Was aus alten PET-Flaschen so alles werden kann

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Von Kleidung, Taschen und Rucksäcken über Bewehrungsmaterial für den Straßenbau bis zu neuen PET-Flaschen – recyceltes PET erfreut sich großer Beliebtheit.

„Today I am a bag – before I was a PET bottle“. So stand es in großen Lettern auf den von Reifenhäuser auf der K 2019 verteilten Tragetaschen aus recycelten PET-Flaschen. Arburg beließ es bei den verteilten Leichtrucksäcken zwar beim bekannten Text „Wir sind da“ – aber auch hier konnten die Nutzer mit reinem Umweltgewissen von dannen ziehen, denn wie die Reifenhäuser-Taschen bestehen auch die Arburg Rucksäcke zu 100 % aus recyceltem PET. Auch viele andere Aussteller der K-Messe nutzten – passend zu den in Düsseldorf omnipräsenten Themen Nachhaltigkeit und Circular Economy – recyceltes PET, um daraus Taschen und Beutel zum Verteilen an die Messebesucher zu machen.

Ein guter Grund, um einmal der Frage nachzugehen, was aus alten PET-Flaschen so alles werden kann. Zuerst einmal natürlich neue PET Flaschen. Was der österreichische Mineralwasseranbieter Vöslauer mit seinen Wasserflaschen aus 100 % recyceltem PET vorgemacht hat, ist inzwischen auch in Deutschland angekommen.

Aus alten PET-Flaschen werden neue - oder Jacken - oder Taschen - oder...

So konnte das Berliner Start-up „Share“ 2018 eine Flasche aus 100 % recyceltem Kunststoff erfolgreich auf dem Markt etablierten. Das junge Unternehmen nutzt für seine 0,5- und 1-Liter-Flaschen den Bottle-to-Bottle- oder Flasche-zu-Flasche-Kreislauf, also die Verwertung von alten PET-Flaschen zu neuwertigen aus Recyclingmaterial. Auf diese Weise konnte Share bereits rund 200 t Neukunststoff einsparen.

Durch den steigenden Einsatz recycelter PET-Flaschen verbessert sich das ökologische Profil der Kunststoffflaschen stetig. Aktuell beträgt der durchschnittliche Rezyklatanteil in PET-Einwegflaschen 26 Prozent. Darüber hinaus besitzt der Flasche-zu-Flasche-Kreislauf einen ökologischen Vorteil gegenüber der Verarbeitung von alten PET-Flaschen zu anderen Produkten wie Textilfasern und Folien, da diese anders als Kunststoffbehälter nur einmal wiederaufbereitet werden können. Aus diesem Grund setzen sich Verbände wie das Forum PET und die RAL Gütegemeinschaft Wertstoffkette PET-Getränkeverpackungen für die nachhaltige Stärkung des Kreislaufes ein.

Das dänische das Modeunternehmen Knowledge Cotton Apparel hat bereits mehr als 3 Mio. PET-Flaschen zu Jacken und anderen Kleidungsstücken verarbeitet. Foto: Knowledge Cotton Apparel

PET aus Getränkeflaschen eignet sich aber auch sehr gut für die Herstellung von Kleidungsstücken. Hier hat sich das Modeunternehmen Knowledge Cotton Apparel ehrgeizige Ziele gesetzt: Bis 2025 wollen die Dänen die Marke von 5,5 Mio. recycelten PET-Flaschen erreichen, die sie als Ausgangsmaterial für ihre nachhaltige und faire Bekleidung einsetzen. Bis Ende Juni 2019 waren es bereits mehr als 3 Mio. Jeweils 25 PET-Flaschen fließen in die Produktion einer einzelnen Jacke, die zu 100 Prozent aus recycelten PET besteht.

Dieser Sport-BH von Sundried wird aus recycelten PET-Flaschen hergestellt. Foto: Sundried

Ein weiteres aus dem Bereich der Kleidung ist ein Sport-BH. Mit seinem Model „Piz Ela“ bietet die Sportbekleidungsfirma Sundried eine nachhaltige Alternative zu herkömmlichen Materialien. Das 2015 vom Triathleten Daniel Puddick ins Leben gerufene Modelabel vertreibt zwei Bekleidungslinien, die zu 100 % aus recycelten Materialien bestehen: Die Eco-Charge-Linie entsteht aus gebrauchten Kaffeefiltern und die Eco-Core-Linie wird aus recycelten PET-Flaschen hergestellt.

