Zahlreiche Innovationen bei den Automotive Awards 2019

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In einer glanzvollen Award Night im Crowne Plaza Hotel Neuss wurden die Automotive Awards 2019 der SPE für hoch innovative Kunststoffteile verliehen.

Die beiden Fachbereichskoordinatoren der SPE, Dr.-Ing. Rudolf Fernengel (l) und Thilo Stier (r), stellten die siegreichen Bauteile und deren Besonderheiten vor Foto: K-ZEITUNG/Kögel

Zum 19. Mal hat eine hochkarätig besetzte Jury der Society of Plastics Engineers SPE – Central Europe in sieben Kategorien die innovativsten Kunststofflösungen für die Automobil-Industrie des Jahres 2019 ermittelt und mit den begehrten Automotive-Awards ausgezeichnet. Die beiden Fachbereichskoordinatoren der SPE, Thilo Stier und Dr.-Ing. Rudolf Fernengel, stellten dabei viele interessante, teils spektakuläre Details der prämierten Bauteile vor, die ohne Erläuterung vermutlich gar nicht wahrgenommen worden wären. Die begehrten Preise wurden jeweils von einem Vertreter des Unternehmens überreicht, das den betreffenden Award sponsert. Die Sieger des Jahres 2019:

Awards Body Interior:

Automotive Award 2019 - Body Interior. Foto: SMP Deutschland

Sieger der Kategorie Body Interior wurde ein Displayträger im Cockpit, eingereicht von SMP Deutschland. Bei dem ressourcenschonenden Leichtbauteil wird Magnesium-Druckguss durch ein carbonfaserverstärktes Polypropylen ersetzt. Torsten Mehler, Sales Manager bei EMS-Chemie, gratulierte den Entwicklern, zu denen auch Vertreter von Wipag Deutschland, Ningbo Fangzheng, Porsche und Engel Austria gehören, zu ihrem Erfolg. Platz zwei belegte eine B-Säule von SE Kunststoffverarbeitung, ein Hybridteil, für dessen Herstellung das Thermoformen mit Negativwerkzeugen mit dem 3D-FDM-Verfahren kombiniert wird. Auf dem dritten Platz landete eine Extralight-Formhaut von SMP Deutschland. PVC-Pulver mit langkettigen Weichmachern wird dabei im Sinterprozess so aufgeschäumt, dass eine extrem leichte und alterungsstabile Formhaut mit fehlerfreier Oberfläche entsteht.

Awards Body Exterior:

Automotive Award 2019 - Body Exterior. Foto: Polyscope/ARRK/Webasto

Den Award in der Kategorie Body Exterior überreichte Torsten Mehler für Composite Guide Rails for Roller Blind Sunroof Module, eine gemeinsame Entwicklung von Polyscope Polymers, ARRK und Webasto France. Durch die Konstruktionsfreiheit beim Spritzgießen im Vergleich zum vorher verwendeten Aluminium entfallen viele Montageschritte, außerdem erübrigt sich der Einsatz von Fett für die Funktionsfähigkeit. Darüber hinaus ist für die Produktion deutlich weniger Energie erforderlich. Der zweiten Platz ging an eine Mould-in-Colour-Lamelle von Montaplast, das eingesetzte Polyamid in der Farbe Silber metallic erzeugt in Verbindung mit einem innovativen Werkzeug und kontinuierlicher Fertigung eine Oberflächenqualität, die nahe an lackierte Bauteile heranreicht. Dritter in dieser Kategorie wurde eine Hochglanz-A-Säule, die Weidplas zum Wettbewerb angemeldet hatte. Sie zeichnet sich durch die Kombination von Hochglanz und Narbung aus, die Lackierung erfolgt im Spritzgießwerkzeug.

Awards Power Train

Automotive Award 2019 - Power Train. Foto: EMS-Chemie

Ein aktives Kühlventil für das Thermomanagement, hergestellt von Mann+Hummel France aus einem Material der EMS-Chemie, gewann den Award in der Kategorie Power Train, den Martin Würtele im Namen von Sponsor Krauss Maffei Technologies überreichte. Das hochkomplexe Multifunktionsventil weist eine sehr hohe Hydrolysebeständigkeit auf und sorgt dafür, dass der Motor schneller auf Betriebstemperatur kommt. Das geht mit einer CO2-Einsparung von 2 bis 3 g/km einher. Auf Platz zwei landete ein Drehschieber von Ros Coburg, hierbei sorgt ein mehrteiliges Konzept mit unterschiedlichen Materialien und Fügeverfahren dafür, dass die geforderte Präzision prozesssicher hergestellt werden kann. Den dritten Platz belegte eine Spirale mit Kulissenführung von Joma-Polytec. Durch die innovative Kulissenführung innerhalb der Spirale wird für die trockenlaufende elektrische Vakuumpumpe nur ein Exzenter benötigt.

Awards Electronical/Optical Parts

Automotive Award 2019 - Electronical/Optical Parts. Foto: Hella/EMS-Chemie

Clemens Rösler, Teamleiter Automotive bei Grafe Advanced Polymers, überreichte den Award in der Kategorie Electronical/Optical Parts für einen Design-Funkschlüssel von Hella, für den die EMS-Chemie die Materialien bereitstellt. Die verwendeten Polyamid-Typen schützen die Elektronik vor Schlag und Umwelteinflüssen, ihre geringe Verzugsneigung garantiert minimale Spaltbreiten und damit absolute Dichtheit gegenüber Flüssigkeiten und fehlerfreie Funktion in allen Klimazonen. Den zweiten Platz belegte ein beleuchteter Griff in der Mittelkonsole, der bei Dräxlmaier ebenfalls aus einem Material der EMS-Chemie gefertigt wird. Die hohe Reinheit des Werkstoffs bewirkt eine homogene Beleuchtung entlang der Mittelkonsole und eine einheitliche Farbabstimmung im Innenraum. Dritter in dieser Kategorie wurde eine Mittelkonsole mit Black-Panel-Effekt von P+H Engineering. Die Symbole auf der bedruckten Folie sind schwarz transluzent abgedeckt, sodass im Ruhezustand von der Bedienoberfläche kein störendes Licht ausgesendet wird.

