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Verbände: GKV und Tecpart trennen sich

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Roland Roth, Präsident des GKV Gesamtverband Kunststoff verarbeitende Industrie: "Wir können uns kein Stottern im Verbandsmotor erlauben."

Der Gesamtverband Kunststoff verarbeitende Industrie (GKV) und sein Trägerverband Tecpart gehen künftig getrennte Wege. Das Vertrauen sei verspielt, heißt es beim GKV.

Die Delegierten des Gesamtverband Kunststoff verarbeitende Industrie (GKV) haben am 23.06.2022 auf einer Versammlung heute den Beschluss des GKV‐Vorstands bestätigt, sich von Tecpart als GKV‐Trägerverband zu trennen. Die Zusammenarbeit mit den verbliebenden vier Trägerverbänden wird vertrauensvoll fortgesetzt und intensiviert.

Trennung von Tecpart überraschend

Die für Außenstehende überraschende Trennung begründet der GKV mit internen Konflikten und Grenzüberschreitungen seitens führender Akteure bei Tecpart. GKV‐Präsident Roland Roth erklärt: „Es gibt Werte, die wir nicht verhandeln, und Grenzüberschreitungen, die wir nicht akzeptieren können. Eine vertrauensvolle und konstruktive Zusammenarbeit mit der derzeitigen Tecpart‐Führung ist daher nicht mehr möglich.“

Stottern im Verbandsmotor des GKV verhindern

Roth betont, dass der GKV sich diese Entscheidung nicht leicht gemacht habe: „Die Kunststoffindustrie steht unter starkem gesellschaftlichem Druck. Sie durchläuft gerade eine herausfordernde Transformation mit vielen großen Baustellen. Hier braucht es einen geeinten und starken GKV, um die Interessen der Kunststoff verarbeitenden Unternehmen in Deutschland bestmöglich zu vertreten.“

GKV-Präsident Roland Roth: Trennung von Tecpart ist richtig. Foto: GKV

Laut Roth könne man für eine große gemeinsame Sache viele Differenzen überbrücken oder ausblenden. „Doch dies hat Grenzen, die in internen Konflikten seitens Tecpart überschritten wurden.“ Roth hält deshalb die Trennung für richtig, zumal unlösbare interne Konflikte dem Ziel, die Interessen der Kunststoffverarbeiter mit einem geeinten und starken GKV zu vertreten, zuwiderliefen. „Wir können uns um des lieben Friedens willen kein Stottern des Verbandsmotors erlauben, wenn wir alle zusammen eigentlich auf Hochtouren laufen müssen. Dafür steht für alle Beteiligten zu viel auf dem Spiel.“

Tecpart beklagt Struktur der kleinen Spartenverbände

Naturgemäß stellen die Vertreter von Tecpart die Trennungsgründe anders dar. So konnten sie nach eigenen Angaben ihre Vorstellung hin zu einer leistungsfähigen bundesweiten GKV-Verbandsstruktur bei der Delegiertenversammlung leider nicht durchsetzen. "Damit bleibt der GKV auch in Zukunft ein Verband der kleinen Spartenverbände mit vielen eigenen Organisationseinheiten", heißt es bei Tecpart.

Auch bei Umgang mit dem Thema Recycling gab es wohl Dissens. Tecpart-Vorsitzender Felix Loose sah die Interessen seiner Mitglieder - Hersteller technischer Kunststoffprodukte sowie der Compoundierer und Recycler - vom GKV nicht ausreichend gewürdigt: "Wir bei Tecpart stehen für einen geschlossenen bundesweiten Auftritt im Interesse der Kunststoffverarbeiter auch im Sinne der Kreislaufwirtschaft. Zudem gibt viele gute Argumente für die langlebigen Kunststoffprodukte, die wir auf unserer Seite haben.“

Michael Weigelt, Geschäftsführer Tecpart: Wir werden weiterhin für die Branche Leitplanken in Politik und Normung setzen. Foto: Tecpart

„Tecpart erarbeitet mit den Compoundierern und Recyclern eine Recyclingstrategie für die nachhaltige Nutzung unserer Rohstoffe – dies werden wir weiter in die Gremienarbeit einbringen“, kommentiert Rainer Zies, Vorsitzender der Fachgruppe der Compoundierer & Recycler bei Tecpart.

„Mit unserer Expertise werden wir auch weiterhin Leitplanken in der Politik und Normung für die Branche setzen“, ergänzt Tecpart-Geschäftsführer Michael Weigelt den weiteren Kurs von Tecpart.

Tecpart-Vorsitzender Felix Loose und Tecpart-Geschäftsführer Michael Weigelt äußerten sich beide über die Trennung vom GKV zutiefst betroffen: „Lieder ist es uns nicht gelungen, in einer Zeit, in der die Branche die Kräfte bündeln sollte, zu vermitteln, dass die Struktur des Gesamtverbandes den neuen Herausforderungen angepasst werden muss“, so Loose.

Vier Trägerverbände verbleiben im GKV

Mit den im GVK verbleibenden vier Trägerverbänden wird der GKV die Zusammenarbeit fortsetzen und intensivieren. Es handelt sich um AVK Industrievereinigung Verstärkte Kunststoffe, FSK Fachverband Schaumkunststoffe und Polyurethane, IK Industrievereinigung Kunststoffverpackungen und Pro-K Industrieverband Halbzeuge und Konsumprodukte.

Der GKV und seine verbleibenden Trägerverbände bedanken sich bei den Mitgliedern des Tecpart für ihre langjährige Mitgliedschaft und ihr Engagement. Sie werden dem GKV mit ihren Erfolgsgeschichten, Innovationen und Persönlichkeiten fehlen. „Auch wenn wir diese Trennung gegenwärtig für den einzig gangbaren Weg und für geboten halten, rufen wir den Tecpart‐Mitgliedern zu: Die Türen zum GKV bleiben offen“, so Roland Roth.

mg