Work-Life-Balance in Zeiten von Covid-19

Eine weltweit angelegte Online-Umfrage des Arbeitskreises Chancengleichheit der DPG untersuchte, welche Auswirkungen Covid-19 auf die Work-Life-Balance hat.

Seit April 2020 leben 81 % aller Arbeitskräfte weltweit aufgrund der Covid-19-Pandemie mit obligatorischen oder empfohlenen Schließungen von Arbeitsplätzen und der damit verbundenen Auswirkung auf ihre Work-Life-Balance. Arbeitskräfte sind gezwungen von Zuhause aus zu arbeiten. Bei der Arbeit im Homeoffice führen die fehlende Trennung von Beruf und Familie sowie die zusätzliche Belastung durch Homeschooling zu Stress, insbesondere bei Frauen. Das zeigt eine weltweit angelegte Online-Umfrage des Arbeitskreises Chancengleichheit der Deutschen Physikalischen Gesellschaft (DPG), an der zwischen Mitte April und Ende Juni 2020 über 1.500 überwiegend aus Europa stammende Beschäftigte teilnahmen.

Mangelnde Work-Life-Balance bei Frauen

70 % der Befragten hatten eine akademische Position inne und 43 % einen Hintergrund in Physik. Paare (ohne Kinder) im Alter zwischen 30 und 39 Jahren mit mehr als zehn Jahren Berufserfahrung stellten dabei die größte Gruppe dar.

An Universitäten oder Forschungseinrichtungen sind soziale Ängste sehr groß. Führungskräfte haben insbesondere finanzielle Sorgen (b), Angestellte ohne Führungsaufgaben geben dagegen vor allem soziale Ängste an. Foto: DPG / Physik Journal, Februar 2021, S. 24

Die hauptsächlichen Stressfaktoren bei der Arbeit im Homeoffice waren die fehlende Trennung von Beruf und Familie sowie das Gefühl der Isolation. Weibliche Teilnehmende bewerteten diese Stressfaktoren signifikant höher als männliche. Der am häufigsten genannte Begriff in Freitextfeldern der Online-Umfrage des Arbeitskreises Chancengleichheit der Deutschen Physikalischen Gesellschaft war dementsprechend „mangelnde Work-Life-Balance“ gefolgt von „Homeschooling“ und „emotionalen und mentalen Problemen“. Führungskräfte litten dabei mehr unter Stress durch Homeoffice als Personen ohne Führungsaufgaben. Trotzdem waren sie mit der Leistung ihrer Mitarbeiter sehr zufrieden.

Weniger Homeoffice nach Covid-19-Pandemie

Europäische Akademikerinnen sorgten sich insbesondere um negative soziale Auswirkungen; die häufigste Sorge bei europäischen Männern war hingegen eine finanzielle Stagnation bzw. Rezession für die Zeit nach der Pandemie. Das betraf vor allem Nichtakademiker. Am meisten vermisst wurde das fehlende Feedback von Managern bzw. Kollegen. Bei der Analyse der Freitexteinträge zeichnen sich zwei Gruppen ab: Eine Gruppe war überzeugt, dass die Pandemie eine Chance ist, Fernarbeit und Fernunterricht zu reformieren. Die zweite Gruppe fürchtete dagegen, dass der verstärkte Einsatz von Informations-und Kommunikationstechnologien die herkömmlichen Arbeitsinstrumente und -methoden ersetzen könnte. 40 % aller fürchteten den Verlust ihres Arbeitsplatzes. Viele (35 %) sorgten sich allerdings auch um den Wegfall der Möglichkeit, nach der Covid-19-Krise weiter im Homeoffice arbeiten zu können. Das betraf fast die Hälfte der weiblichen Akademikerin Europa und 26 % der männlichen.

ak