Wittmann: “Green Deal der EU ist eine Herausforderung”

Michael Wittmann, Geschäftsführer der Wittmann Group: „Der Green Deal der EU stellt eine Herausforderung für die Kunststoffverarbeiter dar.“ Foto: Wittmann Group

„Der Green Deal der EU stellt eine Herausforderung für Kunststoffverarbeiter dar“, sagt Michael Wittmann, Wittmann Group, im Gastkommentar der K-ZEITUNG.

Laut Ifo Institut liegt die Produktionserwartung im verarbeitenden Gewerbe aktuell auf neuen Höchstständen und weit über dem Vorkrisenniveau, doch die nächste Hürde, speziell für den Industriestandort Deutschland, stellt sich bereits mit dem Green Deal der EU-Kommission ein. Er hat sich ein klimaneutrales Wirtschaften bis zum Jahr 2050 zum Ziel setzt. Während in den meisten Technologiebranchen mit den CO2-Emissionszertifikaten marktwirtschaftliche Mechanismen zur CO2-Reduktion und somit zur Verringerung von immer teurer werdendem CO2 ans Werk gehen dürfen, wird in der Automobilindustrie von der europäischen Politik sehr unmissverständlich der E-Antrieb vorgeschrieben.

Die deutsche Automobilindustrie hat zwar mit Verzögerung, aber dafür mit umso mehr Innovationskraft neue Elektrofahrzeuge vorgestellt. Eine bemerkenswerte Leistung, wobei der Erfolg nicht garantiert ist. Denn dieser liegt nicht nur in der Hand der Autohersteller, sondern vielmehr in der Verfügbarkeit von Lade- und Netzinfrastruktur aus erneuerbaren Energiequellen und damit der Bereitschaft jenseits der Gruppe der Early Adopter, den Wechsel weg vom Verbrennungsmotor anzugehen. In Anbetracht der Bedeutung der Automobilindustrie für Deutschland steht viel auf dem Spiel, vor allem gut bezahlte Arbeitsplätze.

Unklar ist, ob alle Länder den CO2-Sparkurs der EU mitmachen

Bislang hat es Deutschland geschafft, Produkte zu entwickeln und zu produzieren, die die Welt wollte und wurde so zum Exportweltmeister. Durch den massiven Steuerungseffekt der Politik war zuletzt eine Entwicklung anhand der Bedürfnisse der Konsumenten nicht mehr möglich. Fraglich ist, wie viele Länder tatsächlich den rigiden CO2-Sparkurs der EU mitmachen werden. Sogar von den Ländern, die das Pariser Abkommen unterzeichneten, haben sich nur 30 zu einer quantitativen Mengenbegrenzung verpflichtet. Es kann also durchaus passieren, dass nun Fahrzeuge auf den Markt gekommen sind, die global nicht in dem Maße nachgefragt werden, wie es für die Aufrechterhaltung des Beschäftigtenstandes notwendig wäre.

Ungewisse Jahre für automotive Zulieferindustrie durch Green Deal

Auf die automotive Zulieferindustrie – und somit viele Kunststoffverarbeiter – kommen somit ungewisse Jahre zu. Ebenso fraglich sind die Auswirkungen der Emissionszertifikate, deren Anzahl in der neuen vierten Handelsperiode jährlich stärker reduziert werden. Die EU denkt zwar über die Einführung von Ausgleichszöllen auf Produkte aus Ländern nach, die sich nicht am Emissionshandel beteiligen. Es wird jedoch bezweifelt, dass solche Zölle überhaupt konform mit den Regeln der Welthandelsorganisation sind.

Die nächsten Jahre werden somit für die europäische Industrie und damit auch die Kunststoffbranche eine große Herausforderung. Hoffentlich bleibt der Zacken in der Konjunkturkurve des Jahres 2020 eine Schwelle, die von der Industrie sehr lange nicht mehr unterschritten wird.

Michael Wittmann, Geschäftsführer der Wittmann Group

Auch interessant zu lesen: Thorsten Kühmann, Geschäftsführer des VDMA, Fachverband Kunststoff- und Gummimaschinen, betonte kürzlich in einem Gastkommtar der K-ZEITUNG, dass der VDMA hinter dem Green Deal der EU steht:

CO₂-Neutralität in der Automobilindustrie war außerdem das Thema eines Workshops von Kunststoffland NRW im März:

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