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Zum 60. Jubiläum ein Plädoyer pro Kunststoff

Im Rahmen des diesjährigen SKZ-Netzwerktags fanden auch die Feierlichkeiten zum 60-jährigen Jubiläum statt. Foto: K-ZEITUNG

Zum 60-jährigen Jubiläum des SKZ hielt der Leiter Prof. Dr.-Ing. Martin Bastian im Rahmen der Jubiläumsfeier ein leidenschaftliches Plädoyer pro Kunststoff.

Unter der Leitung von Prof. Dr.-Ing. Martin Bastian hat sich das SKZ vor allem in den letzten Jahren prächtig entwickelt und zwar auch – wie Prof. Bastian bei der Jubiläumsfeier in seinem Plädoyer erklärte – weil Kunststoff vieles kann, was andere Werkstoffe nicht können.

Zum Jubiläum zuerst ein Dank ans Team

Schon bei der Einführung machte die Vorsitzende des Verwaltungsrats Prof. Dr. Pauline Iden klar, dass der Erfolg des SKZ – trotz aller Verdienste von Prof. Bastian – nicht auf eine One-Man-Show zurückzuführen ist, sondern auf ein Team, das sich durch Begeisterung, Flexibilität und neues Denken auszeichnet. Und so verwundert es nicht, dass Prof. Bastian für die vielen Meilensteine des SKZ zuallererst seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern dankte.

Nur durch das große Engagement des gesamten Teams war es möglich, dass aus dem 1961 mit sechs Mitarbeitern und umgerechnet 100.000 EUR Jahresumsatz gestarteten SKZ das heutige Kunststoffzentrum mit rund 450 Mitarbeitenden und mehr als 40 Mio. EUR Jahresumsatz geworden ist.

Plädoyer für Kunststoff als Werkstoff der Zukunft

Prof. Dr.-Ing. Martin Bastian, Leiter des SKZ, konnte in seinem Plädoyer pro Kunststoff mit vielen interessanten Fakten aufwarten. Foto: K-ZEITUNG

In seiner Ansprache zum 60-jährigen Jubiläum des SKZ ließ Prof. Bastian keinen Zweifel aufkommen, dass Kunststoff trotz aller Kritik aus der Öffentlichkeit „der“ Werkstoff der Zukunft ist, denn „Kunststoff kann in besonderem Maße Dinge, die andere Werkstoffe nicht können.“ Nach Bastians Worten ist kein anderer Werkstoff so leistungsfähig, universell und kostengünstig und löst damit die aktuellen globalen Herausforderungen besser als alle anderen Materialien.

Denn wie Prof. Bastian erklärte, sind viele der heutigen Probleme nur mit Kunststoff lösbar, darunter die Mobilität, der Umweltschutz, der Klimawandel sowie Gesundheit, Pflege und Infrastruktur. Gegenüber anderen Werkstoffen zeichnet sich der Kunststoff dabei durch einen geringeren Energiebedarf, die mögliche Klimaneutralität, die Eignung zur Kreislaufwirtschaft und die Verwendbarkeit von nachwachsenden Ressourcen aus.

Verpackung ist Umweltschutz

Vor allem in der Verpackung steht der Kunststoff nach Bastians Überzeugung derzeit zu Unrecht in der Kritik der Öffentlichkeit. Denn wie der Leiter des SKZ ausführte, sind die Alternativen von Kunststoff 3,6-mal schwerer, erfordern einen um Faktor 2,2 höheren Energieeinsatz und verursachen einen 2,7-mal größeren CO2-Ausstoß. Damit nicht genug: Bei einem Vergleich von Käse an der Frischtheke und im SB-Regal entsteht bei verpacktem Käse 97 % weniger Käseabfall. Bei der Verpackung von Fleisch reduziert die Vakuumverpackung durch die dreifach längere Haltbarkeit den Fleischabfall um 75 %. Deshalb ist es für Prof. Bastian so wichtig, den Verbrauchern eines klar zu machen: „Verpackung ist Umweltschutz“.

Neben der Verpackung hatte Prof. Bastian auch zu vielen anderen aktuellen Themen teils überraschende Fakten parat, zum Beispiel zur Energiewende, die ohne Kunststoff definitiv nicht möglich ist. Hier sorgt die längere Lebensdauer moderner Rotorblätter aus CFK für weniger Stillstand, was angesichts von Stillstandskosten einer 2,5 MW Windkraftanlage von rund 5.000 EUR pro Tag zu einer deutliche Kostensenkung und zu höherer Effizienz führt.

Keine Mobilitätswende ohne Kunststoff

Das SKZ konnte im Gut Wöllried in der Nähe von Würzburg zahlreiche Vertreter der Kunststoffbranche zum Feiern und Netzwerken begrüßen. Foto: K-ZEITUNG

Auch für die Mobilitätswende ist Kunststoff aufgrund seines hohen Leichtbaupotenzials unverzichtbar, da leichtere Autos weniger CO2 ausstoßen. So führt nach Bastians Worten eine Gewichtsreduzierung von 100 kg zu etwa 8 % weniger CO2-Ausstoß der Fahrzeuge.

Noch deutlich größer ist die mögliche CO2-Reduktion bei Geokunststoffen als Ersatz für Beton, Kies und Lehm. Prof. Bastian geht hier beim CO2-Ausstoß von einer möglichen Reduzierung von 90 % aus und beim Energieeinsatz von 50 bis 85 %.

Viele Herausforderungen, aber „miteinander können wir das schaffen“

Auch angesichts der Rolle, die Kunststoffe bei der Bekämpfung der Corona-Pandemie gespielt haben – zum Beispiel bei Masken, Spritzen, Schnelltests oder Beatmungsgeräten – ist Prof. Bastian fest überzeugt: „Kunststoff ist fantastisch – und er ist noch fanastischer, wenn wir es richtig machen“. Handlungsbedarf sieht der Leiter des SKZ vor allem bei der Nachhaltigkeit, bei der Gewinnung, Ausbildung und Förderung von Fachkräften und bei der Verbesserung der Reputation durch Aufklärung und Lobbyarbeit. Aber, so Prof. Bastian abschließend: „Miteinander können wir das schaffen.“

Günter Kögel