Martin Oestreich mit Wacker-Siliconpreis ausgezeichnet

Martin Oestreich, Professor für Synthese und Katalyse an der Technischen Universität Berlin, erhält für seine Grundlagenforschung für die Entwicklung neuartiger Katalysatoren die Auszeichnung Wacker-Siliconpreis 2021. Foto: TU Berlin, Phil Dera

Martin Oestreich, Professor für Synthese und Katalyse an der TU Berlin, wird mit dem Siliconpreis 2021 des Chemiekonzerns Wacker ausgezeichnet.

Grund für die Auszeichnung mit dem Wacker-Siliconpreis 2021 sind Martin Oestreichs wegweisende Arbeiten auf dem Gebiet der organischen und siliciumorganischen Chemie. Durch die Kombination von Bor und Silicium mit organischen Molekülen ist es ihm gelungen, die Grundlagenforschung für die Entwicklung neuartiger Katalysatoren voranzutreiben. Oestreich erhält die mit 10.000 EUR dotierte Auszeichnung am 7. Juli 2021 im Rahmen des 19. Internationalen Symposiums für Siliciumchemie ISOS-2021 in Toulouse, Frankreich. Die Preisverleihung wird aufgrund der aktuellen Corona-Situation online durchgeführt. Oestreich beschäftigt sich seit vielen Jahren mit grundlegenden Fragen auf dem Gebiet der Katalyse. Einen Namen machte er sich mit seinen Arbeiten zur Bindungsaktivierung und zur Silyliumionenchemie. Auch seine Untersuchungen zur Transferhydrosilylierung, zur Kohlenstoff-Wasserstoff-Silylierung von aromatischen Verbindungen und zur enantioselektiven Silylierung von Alkoholen sind wegweisend.

Auszeichnung für Grundlagenforschung im Bereich Bor und Silicium

Im Mittelpunkt seiner Arbeit stehen insbesondere Bor und Silicium und wie sich diese Elemente in Kombination mit organischen Molekülen zur Entwicklung neuer Katalysatoren nutzen lassen. Oestreich gelang es, ein chirales Hydridosilan zu synthetisieren, das erstmals einen Chiralitätstransfer auf Kohlenstoff ermöglichte, der für die kinetische, nicht-enzymatische und reagenz-kontrollierte Racematspaltung von Alkoholen eingesetzt werden kann. Bei der Beschäftigung mit Siliciumkationen erzeugte Oestreich erstmals ein ferrocenstabilisiertes Silyliumion, bei dem der Elektronenmangel am Siliciumatom nicht nur durch das Eisenatom, sondern durch die gesamte Metallocenylgruppe stabilisiert wird. Solche Verbindungen sind schon bei niedrigen Temperaturen ausgezeichnete Katalysatoren, beispielsweise für Diels-Alder-Reaktionen. Auch mit einer übergangsmetallfreien Transferhydrosilylierung sorgte er für Aufsehen. Diese praxisrelevante Technologie eignet sich beispielsweise für eine gefahrlose Handhabung von Hydrosilanen, die leicht flüchtig, pyrophor oder explosiv sind. So lässt sich Monosilan gefahrlos für weitere chemische Transformationen wie etwa die Hydrosilylierung nutzen. „Mit der Kopplung von organischer Chemie und Siliciumchemie hat Martin Oestreich das Tor zu neuen Forschungsfeldern auf dem Gebiet der Katalyse aufgestoßen“, betonte der Leiter der Wacker-Konzernforschung Dr. Christoph Kowitz in seiner Laudatio. „Für die Wissenschaft und langfristig auch für uns haben seine Forschungsergebnisse enorme Bedeutung – etwa wenn es darum geht, das Klimagas Kohlendioxid für unser Produktportfolio in Zukunft noch besser verwertbar zu machen.“

Martin Oestreich ist 21. Preisträger des Wacker-Siliconpreises

Martin Oestreich studierte Chemie in Düsseldorf, Manchester und Marburg, bevor er an der Uni Münster über stereoselektive Carbolithiierung promovierte. Nach einem Postdoc-Aufenthalt an der US-amerikanischen University of California bei Professor Larry E. Overman leitete er von 2001 an eine Emmy-Noether-Nachwuchsgruppe der Deutschen Forschungsgemeinschaft an der Universität Freiburg, wo er 2005 bei Professor Reinhard Brückner habilitierte. 2006 wurde er dort Professor für Organische Chemie. Seit 2011 forscht und lehrt Oestreich an der Technischen Universität Berlin. Als Einstein-Professor ist er außerdem Mitglied des Exzellenzclusters „Unifying Concepts in Catalysis“ (UniCat). Ziel der Initiative ist die Entwicklung und Erforschung neuer Katalysatoren durch Kombination von klassischer Chemie, Bio- und Materialwissenschaften. Oestreich ist geschäftsführender Direktor des Instituts für Chemie und Prodekan der Technischen Universität Berlin. 2020 übernahm er außerdem den Vorsitz der Liebig-Vereinigung für Organische Chemie der Gesellschaft Deutscher Chemiker. Seine Publikationsliste umfasst über 250 wissenschaftliche Arbeiten. Oestreich ist Herausgeber und Autor zahlreicher Fachbücher. Er ist der 21. Preisträger des Wacker-Siliconpreises.

ak

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