Wittmann: Rekord-Auftragseingang sorgt für Umsatzplus

Michael Wittmann, Geschäftsführer der Wittmann Group (links), und Rainer Weingraber, Geschäftsführer Wittmann Battenfeld, gaben während einer digitalen Pressekonferenz einen Überblick über die Entwicklung von Auftragseingang und Umsatz der Unternehmensgruppe sowie über die Bauaktivitäten. Foto: K-Zeitung

Hoher Auftragseingang, große Materialknappheit – das macht es für die Wittmann Group schwierig, eine verlässliche Umsatzprognose für 2021 abzugeben.

„Dieses Jahr verbuchen wir Rekorde im Auftragseingang, wie wir sie nie zuvor gesehen haben, sodass der Umsatz wahrscheinlich deutlich steigen wird“, sagte Michael Wittmann, Geschäftsführer der Wittmann Group, auf einer digitalen Pressekonferenz seines Unternehmens. Bereits seit Mitte 2020 verzeichnet der österreichische Maschinenbauer ein ein sehr starkes Wachstum. „Eigentlich war nur das zweite Quartal des vergangenen Jahres von den Auswirkungen der Coronavirus-Pandemie betroffen, danach sahen wir eine rasche Erholung“, so Wittmann weiter.

2020 hat die Wittmann Group 305 Mio. EUR Umsatz erzielt – und damit 19 % weniger als 2019. „Aus finanzieller Sicht war das vergangene Jahr gar nicht so schlecht, wenn man an die durch die Pandemie verursachten Produktionslimitierungen denkt“, so Wittmann. Er hatte im Spätsommer 2020 im Interview mit der K-ZEITUNG noch mit einem Umsatzrückgang von 15 % gerechnet.

Mehr als 400 Mio. EUR Umsatz sind angepeilt für 2021

Wittmann geht aktuell davon aus, dass das Unternehmen 2021 mehr als 400 Mio. EUR Umsatz erwirtschaften wird – und damit 30 % mehr als im Vorjahr. Er stellt aber klar: „Das Ergebnis 2021 steht und fällt allerdings mit der Verfügbarkeit von Materialien.“ Genauso wie andere Unternehmen leidet die Wittmann Group unter der weltweiten Verknappung vieler Materialien und Baugruppen, die sie für die Herstellung von Spritzgießmaschinen, Trockner, Robotern und Co. benötigt. Das betreffe Prozessoren ebenso wie andere Elektronikbauteile oder auch Bleche. „Durch die Knappheit auf dem Weltmarkt sind auch die Preise für Bleche deutlich angezogen, und das nicht im Prozentbereich, sondern gleich um Faktoren“, so Wittmann. „Bislang haben uns die Materialknappheit glücklicherweise nicht wirklich hart getroffen. Wir können weiter fertigen und liefern. Nur unser Einkauf leidet im Grunde sehr unter der Situation. Doch wir sind definitiv an einem kritischen Punkt angelangt, denn die Materialverknappung bestimmt unseren Umsatz – und es gibt keine Anzeichen für eine Erholung.“

Rückstand im Auftragseingang löst sich derzeit

Nur ein gutes hat die globale Verknappung von Gütern laut Wittmann: „Die überhitzte Auftragslage hat sich dadurch abgekühlt. Wir sind nun wieder auf einem normalem Level angekommen, das es uns ermöglicht, den Rückstand im Auftragseingang abzuarbeiten. Die Kunden müssen somit nicht mehr mit langen Lieferfristen rechnen.“

Die starke Nachfrage zieht sich bei der Wittmann Group quer durch fast alle Branchen und Länder: Mit Ausnahme der Automotive-Branche sei der Absatz in Branchen wie Freizeit/Garten, weiße Ware, Elektronik, Medizintechnik und Verpackung „exzellent“. „Nur die Automobilbranche präsentiert sich als einzige derzeit durchschnittlich. Der Tiefpunkt war hier ganz klar im Jahr 2019 erreicht. Seitdem geht es aufwärts, und durch neue Automodelle bekommen wir derzeit viele positive Signale, dass sich auch dieser Markt wieder erholt“, berichtete Wittmann.

