“Wenn Pöppelmann sagt, dass es geht, dann geht es auch”

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Nach 19 Jahren an der Spitze von Pöppelmann ist Friedrich Kühling im Dezember in den Ruhestand gegangen. Seine Nachfolge hat zum Jahreswechsel Torsten Ratzmann angetreten. Nach den ersten 100 Tagen als Geschäftsführer gibt er einen ersten Einblick in seine Arbeit – und einen Ausblick, wie er das Familienunternehmen weiterentwickeln möchte.

Herr Ratzmann, wie ist es Ihnen in den ersten 100 Tagen bei Pöppelmann ergangen?
Torsten Ratzmann: Bei Pöppelmann wurde ich sehr freundlich und offen aufgenommen. Ich treffe ständig auf Menschen, die mit viel Engagement und Willen in diesem Unternehmen tätig sind. Für meine Einarbeitung ins Unternehmen bekomme ich jede Unterstützung, die ich mir nur wünschen kann.

Was hat Sie an der neuen Aufgabe gereizt?
Ratzmann: Nach dem Studium der Werkstofftechnik an der Fachhochschule Osnabrück war ich in meinen ersten Berufsjahren bei der Wilhelm Karmann GmbH, heute die Volkswagen Osnabrück GmbH, im Bereich der Vorentwicklung für Kunststoffteile tätig. Die Kunststofftechnik hat mich immer begeistert. Somit kehre ich bei Pöppelmann nun gewissermaßen zu alten Wurzeln zurück. Das Unternehmen hat mich über die letzten Jahrzehnte bereits begleitet. Daher stellt es für mich eine besondere Ehre dar, jetzt diese Position einnehmen zu dürfen.

Sie bringen eine Menge Erfahrung aus der kunststoffverarbeitenden Industrie mit. Wie hebt sich Pöppelmann Ihrer Meinung nach von den Wettbewerbern ab?
Ratzmann: Pöppelmann besitzt eine extrem hohe Technologiekompetenz und stellt einen bedeutenden Ansprechpartner dar, wenn es darum geht, komplexe Herausforderungen in der Kunststoffbranche zu lösen. Der Wille, stets die bestmögliche Lösung zu finden, zeichnet unsere Mitarbeiter aus. Eine herausragende Stärke von Pöppelmann ist es außerdem, die Kompetenz und den Mut zu haben, mit aller Offenheit und Klarheit auszusprechen, was technisch und wirtschaftlich machbar ist und was nicht. So wissen unsere Kunden: Wenn Pöppelmann sagt, dass es geht, dann geht es auch. Wir machen das!

Pöppelmann K-Tech zeigt auf der Fakuma neue 3D-Druck-Verfahren, um Werkzeuge für Spritzgussteile herzustellen Foto: Pöppelmann

Was reizt Sie speziell an der kunststoffverarbeitenden Industrie?
Ratzmann: Das Besondere an der Kunststofftechnik ist, dass sie so zahlreiche Möglichkeiten bietet. Von der Materialauswahl und den Gestaltungsmöglichkeiten, über die optischen und haptischen Eindrücke, die dank ihr umsetzbar sind, bis hin zu aktuellen Themen wie Gewichtsreduzierung, CO2-Einsparungen oder Hybrid-Bauweisen: Die Vielzahl der Möglichkeiten in der Kunststofftechnik ist es, die mich als Techniker immer wieder begeistert. Zudem entstehen permanent neue Ideen für Optimierungen. Dort wird in den nächsten Jahren noch eine Menge passieren.

Der bisherige Vorsitzende der Geschäftsführung Friedrich Kühling ist im Dezember altersbedingt in den Ruhestand getreten. Nach 19 Jahren an der Spitze von Pöppelmann ging damit gewissermaßen eine Ära zu Ende. Wie groß ist der Druck für Sie, die hinterlassenen Fußstapfen auszufüllen?
Ratzmann: Ein gewisser Druck lässt sich natürlich nicht bestreiten. Herrn Kühling gelang es, ein wirtschaftlich gesundes Unternehmen mit großer Tragkraft aufzubauen. Dies entsprechend weiterzuführen, ist eine Herausforderung. Nichts desto trotz bestehen auch bei Pöppelmann noch Entwicklungs- und Zukunftspotenziale, die ich gemeinsam mit der Mannschaft angehen möchte.

