Deutscher Technologievorsprung in Gefahr?

Umsatzwachstum in den letzten zwölf Monaten Grafik: Epicor

Mit einer globalen Studie untersucht Epicor jedes Jahr Wachstum, Umsätze, Gewinne und Produktspektrum von Unternehmen. Eine der Kernaussagen: 65 % der befragten deutschen Unternehmen konnten in den letzten zwölf Monaten den Umsatz steigern, aber nur 58 % ihren Gewinn.

Für die aktuelle Studie von Epicor wurden 2.450 Führungskräfte und Mitarbeiter in Unternehmen aus zwölf Ländern zu ihren Wachstumsergebnissen in den vergangenen zwölf Monaten befragt. Ein zentrales Ergebnis der Studie: 64 % der befragten Unternehmen konnten im vergangenen Jahr ihre Gewinne steigern, wobei deutsche Unternehmen hinter den Wettbewerbern aus Schwellenländern hinterherhinken. Allerdings ist Deutschland in bester Gesellschaft, denn das prozentuale Wachstum ist in vielen hochindustrialisierten Regionen geringer.

Dennoch: Unternehmen in Deutschland scheinen durch den Fokus auf Vertrieb ihren Gewinn teilweise aus den Augen zu verlieren. Denn während laut der Studie von Epicor 65 % der deutschen Unternehmen in den vergangenen zwölf Monaten bei Vertrieb und Umsatz Wachstum verzeichneten, konnten nur 58 % ihre Gewinne steigern.

Wachstum der Unternehmensgewinne in den letzten zwölf Monaten nach Ländern Grafik: Epicor

Im globalen Vergleich gehören deutsche Unternehmen auch mit zu den Schlusslichtern, wenn es um den Ausbau des Produktspektrums geht. Für Deutschland – ebenso wie für Frankreich – liegt der Wert bei 53 %, der globale Durchschnittswert bei 61 %. Schwellenländer wie Indien und Mexiko liegen in der Erweiterung ihres Produktspektrums deutlich höher (82 % bzw. 76 %). Aber auch Unternehmen aus den USA und UK (64 % bzw. 63 %) setzen stärker als deutsche Fertiger auf den Ausbau ihres Produktangebots.

Im Zuge von Industrie 4.0 und Internet of Things (IoT) kann sich das natürlich schnell ändern – zumal Deutschland neben den USA in diesem Bereich als führend gilt. Interessant wird dabei allerdings sein, ob deutsche Fertigungsunter­nehmen diese technologischen Innovationen auch umfassend ausschöpfen: von der Effizienzsteigerung und der Individualisie­rung von Produkten bis hin zu neuen Geschäftsmodellen mit entsprechend erweitertem Service- und Produktspektrum. Denn letztlich wird mit Industrie 4.0 und IoT eine direktere Verbindung zwischen der Produktion und dem Produkt beim Kunden geschaffen. Ob die Prozesse und Daten über diese Verbindung mit Autobahngeschwindigkeit fließen oder mit gemächlichem Landstraßentempo, hängt vom bestehenden ERP-System als zentrale IT-Infrastruktur ab.

Wachstum des Produktspektrums von Unternehmen in den letzten zwölf Monaten Grafik: Epicor

Hier sollten sich deutsche Unternehmen nicht von veralteten System ausbremsen lassen. Das Risiko­ besteht, wie eine frühere Epicor-Studie zeigt: Demnach arbeiten Unternehmen aus Schwellenländern fieberhaft daran, einen technologischen Vorsprung im Vergleich zu ihren Gegenspielern aus den Industrienationen zu erreichen und damit besser für Wachstum gerüstet zu sein.

Im direkten Vergleich von Unternehmen aus Deutschland, China und Indien zeigt die Epicor-Studie: 56 % der Entscheider in China nannten den Einsatz der richtigen Technologie als wichtigsten Faktor für das Unternehmenswachstum in den vergangenen zwölf Monaten, für Indien liegt der Wert bei 41 %, für Deutschland hingegen bei 30 %.
Geht es um Wachstumsfaktoren insbesondere für mittelständische Unternehmen, zeigt sich ein ähnliches Bild. Technologieführerschaft ist mit 68 % bei den Befragten in China die Topantwort, in Indien liegt der Wert bei immerhin noch 46 %, in Deutschland dagegen nur bei 33 %.

gk