Roboterprimus Kuka verschwindet von der Börse

Peter Mohnen ist seit 2018 CEO von Kuka. Foto: Kuka

Midea will Roboterprimus Kuka von der Börse nehmen; gleichzeitig werden die Investitionen in Augsburg in Forschung und Entwicklung erhöht.

Im Rahmen seiner langfristigen Wachstumsstrategie plant der chinesische Konzern Midea, sein Robotik-Tochterunternehmen Kuka mit Hilfe eines sogenannten Squeeze-Out-Prozesses von der Börse zu nehmen. Squeeze-out bedeutet, dass Minderheitsaktionäre aus einer Gesellschaft zwangsweise durch den Mehrheitsanteilseigner ausgeschlossen werden. Midea hält derzeit einen Anteil von über 95 % aller Kuka-Aktien.

Börsen-Delisting soll agileres Handeln ermöglichen

Die derzeitige Börsennotierung von Kuka bringt nach Einschätzung des Managements keine wesentlichen Vorteile für das Unternehmen mit sich, da das durchschnittliche tägliche Handelsvolumen gering ist. Außerdem ist Kuka aufgrund seines geringen Streubesitzes nicht mehr in wichtigen Indizes vertreten. Als Unternehmen ohne Börsennotierung werde Kuka von administrativen Anforderungen befreit, könne agiler handeln und sich besser auf die Umsetzung der Strategie und das operative Geschäft konzentrieren.

Im Rahmen der Strategie wird sich Kuka vor allem darauf konzentrieren, Robotik-Expertise und Applikations-Know-how weltweit und über alle Geschäftsbereiche hinweg zu bündeln, um seine Produkte und Marktposition weiter zu verbessern. Dazu zählt ein übergreifendes Portfolio mit regional angepassten Produkten und Lösungen für Wachstumsbranchen in der Robotik und Logistik, wie E-Commerce und Retail. Schnell wachsende Märkte für Kuka und das Kuka-Tochterunternehmen Swisslog sollen so gezielt gestärkt und die Koordination zwischen den Ländern noch enger abgestimmt werden.

Augsburg bleibt Produktions-, Forschungs- und Entwicklungs-Zentrum

Zu diesem Zweck sollen auch die Investitionen für Forschung und Entwicklung (F&E) in Augsburg bis 2025 um mindestens 15 % gegenüber 2021 erhöht werden. Augsburg bleibt zudem Forschungs- und Entwicklungs-Zentrum für Spitzentechnologien mit zentralen Innovationsprojekten wie der Entwicklung des Betriebs- und Ecosystems IIQKA. Auch der Produktionsstandort Augsburg wird als integraler Bestandteil der Fertigungsbasis für EMEA und andere Regionen beibehalten.

Michael Leppek, Stellvertretender Vorsitzender des Kuka-Aufsichtsrats und Aufsichtsratsmitglied der Arbeitnehmer, sagte: „Mit der neuen Strategie wurde ein Kompromiss erzielt. Wir geben eine wenig effektive Börsennotierung auf gegen einen gemeinsamen Wachstumsplan und eine Geschäftsvision sowie langfristige Zusagen für Kuka mit dem Schwerpunkt auf Produktion und Technologien. Diese Fokussierung hat Priorität, um die Zukunft von Kuka zu sichern. Ziel der Vereinbarung ist es, den Standort Augsburg und damit die Arbeitsplätze in der Region über das Jahr 2023 hinaus zu schützen.“

Ziel: führende Rolle in der roboterbasierten Automatisierung

„Unser Ziel ist eine führende Rolle in der roboterbasierten Automatisierung bis 2025“, sagt Peter Mohnen, CEO von Kuka. „Dafür brauchen wir einen klaren Fokus auf Technologieentwicklung und Innovation sowie die volle Unterstützung von Midea. Deshalb verfolgen wir gemeinsam eine langfristige Strategie für Kuka und haben die Rahmenbedingungen dafür festgelegt, mit einem klaren Fokus auf das operative Geschäft. Ich begrüße Mideas Zusage, unsere F&E-Ausgaben in Augsburg erheblich zu erhöhen, um das Wachstum von Kuka noch effektiver voranzutreiben. Diese Entscheidung ermöglicht Kuka, auch an unserem Heimatstandort zu wachsen und als attraktiver und zukunftsorientierter Arbeitgeber Talente zu gewinnen und zu fördern. Mit dem Wachstumsplan 2025 haben wir eine gemeinsame Vision für die Zukunft – deutlich über das Ende der bestehenden Investorenvereinbarung hinaus.“

Wieder schwarze Zahlen für 2021 erwartet

Für das laufende Geschäftsjahr erwartet der Roboterhersteller wieder schwarze Zahlen. 2020 war der Umsatz um 19,4 % auf 2,6 Mrd. EUR zurückgegangen; das EBIT (Ergebnis im operativen Bereich) war negativ mit -113 Mio. EUR. „Kuka hat den Turnaround geschafft und einen klaren Wachstumsweg eingeschlagen“, so Mohnen. Er erwartet für 2021 einen Umsatz von rund 3,1 Mrd. EUR sowie ein EBIT von rund 60 Mio. EUR. Diese Entwicklung hatte sich bereits Mitte des Jahres angedeutet:

Mohnen: „Erste Anzeichen lassen uns auch für die Geschäftsentwicklung über 2021 hinaus optimistisch sein. Für 2022 sind wir optimistisch, dass sich dieser positive Trend fortsetzen wird.“

sk