Wie sehr wird in Zukunft Ihre eigene Handschrift bei Pöppelmann zu erkennen sein?
Ratzmann: Für unsere Kunden wird sich erst einmal wenig ändern, da der Anspruch auf Perfektion selbstverständlich ein Leitmotiv von Pöppelmann bleibt. Die Mitarbeiter hier im Unternehmen durchleben und spüren derzeit sicherlich einen Umgewöhnungs- und Veränderungsprozess. Das ist verständlich und es ist meine, aber auch die Aufgabe aller Führungskräfte, die Ängste und Sorgen ernst zu nehmen und offen anzusprechen. Wir wollen das Unternehmen voranbringen, Technologien weiterentwickeln und uns noch stärker als professioneller Ansprechpartner für die Industrie anbieten. Dabei setzen wir auch in Zukunft auf unsere kompetenten Mitarbeiter, die dies mit umsetzen.

Sie waren viele Jahre als Entwicklungsingenieur und in leitenden Positionen in der Kunststoffbranche tätig. Außerdem waren Sie bis vor Kurzem Vorstand für Produktion und Logistik bei einem mittelständischen Industrieunternehmen. Wie sehr helfen Ihnen die dabei gemachten Erfahrungen für die neue Aufgabe?
Ratzmann: In einem Technologieunternehmen wie Pöppelmann ist es natürlich für alle Beteiligten leichter, sich mit einem Vorgesetzten beziehungsweise Kollegen zu unterhalten, der ein gewisses technisches Verständnis mitbringt – insbesondere dann, wenn es um Entscheidungen mit weitreichenden Auswirkungen geht. Insofern ist mein praktischer Hintergrund ein Vorteil, genau wie die Erfahrungen als Vorstand und Werkleiter Ich gehe davon aus, den Kollegen den einen oder anderen neuen Impuls geben zu können, lerne aber auch jeden Tag etwas Neues dazu. Das ist aktuell eine sehr spannende Zeit.

Den Bereich Leichtbau will Pöppelmann in Zukunft weiter ausbauen. Foto: Pöppelmann

Schauen wir nun in die Zukunft: Welche besonderen Projekte und Ziele wollen Sie bei Pöppelmann in der nächsten Zeit angehen?
Ratzmann: Im Leichtbau ist Pöppelmann schon lange aktiv. Dies ist ein Bereich, den wir auf jeden Fall weiter im Blick behalten und ausbauen werden. Auch durch andere Technologien wie Rapid Prototyping und Rapid Tooling sehen wir für uns einen zukunftsweisenden Marktzugang. Dies werden wir auch auf der Hannover Messe aufgreifen. Die diesjährige Messe steht erneut unter dem großen Schlagwort Industrie 4.0 und in diesem Zusammenhang werden wir dort zeigen, wie wir uns bei Pöppelmann die Zukunft vorstellen. Ich denke, bei diesem Thema gibt es in den kommenden Jahren noch eine Menge zu tun.

Welchen Stellenwert ordnen Sie Industrie 4.0 für Pöppelmann zu?
Ratzmann: Die Herausforderung für kleine und mittelständische Unternehmen in Deutschland ist es, zu entscheiden, in welcher Art und Weise und in welchem Umfang Investitionen getätigt werden sollen, um sich entsprechend aufzustellen. Die Frage, die wir uns bei Pöppelmann stellen, ist also, in welchen Bereichen wir unseren Kunden einen entsprechenden Mehrwert bieten und uns positionieren können.

Wie möchten Sie das Wachstum von Pöppelmann fördern und die Marktstellung in den kommen Jahren ausbauen?
Ratzmann: Pöppelmann ist in vielen verschiedenen Bereichen aktiv. Wir werden in den nächsten Wochen und Monaten diskutieren, wie wir unsere Prioritäten setzen werden. Das Thema der Unternehmensgröße und -gestaltung wird stark von unserer zukünftigen Strategie abhängen. Sicher werden wir auch die Internationalisierung vorantreiben. Schließlich gibt es immer noch Märkte, in denen wir als Pöppelmann noch aktiver sein könnten, als wir es heute sind. Da wird noch einiges passieren. Man kann also mit uns rechnen!

pl

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