Awards Structural Components

Automotive Award 2019 - Structural Components. Foto: Thyssenkrupp

Aus den Einreichungen in der Kategorie Structural Components ging ein Carbonrad als Sieger hervor. Andreas Stuber, Geschäftsführer von Sponsor Akro-Plastic, überreichte den Award an Thyssenkrupp Carbon Components. Hergestellt wird das Leichtbaurad auf einer Kohlenstofffaser-Radialflechtmaschine, ohne den Zwischenschritt Gelege-Gewebe-Halbzeug. Das garantiert eine extreme Schadenstoleranz und Resttragfähigkeit. Auf Platz zwei landete eine Multimaterial-Leichtbau-Tragstruktur von BMW Landshut, die eine Metall-Tragstruktur ersetzt und zugleich mehrere Bauteilfunktionen integriert. Den dritten Platz belegte ein Composite-Rahmen von Magna Exteriors zu dessen Herstellung ein einzigartiger Filamentwickler eingesetzt wird, mit dem mehrere Faserschichten gleichzeitig in verschiedene Richtungen gelegt werden können.

Awards Enabler Technology

Automotive Award 2019 - Enabler Technology. Foto: Ejot

TSSD Thermoplastisches Reibschweißelement, so lautet die Bezeichnung der Einreichung, die den Award in der Kategorie Enabler Technology aus den Händen von Clemens Rösler erhielt. Das Bauteil von Ejot aus einem glasfaserverstärkten Polyamid von Akro-Plastic lässt sich ohne Vorloch vollautomatisch über einen Reibschweißprozess in thermo- und duroplastische Leichtbaumaterialien einsetzen. Platz zwei ging an eine In-mould-Assembly rotationskinetische Verbindung von Magna Exteriors, deren einzigartige Geometrie eine einstufige geformte Drehverbindung ermöglicht. Auf Platz drei landete eine Kombination von additiver und subtraktiver Fertigung, das Screw Extrusion Additive Manufacturing (SEAM). Der hybride Produktionsansatz (Hy-Seam) bietet eine neue Möglichkeit, geometrisch komplexe Großteile aus thermoplastischen Kunststoffen wirtschaftlich herzustellen.

Innovation Award

Automotive Award 2019 - Innovation Award. Foto: Jorma-Polytec

Nach einem Music-Act wurde Dr. Erik Licht vom Sponsor A.Schulman / LyondellBasell für die Verleihung der Special Awards auf die Bühne gebeten, mit denen die zwei innovativsten Einreichungen und das Bauteil mit der höchsten Punktzahl von allen ausgezeichnet werden.

Bei der Bewertung konnte jeder Juror Bauteile wählen, die sich von den anderen hinsichtlich der Innovationshöhe abheben. Besonders viele Punkte konnten die Komponenten eines Brennstoffzellensystems von Joma-Polytec auf sich vereinen, die deshalb mit einem Innovation Award ausgezeichnet wurde. Das Bauteil besteht aus den Strukturbauteilen Anoden- und Kathodenendplatte sowie der Medienverteilerplatte und der Wasserabscheideeinheit, die sich durch hohe Dauergebrauchsbeständigkeit und Reinheit auszeichnen. Der dafür verwendete BASF-Werkstoff lässt nur eine sehr geringe Migration von Additiven in die Medien zu und weist eine hohe Wasserstoffdichtigkeit auf. An der Entwicklung beteiligt sind auch KVT Bielefeld und Mercedes-Benz Fuel Cell.

Grand Innovation Award

Automotive Award 2019 - Grand Innovation Award. Foto: Renault/PME Fluidtec/ARRK Shapers

Noch häufiger haben die Juroren das Kreuzchen „Innovation“ bei einer Fahrzeugseitentür gesetzt. Für dieses Bauteil überreichte Dr. Erik Licht den Grand Innovation Award 2019 an die Entwickler von Renault, PME Fluidtec und ARRK Shapers. Ihnen ist es gelungen, die Tür in Leichtbauweise zu fertigen und dabei pro Tür 9 kg Gewicht einzusparen. Dafür haben sie ein neuartiges Schichtkonzept kreiert, für dessen Umsetzung sie gas- und wasserunterstützte Verfahren einsetzen.

Grand Award und Gesamtsieger

Automotive Award 2019 - Grand Award und Gesamtsieger. Foto: Daimler

Zum Schluss der Veranstaltung wurde der Gesamtsieger des Wettbewerbs 2019 gekürt, also das Teil, das von den Juroren die meisten Punkte erhalten hat. Den Grand Award erhielt der Gasbag für E-Active Body Control, entwickelt von Daimler, Wipf, Widmann Maschinen, Thyssenkrupp Bilstein, ZF Friedrichshafen und Optima Consumer. Der Gasbag ist elementares Bauteil eines von Grund auf neuentwickelten Fahrwerksystems, das einen bislang unerreichten Fahrkomfort, beste Fahrdynamik und neue Offroad-Funktionen bietet. Die eigens entwickelte mehrschichtige Verbundfolie zeichnet sich durch eine sehr geringe Stickstoffpermeabilität aus, trennt so zuverlässig Öl- und Gasräume und sorgt für höchste Gasdichtheit bei hervorragender mechanischer und chemischer Stabilität.

gk

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