Bedingt durch den schnellen Post-Corona-Aufschwung ist die Zahl der Mitarbeiter in der Unternehmensgruppe auf aktuell 2200 gestiegen – Tendenz steigend. Vor allem die Bereiche Software-Entwicklung und Mechatronik baut das Unternehmen derzeit aus, befeuert durch den Trend zur Digitalisierung. Um Platz für mehr Mitarbeiter zu schaffen, wird bei Wittmann Technology das Werk 2 in Wien, in dem unter anderem Temperaturgeräte hergestellt werden, um 1050 m2 Fläche für Büros und Testbereiche ausgebaut. Mehr dazu lesen Sie hier.

Größerer Standort in Südchina

Aufgrund des „rasanten Wachstums“ vergrößert sich das Unternehmen auch in China: Der bisherige südchinesische Standort in Shenzhen wird aufgegeben. An seine Stelle tritt ein vierstöckiger Neubau in einem Industriepark in Dongguan. Das neue Gebäude wird über 824 m² an Bürofläche verfügen, darüber hinaus über Schulungsräumlichkeiten und einen Vorführraum für Spritzgießmaschinen und verschiedene andere Produkte. Der Neubau ist in vollem Gang und wird bis Ende des Jahres abgeschlossen sein. „Speziell in Zeiten der Pandemie mit eingeschränkten Reisemöglichkeiten hat sich die Bedeutung starker lokaler Präsenz eindrucksvoll erwiesen“, so Wittmann.

Auch bei Wittmann Battenfeld wird erneut gebaut: In Kottingbrunn entsteht ein neues Produktionsgebäude für die Logistik sowie für große und spezielle Spritzgießmaschinen. Auch das Technikum wird weiter aufgewertet, sodass hier künftig mehr Trainings stattfinden können.

Neue Interactive-Plattform erlaubt virtuelle Kundendemos

Zudem wird es mit der neuen digitalen Plattform „Wittmann Interactive“ vernetzt. Diese ermöglicht Kunden über den Einsatz moderner Medientechnik eine Online-Vorführung der Anlagen durch die Spezialisten bei Wittmann beziehungsweise Wittmann Battenfeld in Österreich und Deutschland. Dabei erfolgt eine Liveübertragung mittels einer Kopfkamera, bei der eine Interaktion mit dem Kunden via einer Streamingplattform ermöglicht wird. Die Kopfkameras werden durch mobile Licht- und Kameratechnik ergänzt. Dabei handelt es sich um steckerfertige Module mit Ausstattung für Licht, Ton und Videobild, die auch als zusätzliche mobile Standorte für Web-Konferenzen direkt an der Spritzgießanlage genutzt werden können.

Valentina Faloci, Vertriebsleiterin von Wittmann Battenfeld: „Wittmann Interactive sorgt für eine digitale Vernetzung aller Standorte der Unternehmensgruppe, sodass wir unsere Kunden damit bestmöglich erreichen und unterstützen können.“ Foto: K-Zeitung

Auf dieser Basis können neben klassischen Kundenterminen auch Maschinenabnahmen, Technologiepräsentationen und Schulungen komfortabel und interaktiv durchgeführt werden. „Wittmann Interactive sorgt für eine digitale Vernetzung aller Standorte der Unternehmensgruppe, sodass wir unsere Kunden damit bestmöglich erreichen und unterstützen können“, betonte Valentina Faloci, Leiterin des Vertriebs bei Wittmann Battenfeld. Auch die Niederlassungen in Übersee können über digitale Tools wie Videokonferenzen und Kopfkameras in Wittmann Interactive eingebunden werden. Zudem plant das Unternehmen, über die Plattform auch hybride Veranstaltungsformate. So sei es zum Beispiel in Zukunft denkbar, auf der Fakuma oder auf kleineren Messen dem Besucher zielgerichtet Produkte und Applikationen zeigen zu können, die nicht vor Ort ausgestellt werden.

Hoffnung auf die Fakuma im Oktober

Wittmann ist „hoffnungsvoll“, dass die Fakuma in diesem Jahr wieder stattfinden wird: „Der gesamte Ausstellerbeirat ist daran interessiert, dass sich die Messetore in Friedrichshafen im Oktober öffnen werden. Dabei ist uns allen klar, dass es sicherlich keine „normale“ Messe wird und sich alle auf gewisse Regularien einstellen müssen.“

Sabine Koll

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