Webinar zeigt: Nachhaltige Produktion ist möglich

Michael Kleinebrahm, Leiter Anwendungstechnik bei Boy, machte im Webinar zur nachhaltigen, smarten Produktion deutlich, dass die Kunststoffverarbeitung an sich relativ wenig Energie benötigt im Vergleich etwa zur Metallverarbeitung. Foto: Koll

Wie eine nachhaltige smarte Produktion aussehen kann, die unterm Strich wenig oder gar kein CO2 emittiert – das diskutierte ein Webinar der IHK Nürnberg.

Boy und Baumüller gehörten zu den Unternehmen, die am Webinar zur nachhaltigen Produktion im Rahmen der Hannover Messe Digital Edition teilgenommen haben. „Predictive Quality trägt dazu bei, die Nachhaltigkeit im Produktionsprozess zu steigern und gleichzeitig die Anlagenverfügbarkeit zu erhöhen“, sagte Markus Jaksch, Leiter des Geschäftsbereichs Systeme bei Baumüller. Das Nürnberger Unternehmen ist spezialisiert auf Antriebstechnik – und beispielsweise Partner von Spritzgießautomatenhersteller Boy. Für die kontinuierliche, smarte Überwachung seines servohydraulischen Antriebssystem hat Baumüller hat einen Demonstrator entwickelt. „Mit Condition Monitoring und Predictive Maintenance schaffen wir Transparenz bei typischen Kunststoffanwendungen. Maschinen lassen sich damit auch untereinander vergleichen und benchmarken, indem permanent Daten aus dem Prozess gewonnen und ausgewertet werden.“

Nachhaltigkeit durch Servohydraulik – eines der Webinar-Themen

Betriebszustände werden über die smarte Lösung, die mit Sensordaten oder Daten aus dem Antriebsstrang „gefüttert“ wird, angezeigt und überwacht – und daraus wiederum lassen sich Verbesserungen für Maschinen, Anlage und sogar für die Prozesse ableiten. Als Beispiel nannte Jaksch die Folienherstellung, bei der eine Predicitive-Maintenance-Lösung Aufschluss darüber gibt, wie sich Temperatur, Luftfeuchtigkeit und die elektrostatische Aufladung der Folie auf die Maschinengeschwindigkeit auswirken. Bei der Servohydraulik lässt sich laut Jaksch mit den entsprechenden Überwachungsfunktionen auch der Pumpenverschleiß frühzeitig prognostizieren – „und dadurch wird der Energiebedarf abhängig von der Zykluszeit deutlich reduziert. Energieeinsparung von rund 30 Prozent sind damit möglich“, so der Baumüller-Experte.

Plastifiziersysteme senken Energieverbrauch in der Spritzgießproduktion

„Durch den Einsatz von Servohydraulik und der Entwicklung spezieller energiesparender Plastifiziersysteme konnten wir den Energieverbrauch von Spritzgießmaschinen drastisch senken“, bestätigte Michael Kleinebrahm, Leiter Anwendungstechnik bei Boy, in seinem Vortrag. Er machte in seinem Vortrag klar: „Spritzgießmaschinen haben per se eine sehr lange Lebensdauer und sind mithin nachhaltig. Und der Energieverbrauch bei der Kunststoffverarbeitung ist entgegen der landläufigen Meinung bereits relativ gering im Vergleich zu anderen Werkstoffen wie etwa Metallen oder Glas, da Kunststoffe bei niedrigen Temperaturen verarbeitet werden.“

Dennoch habe die Branche Nachholbedarf in Sachen Nachhaltigkeit – insbesondere was das Recycling anbelangt. „Dies kann auch ein schöner Markt für neue Industrien werden – insbesondere wenn das werkstoffliche und rohstoffliche Recycling zum Zug kommt“, so Kleinebrahm. „Darüber hinaus lohnt es sich, wie Kundenprojekte zeigen, sich immer wieder mit der Optimierung von Produktionsprozessen zu befassen, die zur Vermeidung von Kunststoffabfällen beitragen.“

Sabine Koll