„Ein Bärendienst für die Kreislaufwirtschaft“

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Kontraproduktiv: Die Kunststoffbranche investiert massiv in die Kreislaufwirtschaft, und wird mit 15 Forderungen nach Kunststoffverboten konfrontiert.

Während die Kunststoffbranche Millionen in die Entwicklung nachhaltiger Lösungen und die Umsetzung einer Kreislaufwirtschaft investiert, bleiben die Kunststoffgegner ihrer Strategie treu und fordern weitere Verbote. So hat am 5. Februar 2020 ein Bündnis verschiedener Nichtregierungsorganisationen – darunter der BUND, Greenpeace und die Heinrich Böll Stiftung – der Bundesregierung in Berlin 15 Forderungen präsentiert, die „Wege aus der Plastikkrise“ aufzeigen sollen. „Über strikte Regulierung und Verbote müssten Kunststoffproduktion und -verbrauch drastisch reduziert werden“ – so eine der zentralen Forderungen. Die Reaktion der Kunststoffbranche ließ nicht lange auf sich warten.

Dr. Rüdiger Baunemann, Hauptgeschäftsführer Plastics Europe Deutschland Foto: Plastics Europe

So kritisierte der Verband der Kunststofferzeuger Plastics Europe den Forderungskatalog als wenig zielführend und teilweise kontraproduktiv. Denn für Dr. Rüdiger Baunemann, Hauptgeschäftsführer von PlasticsEurope Deutschland, ist es ein Trugschluss, dass der alleinige und sofortige Ersatz von Kunststoffen zu weniger Umweltproblemen führt. Mehr noch: Oftmals ist nach seiner Überzeugung eine Kunststofflösung sogar umweltfreundlicher als ihre Alternativen.

Mit Hochdruck an der Kreislaufwirtschaft

Dr. Martin Engelmann, Hauptgeschäftsführer der IK Industrievereinigung Kunststoffverpackungen. Foto: IK Industrievereinigung Kunststoffverpackungen

Dr. Martin Engelmann, Hauptgeschäftsführer des IK Industrievereinigung Kunststoffverpackungen, sieht dies ähnlich: „Während die Hersteller von Kunststoffverpackungen in Deutschland mit Hochdruck für eine stärkere Kreislaufwirtschaft arbeiten, sind einige Lobbygruppen leider beim „Plastik-Bashing“ stehen geblieben.“

Engelmann verweist auch darauf, dass die Politik in den letzten Monaten ehrgeizige Ziele für Kunststoffverpackungen in der Kreislaufwirtschaft gesetzt hat. „Wenn nun ständig weiter an der Forderungsspirale gedreht wird, fehlt insbesondere den mittelständischen Unternehmen die Planungssicherheit für dringend notwendige Investitionen in besser recyclingfähige Verpackungen und einen höheren Rezyklateinsatz. Damit wird der Kreislaufwirtschaft ein Bärendienst erwiesen“, so Engelmann.

Nachhaltige Ressourcen- und Kreislaufwirtschaft mit Kunststoffen gefährdet

Auch nach Überzeugung des Gesamtverbandes Kunststoffverarbeitende Industrie – GKV – ist die überwiegende Zahl der 15 Forderungen nicht geeignet, um einen Beitrag zur Debatte über Kunststoffe und Ressourceneffizienz leisten zu können. Vielmehr laufen die Forderungen Gefahr, den begonnenen Weg zum Ausbau der nachhaltigen Ressourcen- und Kreislaufwirtschaft mit Kunststoffen durch Verunsicherung und einen Mangel an Planungs- und Rechtssicherheit für die Wirtschaft zu gefährden.

Dr. Oliver Möllenstädt, Hauptgeschäftsführer des GKV. Foto: GKV/Götz Schleser

Dr. Oliver Möllenstädt, Hauptgeschäftsführer GKV: „Sich mit bekannten Problemen und Vorurteilen am Werkstoff Kunststoff abzuarbeiten und in großer Zahl neue Beschränkungen und Verbote zu fordern, stellt keinen geeigneten Beitrag zu einer seriösen Diskussion über kluge Schritte zu einer nachhaltigeren und klimaverträglichen Lebensweise dar. Zu einer ehrlichen Bestandsaufnahme hätte gehört, auch die erheblichen Vorteile von Kunststoffprodukten in der Nutzenphase für Menschen und Umwelt zu benennen. Gleichwohl bleiben wir natürlich gesprächsbereit.“

Kunststoffbranche ist sich ihrer Verantwortung durchaus bewusst

Dr. Rüdiger Baunemann betont, dass sich die Kunststoffbranche ihrer Verantwortung durchaus bewusst ist, Prozesse, Produkte und Logistik nachhaltig und schonend zu gestalten und Kunststoffe stärker in Richtung einer Kreislaufwirtschaft zu entwickeln. Und wie Möllenstädt verweist auch Baunemann auf die vielen Vorteile, die Kunststoffe nun mal haben: Sie werden in Windrädern und Solarzellen eingesetzt, dämmen Häuser und machen Autos leichter und somit verbrauchsärmer und beugen Lebensmittelverlusten vor.

