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News 8. September 2023

Für ein besseres Image: „Plastic is fantastic“

Viele reden davon, dass Kunststoff ein besseres Image braucht, der Verpackungshersteller Alpla handelt – ein Interview mit CEO Philipp Lehner.

Philipp Lehner, CEO von Alpla
Philipp Lehner, CEO von Alpla

Schon vor seiner Berufung zum CEO von Alpla hat Philipp Lehner mit großem Engagement versucht, das Image der Kunststoffe zu verbessern. Im Interview mit der K-ZEITUNG erklärt er, warum es so wichtig ist, dass auch kleine und mittlere Unternehmen aktiv am Image der Kunststoffe arbeiten.

Herr Lehner, Sie engagieren sich ja schon seit vielen Jahren stark für die Verbesserung des Images der Kunststoffe. Sind Sie denn auf diesem sicherlich schwierigen Weg etwas vorangekommen?

Philipp Lehner: Gute Frage – bei uns laufen die Aktivitäten unter der Überschrift „Plastic is fantastic“ und das spezifische Projekt, durch das wir mehr mit den Konsumenten und der lokalen Presse in Kontakt treten, nennt sich aVoice. Hier sind wir inzwischen in 15 Ländern aktiv und uns freut es, dass viele Medien das Thema aufgenommen und darüber berichtet haben.

Dies führt jetzt zu einem stetigen Austausch von Daten, Fakten und Analysen und inspiriert andere Leute, wieder etwas draufzusetzen und Neues zu machen. Wir stoßen damit inzwischen auf immer mehr Interesse, zu hören, zu lernen und mit uns in Kontakt zu treten.

Auch bei der Tages- und Wirtschaftspresse?

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Lehner: Meine subjektive Wahrnehmung ist, dass ich heute in der Tages- und Wirtschaftspresse mehr über die Vorteile von Kunststoffen lese als früher – zum Beispiel im Umfeld von Hygiene und Sicherheit. So hat die ansonsten gegenüber Kunststoff eher kritische Presse während der Corona-Pandemie des Öfteren über die Vorteile der Kunststoffe berichtet. Wir sehen also leichte Tendenzen hin zu einer positiveren Berichterstattung über Kunststoffe.

Allerdings sehen wir auch, dass nach wie vor eine andere Perspektive auf das Thema aktiv vertreten wird. Für uns als Industrie gilt es jetzt, für die Gesellschaft einen ganzheitlichen Blick sicherzustellen und zu bewahren – und hier leisten wir mit unseren Aktivitäten einen wichtigen Beitrag.

Mit „Plastic is fantastic“ gehen Sie ja mit gutem Beispiel voran – was steckt denn hinter dieser Kampagne?

Lehner: Für uns ist Kunststoff der Inbegriff für sicheren, leistbaren und nachhaltigen Konsum. Ich glaube, man kann heute am Markt nichts mehr platzieren oder ein Konsumentenbedürfnis wecken, das nicht auf allen drei Ebenen sehr gut funktioniert – also sicher, leistbar und nachhaltig ist.

Wenn man jetzt Kunststoffe mit den herkömmlichen Alternativen wie Metall oder Glas vergleicht, gewinnt Kunststoff in den meisten Produktkategorien über alle drei Bereiche. Darum gilt „Plastic is fantastic“.

Ich glaube, bei den Themen Sicherheit und Leistbarkeit ist es jedem klar, warum Kunststoff in den letzten 20, 30 oder 40 Jahren so massiv zugenommen hat. Bei der Nachhaltigkeit ist die Meinung noch nicht so klar, weil die Daten und Fakten noch nicht in der letzten Konsequenz präsentiert worden sind, und das System zur Nutzung von Kunststoffen vielleicht auch den einen oder anderen Punkt nachjustieren muss.

Bei der Verschmutzung der Weltmeere?

Lehner: Leider gab es den großen Eintrag von Kunststoffabfall über die viel zitierten zehn großen Flüsse. Es gab auch Verpackungstypen, die sich nicht gut für einen Kreislauf eignen, weil Technologie oder Nachfrage fehlten. Aber: Das sind Themen, an denen heute viele Unternehmen und Einrichtungen arbeiten, damit wir auch hier das Bild von Kunststoff abrunden und die Nachhaltigkeit noch mehr als Alleinstellungsmerkmal in den Vordergrund rücken können.

Zum Beispiel bei dem aktuell im Fokus stehenden CO2-Fußabdruck. Bei Diskussionen zum Pro und Contra von Kunststoffen denke ich oft an die Aussage des IKT-Leiters Prof. Bonten, der bei solchen Gelegenheiten gerne sagt: Wenn ihnen der CO2-Fußabdruck wichtig ist, dürfen sie ihre Produkte nicht aus Glas oder Metall machen…

Lehner: Absolut – bei einer 500 ml Einwegflasche für Limonade ist der CO2-Fußabdruck bei Glas viermal so hoch wie bei PET: Das heißt, mit PET lässt sich in diesem Fall der CO2-Fußabdruck um 75 Prozent reduzieren. Ich glaube nicht, dass es viele Kategorien von Produkten gibt, bei denen man so viel Impact erreichen kann.

Ein weiteres Beispiel sind die berühmten Plastiksackerl – die Kunststofftragetaschen, die durch Papiertüten ersetzt wurden. Was dabei übersehen wird: Bei der Produktion einer Kunststofftragetasche fällt 70 bis 80 Prozent weniger CO2 an als bei Papiertüten. Da stellt sich für mich schon die Frage, welche Art von Nachhaltigkeit wir mit Papiertüten erreichen wollen.

Solche Diskussionen muss man aber auf Basis von Zahlen, Daten und Fakten führen und nicht auf Grundlage von Headlines. Wir müssen jetzt alle unseren Beitrag leisten, damit die Diskussion auf Basis von realistischen Zahlen, Daten und Fakten die Überhand gewinnt.

Wie Alpla mit „Plastic is fantastic“…

Lehner: Mir ist „Plastic is fantasic“ sehr wichtig. Wir wollen hier auch an die Industrie appellieren, hervorzutreten und Position zu beziehen. Unsere Industrie ist relativ kleinteilig; es sind ja meist kleinere Unternehmen oder Mittelständler, die das Bild prägen. Diese Unternehmen stehen ungern im Mittelpunkt.

Aber ich denke: Hier geht es wirklich um das Richtigstellen von Fakten und Realitäten, wo jeder Input höchst willkommen ist. Wir gehen als größerer KMU nach vorn, aber wir laden alle herzlich ein, mit voranzugehen und die guten Dinge am Kunststoff hervorzuheben. Jeder, der sich hier beteiligt, vervollständigt das Bild des Konsumenten und auch das des Regulators. Denn noch ist vielen nicht bewusst, dass Kunststoff in den meisten Fällen Teil der Lösung ist.

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