karte. So sieht man beim Hersteller von Peripheriegeräten Motan-Colortronic in der diesjährigen Chinaplas eine regionale Show, die für China und Südostasien wichtig ist, für Europa aber kaum Impulse setzen wird. Allerdings wird Motan an der auf der Chinaplas auch an der digital übertragenen Veranstaltung „Industrie 4.0 Fabrik der Zukunft“ teilnehmen und ausstellen.

Carl Litherland, CMO der der Motan-Gruppe, betont aber: „Auch wenn es sich bei der diesjährigen Chinaplas um eine lokale Messe handelt, hat sie für uns eine hohe Relevanz, denn die Bedeutung des asiatischen Marktes hat für Motan während der Pandemie zugenommen.“ Litherland sieht vor allen in den Bereichen Verpackung, weiße Ware, Spielzeug, Medizintechnik und Rohrherstellung steigenden Bedarf nach Motan-Produkten.

Gero Willmeroth, President East Asia and Oceania, Engel. Foto: Engel

Wir freuen uns darauf, auf der Chinaplas unsere Kunden wieder persönlich treffen zu können. Das hat schon etwas von Aufbruchsstimmung.

Gero Willmeroth, President East Asia and Oceania, Engel

Auch für Spritzgießmaschinenhersteller Engel steigt die Bedeutung des asiatischen und insbesondere des chinesischen Marktes. „Engel konnte über die letzten Monate seine Marktanteile in China insbesondere im Verpackungs- und Medizinsegment ausbauen. Aber auch die Nachfrage nach komplexen Produktionsanlagen, zum Beispiel für Mehrkomponentenprozesse, steigt“, teilt Gero Willmeroth, President East Asia and Oceania bei Engel mit. Laut Willmeroth erholt sich im gesamtasiatischen Vergleich die Industrieproduktion in China am schnellsten: „China ist derzeit das einzige Land mit einem wachsenden BIP. Auch die zuletzt schwächelnde Automobilindustrie holt wieder auf.“

Engel stellt auf der Chinaplas wie Montan Colortronic ebenfalls im Rahmen des Gemeinschaftstandes „Industrie 4.0 Fabrik der Zukunft“ aus. Von diesem Stand werden die Produktpräsentationen auch als virtuelle Liveshow im Internet übertragen.

China derzeit sehr aktiver Markt für Spritzgießmaschinen

Im Gegensatz zu Engel präsentiert sich der Spritzgießmaschinenhersteller Arburg nicht nur auf diesem Gemeinschaftsstand, sondern zusätzlich auf einem eigenen großen Firmenstand.

Gerhard Böhm, Geschäftsführer Vertrieb, Arburg. Foto: Arburg

Für Arburg stand von Anfang an fest: Wir sind da. Und das nicht in einer abgespeckten Version, sondern im Vergleich zur letzten Chinaplas mit einem fast 50 Prozent vergrößerten Messestand

Gerhard Böhm, Geschäftsführer Vertrieb, Arburg

„Auch unabhängig von Corona war und ist der chinesische und asiatische Markt für uns sehr wichtig. Selbst wenn sich die Chinaplas 2021 eher auf nationale Besucher beschränken wird, stand für uns von Anfang an fest: Wir sind da. Und das nicht in einer abgespeckten Version, sondern im Vergleich zur letzten Chinaplas in Guangzhou auf einem um fast 50 Prozent vergrößerten Messestand“, sagt Gerhard Böhm, Geschäftsführer Vertrieb bei Arburg. Böhm betont: „Im weltweit größten und derzeit sehr aktiven Markt für Spritzgießmaschinen ist es das allemal wert. Wer das nicht erkannt hat, hat den Markt nicht verstanden oder unterschätzt ihn!“

Auch für den Komplettanbieter für Extrusionstechnik Maag ist der chinesische Markt von großer Bedeutung. „China war und ist für uns immer wichtig. Ein großer Teil unserer Maschinen wird nach China geliefert“ erklärt Paul Merich, Vice President APAC bei Maag. Allerdings sind seine Erwartungen an die Chinaplas eher gedämpft: „Ich denke, dass die Chinaplas dieses Jahr etwas kleiner und ruhiger sein wird als wir das gewohnt waren. Die Messe wird dieses Jahr eher lokal sein. Da sich unser Hauptmarkt in Asien allerdings in China befindet, ist das für uns nicht von Relevanz. Wir freuen uns trotzdem auf die diesjährige Messe, da sie die erste internationale Messe in der Kunststoffindustrie seit Beginn der Pandemie ist“, so Merich.

Asien ist ein Schlüsselmarkt

Die wachsende Bedeutung des chinesischen Marktes spiegelt sich auch bei den Kunststofferzeugern. „Schon in den vergangenen Jahren hat der asiatische Markt für Lanxess deutlich an Bedeutung gewonnen und wir gehen davon aus, dass sich diese Entwicklung fortsetzt“, sagt Michael Rockel, China Business Unit Manager, Lanxess High Performance Materials. „In Bereichen wie der neuen Mobilität und der entsprechenden Infrastruktur, aber auch bei 5G und zahlreichen Endverbraucheranwendungen erwarten wir eine zunehmende Nachfrage nach unseren Produkten.“

Für BASF bleibt China ein Schlüsselmarkt. „Asien macht etwa 36 Prozent des weltweiten Umsatzes von BASF Performance Materials aus. China profitierte von der schnellen Erholung der chemischen Industrie und der Gesamtwirtschaft in der zweiten Hälfte des Jahres 2020“, so Andy Postlethwaite, Leiter des BASF-Kunststoffgeschäfts in Asien.