Innen- und Außenstoff dieses wasserdichten Rucksacks bestehen zu 100 % aus alten Kunststoffflaschen. Foto: Johnny Urban

Das Hamburger Modelabel Johnny Urban bietet mit seiner Produktlinie „Eco Series“ nachhaltige Rucksäcke an. Sowohl der Innen- als auch der Außenstoff bestehen dabei aus recyceltem Polyester, der zu 100 % aus alten Kunststoffflaschen gewonnen wird. Aktuelles Beispiel ist der wasserdichte und ausrollbare Rucksack Robin.

Das weltweit erste Geogitter aus 100 % recyceltem PET-Garn. Foto: Hueskler

Dass alte PET-Flaschen nicht nur für die Modewelt ein wichtiges Ausgangsmaterial sind, beweist die Huesker Gruppe. Der führende Hersteller von Geokunstoffen und Technischen Textilien aus Gescher brachte vor kurzem das weltweit erste Geogitter aus 100 % recyceltem PET-Garn auf den Markt. Wie Huesker erklärt, ist das Recycling-Geogitter, das als Asphalteinlage zur Bewehrung im Straßenbau eingesetzt wird, ökologisch den konventionellen Geogittern im Straßenbau überlegen: Mit jedem Kilogramm Recycling-PET-Garn werden etwa 4,3 kg CO2-Emissionen im Vergleich zu nicht recyceltem PET-Garn eingespart. Dies entspricht einer Autofahrt von 33 km. Weitere Produkte in der Eco-Version aus dem Hause Huesker sollen bald folgen und damit unter anderem auch für Anwendungen im Erd- und Grundbau zur Verfügung stehen.

Der Filz dieser Tasche besteht aus recyceltem PET. Foto: Uisto

Selbst Fans von Filz als Material können künftig ihre Accessoires aus recyceltem PET kaufen. Das junge Modeunternehmen Uisto aus Dresden fertigt in Handarbeit Taschen und Accessoires mit hohem Wiedererkennungswert. Die Sachsen legen dabei großen Wert auf Regionalität und Nachhaltigkeit. Daher wird hauptsächlich im Erzgebirge produziert. Der Filz, der zur Herstellung von Taschenmodellen wie „Pectina Konfetti“ verwendet wird, besteht aus recycelten PET-Flaschen.

Wandlungsfähige Kombination aus Kissen, Liegeplatz und Rucksack - hergestellt aus Garn aus recycelten Kunststoffflaschen. Foto: Buddy

Auch bei Artikeln für Hundehalter kommt PET aus dem Recycling zum Einsatz. Mit seinem Liegeplatz „Buddy Büggel“ bietet der Hersteller für Hundezubehör Buddy eine komfortable und vielseitige Lösung. Zuhause noch ein Kissen, lässt sich der Liegeplatz im Hand-umdrehen in einen Rucksack mit integriertem Handtuch verwandeln. Produziert wird das wandlungsfähige Hundezubehör in einer deutschen Näherei von Menschen mit Behinderung. Dabei verwenden die Näherinnen und Näher ausschließlich Garn, das aus recycelten Kunststoffflaschen hergestellt wird.

Für jeden aus recycelten Kunststoffflaschen hergestellten Charity Shopper pflanzt das Modeunternehmen Lässig auch noch einen Baum in Deutschland. Foto: Lässig

Noch einen Schritt über den Einsatz von Recyclingmaterial hinaus geht das hessische Modeunternehmen Lässig. Alle Umhängetaschen aus der Green-Label-Kollektion bestehen aus wiederaufbereiteten Kunststoffflaschen, doch für jeden verkauften Charity Shopper pflanzt Lässig zudem einen Baum in Deutschland und unterstützt damit die Arbeit der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald.

Weitere Beispiel über den Einsatz von Recycling-PET und dazu interessante Informationen über Anwendungsspektrum, Eigenschaften, ökologische Optimierung und Recycling des Werkstoffs PET bietet das Forum PET im IK Industrieverband Kunststoffverpackungen e.V., die als Bundesverband die Interessen der Hersteller von Kunststoffverpackungen und Folien in Deutschland und Europa vertritt.

gk

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