Dr. Ron Brinitzer, Geschäftsführer des Kunststoffland NRW: „Wir wollen mit der Politik in einen selbstbewussten Dialog kommen, der einerseits zeigt, wer wir sind, was wir können und was wir brauchen, der aber auch deutlich macht, dass wir sehr wohl verstanden haben, wo die Probleme liegen und an Lösungen arbeiten.“
Foto: Kunststoffland NRW
Dr. Ron Brinitzer, Geschäftsführer des Kunststoffland NRW: „Wir wollen mit der Politik in einen selbstbewussten Dialog kommen, der einerseits zeigt, wer wir sind, was wir können und was wir brauchen, der aber auch deutlich macht, dass wir sehr wohl verstanden haben, wo die Probleme liegen und an Lösungen arbeiten.“

K 2022

„Wir müssen verstärkt zusammenarbeiten“

Interview mit Dr. Ron Brinitzer, Geschäftsführer Kunststoffland NRW, zur K 2022, zum Dialog mit der Politik und zur Zusammenarbeit in der Kunststoffbranche.

Nordrhein-Westfalen als bedeutendste Kunststoffregion Europas ist beim Heimspiel auf der K 2022 in Düsseldorf traditionell stark vertreten. Im Vorfeld der K-Messe sprachen wir mit Dr. Ron Brinitzer, Geschäftsführer des Kunststoffland NRW, über die Stimmung in der Branche, die aktuellen Herausforderungen für die Kunststoffindustrie und darüber, warum gerade jetzt der Dialog mit der Politik so wichtig ist. 

Mit der Weltleitmesse K 2022 steht im Oktober das Messehighlight für die gesamte Kunststoffindustrie vor der Tür. Wie ist die Stimmung bei Ihren Mitgliedern kurz vor Messestart? Welche Themen sind die Haupttreiber?

Nach den ganzen aufgrund der Corona-Pandemie abgesagten Veranstaltungen und Messen der letzten zwei Jahre sind – glaube ich – alle froh, dass zumindest diesbezüglich wieder so etwas wie Normalität einzutreten scheint. Ich habe nach meiner Übernahme der Geschäftsführung bei Kunststoffland NRW viele Besuche bei Mitgliedern gemacht und nehme eine gewisse Vorfreude wahr.

Auch wenn Messen ja immer mit viel Stress und Arbeit verbunden sind, habe ich den Eindruck, alle sind erleichtert, endlich mal wieder Geschäftspartner face to face zu treffen. Und der eine oder andere hat auch schon Andeutungen gemacht, mit was für einer Neuerung man sich auf der Messe präsentieren will.

Das bringt mich zu den Themen: Die ganz großen Überschriften sind auch auf der K 2022 Nachhaltigkeit, Klimaschutz und Kreislaufwirtschaft. Ich glaube, die Kunststoffindustrie hat verstanden, dass wir den großen Vorteil, dass es ohne Kunststoff keine Lösungen für die tiefgreifenden Probleme gibt, nur dann voll auf die Straße bringen können, wenn wir für die Zeit nach der Nutzung von Kunststoffen überzeugende Konzepte haben.

Kunststoffland NRW wird auch dieses Jahr wieder für die Kunststoffindustrie den High-Level-Empfang zum Auftakt der K 2022 ausrichten. Was erwartet die Gäste am 18. Oktober in Düsseldorf?

Nach dem großen Erfolg und der positiven Resonanz haben wir uns entschlossen, auch anlässlich dieser K-Messe wieder den High-Level-Empfang auszurichten. Damit begründen wir schon fast eine Tradition, wie man im Rheinland sagt.

Aber ernsthaft: Ich glaube, der High-Level-Empfang war nie so notwendig wie heute. Denn was probieren wir da? Zum einen wollen wir eine Austauschplattform für die gesamte Branche bieten und damit auch zusammenzuführen. Ich bin fest davon überzeugt, es gibt aktuell kaum eine Branche, die das nötiger hätte als die Kunststoffindustrie. Zum anderen wollen wir gerade mit der Politik in einen selbstbewussten Dialog kommen, der einerseits zeigt, wer wir sind, was wir können und was wir brauchen, der aber auch deutlich macht, dass wir sehr wohl verstanden haben, wo die Probleme liegen und an Lösungen arbeiten.

Und mit Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck, Florika Fink-Hooijer, Generaldirektorin Umwelt der EU-Kommission, und der Wirtschaftsministerin von NRW, Mona Neubaur, haben wir genau die richtigen Ansprechpartner gewinnen können.

…und mit welchen Aktivitäten werden Sie auf der K 2022 präsent sein?

Wir werden zunächst einmal auf dem hervorragend gemanagten Gemeinschaftsstand des Landes NRW in Halle 6 vertreten sein und hoffen, dort ganz viele Gespräche führen zu können. Darüber hinaus würden wir uns freuen, wenn wir, wie in der Vergangenheit, auch auf dieser K-Messe Vertreter der Landesregierung begrüßen und die Messe gemeinsam mit ihnen besuchen können.

Ein weiterer Schwerpunkt unserer Aktivitäten besteht in der Nachwuchsgewinnung. Hier wollen wir im Rahmen von KAI, der Kunststoff-Ausbildungs-Initiative, mit den beteiligten Partnern und in enger Zusammenarbeit mit der Interessengemeinschaft Kunststoff aus der Region Köln-Bonn-Rhein-Sieg Führungen für Schülergruppen organisieren und sie von dem Werkstoff, aber auch der Branche überzeugen. Und schließlich führen wir Gespräche über gemeinsame Aktivitäten mit Plastics Europe Deutschland e.V. im Rahmen der Sonderschau „Plastic shapes the future“. Ich bin mir sicher, langweilig wird uns nicht…

Losgelöst von der K-Messe: Sie haben in diesem Januar die Geschäftsführung von Kunststoffland NRW übernommen und bilden mit Ihren Mitgliedern die gesamte Wertschöpfungskette ab. Welche Themen müssen für die Branche aktuell besonders vorangetrieben werden? Welche Projekte stehen an?

Ich glaube, hier muss man zwischen inhaltlichen Themen, die wir alle vor der Brust haben, und branchenpolitischen Fragen trennen. Inhaltlich habe ich mit Nachhaltigkeit, Klimaschutz und Kreislaufwirtschaft schon Mammutaufgaben genannt, die uns alle in den nächsten Jahren und Jahrzehnten beschäftigen werden. Diese Probleme müssen gelöst werden, denn hier geht es um unser Überleben. Die zentrale Frage für mich an dieser Stelle ist, wie wir diesen Prozess organisieren, um bei explodierenden Energie- und Rohstoffpreisen, Lieferkettenproblemen und einer zunehmenden Konkurrenz trotzdem wettbewerbsfähig bleiben.

Da kommen dann die branchenpolitischen Fragen auf den Tisch: Seit Übernahme meiner neuen Aufgabe frage ich mich, wie wir uns bei der zunehmenden Komplexität und Unsicherheit, denen wir uns gegenwärtig gegenübersehen, am besten Gehör in den anstehenden Diskussionen verschaffen können. Ich glaube, wir müssen verstärkt zusammenarbeiten, um die Kleinteiligkeit, in der die Kunststoffindustrie organisiert ist, zu überwinden. Nur so können wir unsere Punkte überhaupt in den Diskurs einbringen.

(Anmerkung der Redaktion: Warum für Dr. Ron Brinitzer die verstärkte Zusammenarbeit so wichtig ist und warum die Kunststoffbranche gerade jetzt eine starke Stimme braucht, lesen Sie in seinem Gastkommentar in der K-ZEITUNG.)