Anders als vielfach dargestellt, sind Kunststoffe nicht per se schädlich, sondern tragen entscheidend dazu bei, dass sich die großen Herausforderungen unserer Zeit wie Klimawandel, Lebensmittel- und Gesundheitsversorgung sowie Energie- und Mobilitätswende bewältigen lassen.

Die 15 Forderungen von Greenpeace & Co. im Überblick

  • Kunststoff-Verbrauch eindämmen
  • Hersteller und Inverkehrbringer haften für Schäden
  • Aufklärung, Transparenz und Informationsvermittlung
  • Weltweites Abkommen gegen die Kunststoff-Flut
  • Einweg stoppen
  • Nachhaltiges Produktdesign
  • Produktherstellung ohne Schadstoffe
  • Primäres Mikroplastik verbieten
  • Kunststoffeinsatz in der Logistikkette eindämmen
  • Freisetzung von Mikroplastik durch Kunststoff-Nutzung verhindern
  • Vorrang für Mehrweg
  • Kunststoff-Eintrag auf See begrenzen
  • Abfall vermeiden
  • Einsatz von Rohstoffen reduzieren
  • Schadstoffe im Rohmaterial verbieten

Detaillierte Informationen zu den „Wegen aus der Plastikkrise" und den den 15 Forderungen an die Bundesregierung bietet eine spezielle Website von Greenpeace.

Der ausführliche Kommentar des Gesamtverband Kunststoffverarbeitende Industrie (GKV) zu diesen Forderungen:

  1. Der Verbrauch von Kunststoffen in Deutschland für den privaten Konsum bewegt sich auf dem Niveau vergleichbarer westlicher Länder. Der vermeintlich überdurchschnittliche Einsatz von Kunststoffen in Deutschland ist zu großen Teilen auf die erfreuliche Exportstärke der deutschen Industrie zurückzuführen. Eine Gesellschaft, die effektiven Klimaschutz erreichen will, muss moderne Werkstoffe forcieren, statt deren Einsatz zu beschränken.
  2. Die Industrie unternimmt aktuell große Anstrengungen, um die Ressourceneffizienz von Kunststoffen durch einen Ausbau der Kreislaufwirtschaft weiter zu stärken. Hierzu wurden auf nationaler und europäischer Ebene konkrete Ziele zur Recyclingfähigkeit von Produkten und zum Einsatz von Kunststoffrezyklaten freiwillig vereinbart bzw. gesetzlich verankert. Dieser Weg erfordert Investitionen der Unternehmen und muss durch verlässliche Rahmenbedingungen und Planungssicherheit abgesichert werden.
  3. Sparsamer Ressourceneinsatz muss Unternehmen und Verbrauchern nicht politisch verordnet werden. Veränderte Lebensstile bringen auch eine verstärkte Nutzung von Produkten aus modernen Materialien mit sich. Kunststoffprodukte bieten viele Vorteile, bspw. zur Vermeidung von Foodwaste, und tragen erheblich zum Klimaschutz bei. Einwegprodukte erfüllen u.a. in vielen Fällen wichtige Hygieneanforderungen und können in bestimmten Anwendungen eine günstigere Ökobilanz aufweisen als Mehrwegprodukte.
  4. Der Eintrag von Kunststoffen und Mikrokunststoffpartikeln in die Umwelt, insbesondere in die Meere, stellt ein globales Problem dar, das nicht allein aus Deutschland heraus gelöst werden kann. Gleichwohl unternehmen Bundesregierung und Wirtschaft gemeinsam Aktivitäten zur Förderung des Ausbaus der Sammel- und Verwertungsinfrastruktur für kunststoffhaltige Abfälle in den Regionen, in denen weltweit die größte Menge an Kunststoffabfällen entsteht. Die Kunststoffindustrie trifft weitreichende Vorsorge zur Vermeidung des Eintrags von Kunststoffen in die Umwelt aus der Produktion.
  5. Nahezu jede Substanz, die in der Umwelt vorkommt, ist mit modernen Messmethoden in der Umwelt und auch in Organismen nachweisbar. Über die Gefährlichkeit eines Stoffes und die möglichen Risiken für den menschlichen Organismus sagt das gleichwohl nichts aus. In Europa hergestellte Produkte aus Kunststoffen entsprechen den Bestimmungen des europäischen Chemikalienrechts sowie häufig deutlich darüber hinausgehender Vorschriften des Produktrechts und weiterer Qualitätsstandards. Damit wird ein im internationalen Maßstab höchstes Schutzniveau der Bevölkerung sichergestellt.

gk

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