Chinaplas als Innovationsmesse?

Werden auf der Chinaplas als erstmals wieder geöffneter Messe von größerer Bedeutung echte Innovationen zu sehen sein, die in Europa dem Publikum mangels Messen bislang vorenthalten wurden? Die Antworten der von der K-ZEITUNG befragten Unternehmen ergeben ein gemischtes Bild. „Wir zeigen dieses Jahr nur kleinere Innovationen, große Neuigkeiten zeigen wir generell nur auf der Chinaplas in Shanghai“, erklärt Paul Merich bei Maag. „Ich denke nicht, das die Chinaplas in Shenzen technologische und wirtschaftliche Impulse über Chinas Grenzen hinaus setzten wird.“

Bei Arburg sieht man das ähnlich: „Messen sind wichtige Plattformen, um Neuheiten zu präsentieren. Doch für Arburg kann ich sagen: Wir entwickeln unsere Innovationen ja nicht von Messe zu Messe, sondern verfolgen, was Technologie und Entwicklungen angeht, langfristige strategische Ziele. Diese werden von dem Ausfall oder der Verschiebung von Messen nicht beeinflusst. Zwar ist die Chinaplas nach langer Zeit wieder die erste große Messe, aber aus meiner Sicht ist Europa immer noch der Hotspot für technologische Entwicklungen“, erklärt Gerhard Böhm.

Auch beim Wettbewerber Engel hat man in Zeiten von Covid-19 an allen Entwicklungszielen festgehalten und Innovationen unabhängig von Messen präsentiert. „Zum Beispiel haben wir auf der Engel live E-Xperience, der ersten virtuellen Hausmesse von Engel im Oktober vergangenen Jahres, unsere neuesten Produkte vorgestellt“, erklärt Gero Willmeroth.

Die Kunststofferzeuger sehen in der Chinaplas durchaus eine Veranstaltung von globaler Bedeutung. „Große Fachveranstaltungen bieten Inspiration und Referenz für Veranstaltungen, die danach stattfinden. So präsentieren wir neue Lösungen, die auf der Chinaplas erstmals einem großen Publikum gezeigt werden, darunter 5G-Infrastrukturlösungen und recycelbare Exoskelett-Anzüge. Ein kabelloser Laderoboter wird ebenfalls zum ersten Mal auf der Chinaplas zu sehen sein“, erklärt Andy Postlethwaite. „Natürlich zeigen wir diese Lösungen auch in einem virtuellen Showroom für Interessanten, die nicht persönlich zur Chinaplas anreisen können.“

Michael Rockel, China Business Unit Manager, Lanxess HPM. Foto: Lanxess

Wir erwarten, dass von der diesjährigen Chinaplas im Bereich Mobilität durchaus auch Impulse für Europa gesetzt werden können.

Michael Rockel, China Business Unit Manager, Lanxess HPM

Michael Rockel, China Business Unit Manager, Lanxess High Performance Materials, betont: „In China werden strategische Anwendungen und Entwicklungen mit hoher Geschwindigkeit vorangetrieben. Zum Beispiel erwarten wir im Bereich Mobilität − und hier insbesondere beim Leichtbau sowie Elektro- und Wasserstoffantrieben −, dass von der diesjährigen Chinaplas durchaus auch Impulse für Europa gesetzt werden können. Die Chinaplas ist aber für uns nur eines von zahlreichen Formaten, um regelmäßig in Kontakt mit Kunden und Partnern zu bleiben.“ Zum Beispiel bietet der Geschäftsbereich High Performance Materials schon seit einiger Zeit regelmäßige „Tech-Xchange-Webinare“ an, die allen Kunden, einschließlich dem europäischen Publikum, Einblicke in die neuesten Lösungen von Lanxess geben.

Schwindende Bedeutung von Präsenzmessen?

Nimmt die Bedeutung großer Präsenzmessen wie Chinaplas insgesamt also ab? „Wir sind sehr froh, dass die Chinaplas im April physisch stattfindet“, antwortet Gerhard Böhm von Arburg. Auch Michael Rockel, Lanxess, sieht trotz zahlreicher virtueller Angebote des Unternehmens in der Präsenzmesse eine wichtige Funktion: „Wir sind wir glücklich, dass mit der Chinaplas in Shenzhen eine der wichtigsten Messen für unsere Industrie wieder als physische Veranstaltung durchgeführt wird. Dies erfüllt uns mit Hoffnung, die Pandemie bald hinter uns zu lassen und wieder nach vorne schauen zu können.“

Gero Willmeroth von Engel bringt den Trend bei der Generierung von Leads in der Branche auf den Punkt „Es ist eine große Motivation für die gesamte Branche, zu sehen, dass reale Messen wieder möglich sind. Dies wird die Stimmung beflügeln. Wichtiger aber ist – wie erwähnt –, dass die Märkte weltweit wieder anziehen und wir mit unseren Technologien Antworten auf aktuelle Fragen liefern. Dies werden wir auf der Chinaplas genauso unter Beweis stellen wie auf den weiteren virtuellen Messen und unseren eigenen Events.“

Matthias Gutbrod

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