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Automatisierung: Charta stellt Mensch in Mittelpunkt

Die Good Work Charter stellt den Mensch in den Mittelpunkt der Automatisierung. Foto: F&P Robotics

Die europäische Robotik-Branche ruft Unternehmen auf, bei der Automatisierung den Mensch in den Mittelpunkt zu stellen; dabei hilft die Good Work Charter.

Der Mensch im Mittelpunkt bei Robotik und Automatisierung – um dies umzusetzen, fordert die European Engineering Industries Association (Eunited) Unternehmen auf, die von der europäischen Roboter-Industrie entwickelte Good Work Charter zu unterstützen. Die Charta definiert zehn Grundsätze für die fortschrittliche Gestaltung von Arbeitsplätzen. In einer Welt, in der Menschen immer enger mit Robotern arbeiten, dient sie als Leitfaden für die aktive Verfolgung eines humanzentrierten Ansatzes für die Automatisierung. Mit ihrem Beitritt zur Unterstützerkampagne bekennen sich die Unternehmen öffentlich zur Umsetzung der Grundsätze der Charta am Arbeitsplatz.

Unterstützerkampagne für Arbeitswelt der Zukunft

„Die Charta für gute Arbeit ist eine bahnbrechende Initiative für Nachhaltigkeit und soziale Verantwortung der Unternehmen im Hinblick auf die Zukunft der Arbeit in Europa“, sagt Wilfried Eberhardt, Vorsitzender von Eunited Robotics. Unternehmen, die Robotik in ihrer Produktion einsetzen, sowie Hersteller von Robotik und Automatisierungstechnik möchte Eunited mit der Unterzeichnung einer Erklärung als Unterstützer gewinnen. Die Unterzeichner sind aufgerufen, konkrete Fallbeispiele vorzulegen, die untermauern, wie sie die Grundsätze der Charta in die Tat umsetzen.

Für Arbeitsplätze mit hohem Automatisierungsgrad

Die Charta fordert, dass Roboter die Menschen am Arbeitsplatz entlasten, insbesondere von monotonen, gefährlichen und schmutzigen Arbeiten: Menschen sollen nicht wie Maschinen arbeiten. Robotik-Lösungen sollen assistieren und der Belegschaft Möglichkeiten für die berufliche Weiterentwicklung eröffnen. Insgesamt zehn Schwerpunkte definieren, wie humanzentrierte Arbeitsplätze mit einem hohen Automatisierungsgrad erreicht werden können.

Mensch-Roboter-Kollaboration für Fügeprozesse

Bereits heute gibt es Unternehmen, die die Prinzipien der Good Work Charter in die Tat umsetzen. Im ersten Beispiel stehen die Mensch-Roboter-Kollaboration und „Fusion Skills“ im Fokus: In einem Werk der BMW Group werden die Mitarbeiter von einem Kuka-Cobot unterstützt. In der Montage mussten die Beschäftigten bisher schwere und schwer zu greifende Differenzialgehäuse heben. Jetzt hilft der Roboter bei der ergonomisch anspruchsvollen Aufgabe, Ausgleichsgehäuse millimetergenau einzupassen. Mensch und Roboter fügen hier nun gemeinsam die Ausgleichsgehäuse für die Vorderachsgetriebe – in weniger als einer halben Minute.

Cobot führt Mitarbeiter durch den Prozess

Bei einem anderen Beispiel stehen Inklusion und Partizipation im Mittelpunkt: Der kollaborative Roboter Sawyer von Retina Robotics unterstützt Menschen in einer Behindertenwerkstatt in Iserlohn. Das System projiziert einzelne Montageschritte auf die Arbeitsfläche und führt so die Mitarbeiter durch den Prozess. Ist das Teil fertig montiert, führen andere Beschäftigte mit Sawyers Unterstützung die visuelle Qualitätskontrolle durch. Ziel des Projektes der Iserlohner Werkstätten und Rethink Robotics ist es, Systeme zu schaffen, die Menschen mit Behinderungen fit für den ersten Arbeitsmarkt machen.

Einfache Bedienbarkeit: intuitiv Bewegungen aufzeichnen

In einem weiteren Beispiel geht es um das Thema der einfachen Bedienbarkeit, sodass die Robotik nicht länger einer ausgewählten Gruppe hochqualifizierter Spezialisten vorbehalten ist. Das dänische Startup Nordbo Robotics hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Robotik zu „demokratisieren", indem es eine Technologie bereitstellt, die es jedem ermöglicht, Aufgaben zu automatisieren, ohne über Programmierkenntnisse zu verfügen. Mit dem „Mimic Kit“ können Beschäftigte intuitiv Bewegungen aufzeichnen und auf den Roboter übertragen. Dies bietet ihnen neue Möglichkeiten, ihre beruflichen Perspektiven zu verbessern.

sk