Weniger Abfall – mehr Kreislaufwirtschaft

Dr. Isabell Schmidt, Geschäftsführerin des Industrieverbands Kunststoffverpackungen IK: Die großen Ziele sind die Verringerung des Abfallaufkommens und die Transformation von der linearen zur Kreislaufwirtschaft. Foto: IK

Papier-Kunststoff-Verbunde passen nicht zur Kreislaufwirtschaft und zur Abfallreduzierung, so IK-Geschäftsführerin Dr. Isabell Schmidt im Gastkommentar.

„Die großen politischen Ziele, hinter denen wir als Kunststoffverpackungsindustrie stehen, sind die Verringerung des Abfallaufkommens und die Transformation von der linearen zur Kreislaufwirtschaft durch eine optimale Recyclingfähigkeit unserer Verpackungslösungen und die Verwendung von recycelten Kunststoffen. So simpel, so anspruchsvoll.

Unsere vergleichsweise junge Industrie ist bereits stark im Wandel. Und ich kenne viele Verpackungshersteller, die hervorragend recyclingfähige Vollkunststoff-Lösungen entwickelt haben in der Erwartung, dass der Markt jetzt dafür reif sei. Doch stoßen viele dieser Neuentwicklungen leider nicht auf das erwartete Interesse. Zu verlockend scheinen vermeintlich einfachere Wege, die Gunst des Konsumenten und der Konsumentin zu erreichen. Und dieser einfache Weg lautet nicht selten: nimm einen Verbund mit Papier, das wirkt gleich viel grüner. Vor allem verdeckt es „das böse Plastik“. Keine Frage: die Kunststoffindustrie hat ein paar wichtige Hausaufgaben zu machen, und Einträge in die Umwelt haben viel zu lange stattgefunden. Da dürfen wir uns über Vorbehalte und Kritik nicht beschweren.

Mehr Abfall durch Papierverbunde

Es ist aber aus ökologischer Sicht ebenso ein Fehler, das Kinde mit dem Bade auszuschütten. Denn tatsächlich erhöhen Papierverbunde das Aufkommen an Verpackungsabfällen und hemmen die Kreislaufwirtschaft, statt sie zu stärken. Gut recyclingfähige Kunststoffverpackungen brauchen schlichtweg keinen Deckmantel aus Papier, hinter dem sie sich verstecken.

Papier und Kunststoff sind beides gut recyclingfähige Materialien, die im Verpackungsmarkt ihren festen Platz haben. Nur ist es eben besser, beide Materialien getrennt voneinander zu halten, da sie sich gegenseitig im Recycling behindern. So sollten z.B. Papieretiketten auf Kunststoffverpackungen ebenso vermieden werden wie Sichtfenster oder Beschichtungen aus Kunststoff bei Papierverpackungen. Auch die weit verbreiteten 3-Komponenten-Becher, z.B. für Joghurt, sind aus Recyclingsicht nicht optimal, denn die wenigsten Verbraucher ziehen den Aludeckel und die Papiermanschette vor dem Entsorgen fein säuberlich vom Kunststoffbecher ab. Das ist allgemein bekannt und der Grund dafür, dass die Bewertung der Recyclingfähigkeit im gesetzlichen „Mindeststandard“ immer anhand der Verpackung als Ganzes erfolgt. Es gibt bereits gute Alternativen, die aus nur aus Kunststoff bestehen und bei denen Becher und Deckel problemlos zusammen recycelt werden können. Solche sinnvollen Entwicklungen haben es aber schwer am Markt, solange der Wunsch dominiert, Plastik zu vermeiden. Leider scheint gerade das Bio-Segment besonders empfänglich für Verbundverpackungen zu sein.

Gut recyclingfähige Kunststoffverpackung besser für Kreislaufwirtschaft

Es ist nichts gegen „ehrliche“ Papierverpackungen zu sagen, die ohne die besonderen Eigenschaften des Materials Kunststoff auskommen. Aber wenn nur Kunststoff die benötigte Verpackungsfunktion erbringt, dann ist nach meiner Meinung eine gut recyclingfähige Kunststoffverpackung die ehrlichere und meist auch die umweltfreundlichere Lösung.“

Dr. Isabell Schmidt