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Peter Altmaier: „Kunststoff ist Zukunft“

Live aus Berlin zugeschaltet: Peter Altmaier, Bundesminister für Wirtschaft und Energie, der die Umweltprobleme durch Kunststoffabfälle nicht mit Verboten, sondern mit Hochtechnologie lösen will. Foto: Kunststoffland NRW

Beim High-Level-Empfang des Kunststoffland NRW am Vorabend der K 2019 bezog Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier eine klare Position pro Kunststoff.

Reinhard Hoffmann, Vorstandsvorsitzender des kunststoffland NRW e.V.: „Wir erwarten von der Politik, dass sie die Voraussetzung für eine echte Kreislaufwirtschaft liefert.“ Foto: Kunststoffland NRW

Über 300 hochkarätige Vertreter von Wirtschaft, Wissenschaft, Verbänden und Politik – darunter der live aus Berlin zugeschaltete Wirtschaftsminister Peter Altmaier – waren der Einladung des Kunststoffland NRW e.V. zum High-Level-Empfang in der Turbinenhalle der Stadtwerke Düsseldorf gefolgt und haben damit eindrucksvoll bewiesen, dass Nordrhein-Westfalen tatsächlich ein – nein – das Kunststoffland ist. Welche Wirtschaftskraft sich hier versammelt hatte, machte der Vereinsvorsitzende Reinhard Hoffmann mit einer eindrucksvollen Zahl deutlich. Nach seinen Berechnungen repräsentierten die Anwesenden 175.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die direkt oder indirekt für die Kunststoffbranche tätig sind.

Altmaier will weg von der Wegwerfgesellschaft

Dr. Hermann Bach, stellvertretender Vorstandsvorsitzender des kunststoffland NRW und Moderator der Veranstaltung, machte schon in seiner Einführungsrede ein wesentliches Ziel der Veranstaltung deutlich: „Wir wollen und wir müssen weg von der Wegwerfgesellschaft und hin zur Kreislaufwirtschaft.“

Dies deckt sich voll und ganz mit der Überzeugung von Reinhard Hoffmann, der in seinem Grußwort feststellte: „Kunststoff ist ein hochinnovativer Zukunftswerkstoff und ein Problemlöser für viele Branchen. Aber das schreckliche Bild von Plastikmüll in den Weltmeeren stimmt bedenklich.“ Aber nach seinen Worten kehrt die Kunststoffbranche die Probleme und Herausforderungen nicht unter den Tisch, sondern wird auf der K 2019 viele konkrete­ Antworten darauf liefern.

Pauschale Verbote sind keine Lösung

Hoffmann forderte aber auch die Politik auf, keine pauschalen Verbote­ zu erlassen und auf ein Kunststoff-Bashing zu verzichten: „Wir erwarten von der Politik, dass sie die Voraussetzung für eine echte Kreislaufwirtschaft liefert.“ Dann wird es nach seiner festen Überzeugung die Kunststoff­industrie auch schaffen, weiter Problemlöser für viele Branchen zu sein.

Dr. Joanna Drake, stellvertretende Generaldirektorin GD Umwelt der Europäischen Kommission: „Die Verantwortung ist eine geteilte Verantwortung.“ Foto: Kunststoffland NRW

Dr. Joanna Drake, stellvertretende­ Generaldirektorin GD Umwelt der Europäischen Kommission, machte in ihrem Vortrag klar, dass das Hauptziel sein muss, Kunststoffabfall zu minimieren, und dass die EU die dafür nötige Umstellung beschleunigt vorantreiben will. Hier dürfte nach Drakes Überzeugung auch die neue EU-Kommissarin Ursula von der Leyen, die derzeit die EU-Kommission neu aufstellt, ihren Einfluss geltend machen. Drake betonte aber auch, dass die Kunststoffbranche die Last nicht allein tragen kann, und sagte: „Die Verantwortung ist eine geteilte Verantwortung.“ Klar ist für Drake­ aber auch, dass die Strategie über „reuse – reduce – recycle“ führen muss und dass ein  Kreislauf für Produkte und Prozesse nach ihrer Überzeugung unumgänglich ist.

Welche enorme Herausforderung damit für die Kunststoffbranche verbunden ist, erklärte direkt im Anschluss Dr. Claus Rettig, Vorsitzender der Geschäftsführung der Evonic Resource Efficiency GmbH. Für ihn lautet die zentrale­ Frage: Wie lässt sich Plastikmüll egal aus welcher Quelle stoppen?

Dr. Claus Rettig, Vorsitzender der Geschäftsführung der Evonic Resource Efficiency GmbH: „Wir brauchen Kunststoffe auch in Zukunft – es gibt keinen Ersatz. Aber wir müssen die Werkstoffnutzung zirkular machen.“ Foto: Kunststoffland NRW

Den Kunststoff generell zu verurteilen ist für ihn dabei der falsche Weg. Auch spektakuläre Konzepte­ zur Reinigung der Meere sind allein nicht zielführend. Erst recht nicht blinder Aktionismus oder emotional geführte Diskussionen. Lösen lässt sich das Problem für Dr. Rettig nur mit der Industrie und nicht ohne, mit einem abgestimmten gemeinsamen Vorgehen und mit einer Kreislaufwirtschaft. Denn, so Rettig: „Wir brauchen Kunststoffe auch in Zukunft – es gibt keinen Ersatz. Aber wir müssen die Werkstoffnutzung zirkular machen.“

Abschluss und Höhepunkt der Veranstaltung war der Auftritt von Peter Altmaier, Bundesminister für Wirtschaft und Energie, der live aus Berlin zugeschaltet war. Aktuelles Ziel der Regierung ist es nach Altmaiers Worten zwar, dass diejenigen, die heute erfolgreich sind, auch in Zukunft erfolgreich sind. Und hier schloss er ausdrücklich die Kunststoffindustrie, „die voller Kreativität steckt“, mit ein. Er wies aber auch darauf hin, dass wir unseren Wohlstand nur halten können, wenn wir die Natur nicht zerstören.

Mit Hochtechnologie Lösungen finden

Zum Abschluss der Veranstaltung stellten die Teilnehmer dem live zugeschalteten Peter Altmaier durchaus kritische Fragen – und erhielten prompt eine Einladung nach Berlin, um die Themen Kunststoff und Kreislaufwirtschaft im großen Rahmen zu diskutieren. Foto: Kunststoffland NRW

Im Gegensatz zur aktuellen Umwelt­ministerin setzt Altmaier dabei aber nicht auf Verbote, sondern darauf, mit Hochtechnologie geeignete Lösungen zu finden. Nach einem ausgiebigen Parforceritt durch die aktuell prägenden Themen der Politik – vom Brexit, bei dem er den Anwesenden Hoffnung auf eine Einigung mit den Briten machte, bis zu den Handelsbeschränkungen der USA – stand Altmaier den Teilnehmern auch noch für Fragen zur Verfügung.

Dabei zeigte er sich durchaus offen für die Sorgen und Nöte der Kunststoffbranche und lud die Vertreter des kunststoffland NRW sogar nach Berlin ein, um mit allen Beteiligten über eine sinnvolle Umsetzung einer Kreislaufwirtschaft mit Kunststoff zu diskutieren. Und im Rahmen der Diskussion sorgte­ er sogar mit einer Aussage, die wohl die wenigsten der Anwesenden aus dem Mund eines Politikers erwartet hätten, für tosenden Applaus im Saal: „Kunststoff ist Zukunft“ und – diese Ergänzung sei hier im Hinblick auf viele Neuheiten der K 2019 erlaubt – vor allem, wenn er im Kreislauf genutzt wird.

gk