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Digitaler PIAE-Kongress – ein Erfolg?

Lobby des ersten rein digitalen Fachkongresses PIAE Plastics in Automotive Engineering. Knapp 300 Besucher und 15 Austeller nahmen teil. Grafik: VDI Wissensforum

Die digitale Ausgabe des PIAE-Kongresses zählte deutlich weniger Besucher als das analoge Pendant im letzten Jahr. Der Veranstalter ist dennoch zufrieden.

Der Fachkongress „PIAE Plastics In Automotive Engineering“ konnte aufgrund Corona-Pandemie nicht vor Ort in Mannheim durchgeführt werden. Statt die PIAE abzusagen, hatte der Veranstalter, das VDI Wissensforum, sich entschlossen, den Kongress sowie die dazugehörige Fachausstellung komplett ins Digitale zu übersetzen.

Bis zu 300 Teilnehmer loggten sich Ende Juli in in den digitale Kongress ein, 15 Firmen präsentierten sich und ihre Produkte auf der begleitenden Fachausstellung. Zum Vergleich: Die „analoge“ PIAE in Mannheim im Frühjahr letzten Jahres besuchten rund 1.300 Teilnehmer, über 120 Unternehmen hatten einen Stand auf der Ausstellung.

VDI Wissensforum mit Digital-Kongress zufrieden

Timo Taubitz, Geschäftsführer beim VDI Wissensforum, sagte gegenüber der K-ZEITUNG: „Wir erreichten natürlich nicht die Teilnehmerzahlen unserer Präsenzveranstaltungen. Dennoch sind wir stolz darauf, dass wir unter den gegebenen Umständen in gewohnter Qualität für unsere Referenten, Aussteller und Teilnehmer ein verlässlicher Partner sein konnten.“

Taubitz betonte, dass digitale Formate gegenüber Präsenzveranstaltungen nicht direkt vergleichbar seien und man mit den ersten digitalen Konferenzen sehr zufrieden sei. „ Wir werten derzeit die Feedbacks unserer Teilnehmer und Aussteller aus, um künftige Digitalveranstaltungen weiter zu verbessern“, erklärte Taubitz.

Dennoch wünscht er sich für das kommende Jahr, Konferenzen wieder vor Ort abhalten zu können. „Auf Basis der ersten Erfahrungen mit dem digitalen Format schließen wir aber auch nach der Pandemie hybride Modelle und rein digitale Konferenzen nicht aus. Schließlich konnten wir den Teilnehmern aufzeigen, dass digitale Plattformen auch Vorteile gegenüber Präsenzveranstaltungen mit sich bringen.“

Digital und doch lebendig

Das VDI-Wissensforum setzt modernste Software ein, um digitale Veranstaltungen so lebendig wie möglich zu gestalten. Neben Vorträgen per Video-Stream gab es Diskussionsrunden per simultaner Videoschalte oder auch eine Break-out Session. Interaktion und Netzwerken standen also auch bei der digitalen Ausgabe der PIAE im Mittelpunkt. Doch die Mehrzahl der langjährigen Besucher braucht den Reiz der persönlichen, physischen Begegnung und bleib der PIAE dieses Jahr erstmal fern.

Spezifikationen als Hürde für Rezyklate

Hartmut Häberle, MAN Truck & Bus: „Genau spezifizierte Kunststoffe, wie sie bei Nutzfahrzeugen eingesetzt werden, sind derzeit bei Rezyklaten nur wenige vorhanden.“ Foto: MAN

Eines der Leitthemen auf der PIAE war der Einsatz von Rezyklaten in der Automobilindustrie. Gerade mit Blick auf Nutzfahrzeuge gab sich Hartmut Häberle, Technischer Berater für Kunststoffanwendungen bei MAN Truck & Bus, kritisch: „Rezyklate im Nutzfahrzeug erfordern zuverlässige und berechenbare Materialqualitäten“, sagte er. Bei MAN-Fahrzeugen könnten nur genau spezifizierte Kunststoffe eingesetzt werden, deren Verhalten bekannt ist oder beschrieben werden kann. Dies sei derzeit bei Rezyklaten nicht in ausreichendem Maße gegeben.

„Es gilt jetzt also, die Materialeigenschaften und das Alterungsverhalten von Rezyklaten so präzise zu beschreiben, dass diese auch für die virtuelle Absicherung durch CAE-Simulation verwendet werden können. Diese Qualitäten müssen dann vom Rezyklat-Hersteller aber auch für 15 Jahre Belieferungszeit garantiert werden“, beschreibt Häberle die Herausforderungen für den Einsatz von Rezyklaten bei Nutzfahrzeugen.

Industrie muss Kreislaufwirtschaft vorantreiben

Jochen Hardt Jochen Hardt, Leiter Global Marketing Mobility bei Covestro sieht hier die Kunststoffindustrie in einer besonderen Verantwortung, den Wandel von der Wegwerf- zur Kreislaufwirtschaft voranzutreiben.

Jochen Hardt, Covestro: „Aus unserer Sicht sind die im Automobil verwendeten Kunststoffe viel zu wertvolle Rohstoffe, um sie am Ende ihrer Nutzung einfach zu entsorgen.“ Foto: Covestro

„Covestro will diese Umstellung mit möglichst vielen Partnern gemeinsam gestalten. Aus unserer Sicht sind die im Automobil verwendeten Kunststoffe viel zu wertvolle Rohstoffe, um am Ende ihrer Nutzungsdauer einfach entsorgt zu werden“, so Hardt. Entscheidend für den Erfolg sei natürlich, dass die Produkte die hohen Qualitätsanforderungen und Spezifikationen der Automobilindustrie erfüllen und zu einem akzeptablen Preis angeboten werden können.

„Aus unserer Sicht sind Kunststoff-Rezyklate nicht die einzige Quelle für nachhaltige Rohstoffe“, ergänzte Hardt. So nutze Covestro auch CO2 und pflanzliche Biomasse als Baustein für Kunststoff-Vorprodukte.

Die Diskussion machte die Komplexiität und Herausforderungen einer Umstellung von einer linearen Wirtschaft zu einer Kreislaufwirtschaft im Automobilbau sehr deutlich. Klar ist aber auch, dass alle Beteiligten bei vielen Entwicklungen erst am Anfang stehen.

mg