Zeitzeugen aus Kunststoff erforschen

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Wissenschaftler verschiedener Einrichtungen beleuchten in einem gemeinsamen Forschungsprojekt den Siegeszug der Kunststofferzeugnisse.

Das Institut für Restaurierungs- und Konservierungswissenschaft (CICS) der Technischen Hochschule Köln, das LVR (Landschaftsverband Rheinland) Industriemuseum Oberhausen und das Institut für Kunststofftechnik (IKT) der Universität Stuttgart haben sich im Rahmen eines vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderten Projektes zusammengeschlossen, um den Einfluss der Kunststoffe auf unsere kulturelle Entwicklung zu beleuchten.

Dieses Telefon von 1960 besteht aus Phenol-Formaldehyd-Harz. Foto: Kunststoff-Museums-Verein

Ziel ist es, den Siegeszug der anfänglich meist biobasierten Kunststoffe vom preiswerten Ersatzstoff zu einem der wichtigsten Rohstoffe unserer Zeit anhand von prägnanten Kunststofferzeugnissen zu beleuchten.

Neue Kunststoffe sowie neue Produktionsverfahren ermöglichten mehr und mehr die preiswerte Verbreitung von Massenprodukten bis hin zur Konsumgesellschaft und prägen somit noch heute nachhaltig unsere Kultur.

Interdisziplinärer Ansatz

Dieser Drehschalter wurde von 1937 bis 1945 produziert und besteht ebenfalls aus Phenol-Formaldehyd-Harz. Foto: Kunststoff-Museums-Verein

Durch den interdisziplinären Ansatz von Geistes- und Naturwissenschaften werden an ausgewählten Objekten der Sammlung des Deutschen Kunststoff Museums im LVR-Industriemuseum Oberhausen die werkstoffliche Zusammensetzung, die Produktionstechnologie sowie der Innovationsgrad der Kunststoffobjekte im historischen Kontext bewertet und Erhaltungsmöglichkeiten diskutiert. Aus der heutigen Sicht ist eine Bewertung des Einflusses einzelner Objekte auf das gesellschaftliche Leben umfassend möglich. Der Erfolg des Automobils wurde von Gummireifen getragen und sorgte für das Anlegen von riesigen Kautschuk-Monokulturen, Taster und Schalter aus Kunststoff elektrifizierten die Welt, Telefonapparate aus Bakelit ermöglichten eine flächendeckende Kommunikation. Dies sind nur wenige Alltagsgegenstände, die zur damaligen Zeit revolutionär waren und nun dem Verfall geweiht sind.

Das Forschungsprojekt soll nicht nur den kulturhistorischen Kontext einzelner Kunststoffobjekte beleuchten, es soll zugleich die begrenzten Möglichkeiten bei dem Versuch der Bewahrung historischer Kunststoffkulturgüter aufzeigen, um ein Bewusstsein für das sich schließende Zeitfenster zu schaffen.

gk

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