VCI-Umfrage: Viele Stornierungen, weniger Aufträge

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Der VCI hat eine Corona-Umfrage unter seinen Mitgliedern durchgeführt. Das Ergebnis: Auftragsmangel und Stornierungen trüben die Stimmung.

Leere Auftragsbücher, zahlreiche Stornierungen – das ist das Ergebnis einer aktuellen VCI-Umfrage zu den wirtschaftlichen Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die Chemieindustrie. Befragt wurden die Mitgliedunternehmen des Verbandes der Chemischen Industrie (VCI), darunter auch 20 Kunststofferzeuger, die auch Mitglied beim Verband Plastics Europe Deutschland sind.

Auftragsrückgänge und Stornierungen

Das Ergebnis: Die größte Herausforderung in der Kunststofferzeugung sind Auftragsrückgänge und Stornierungen. Über 40 % der befragten Unternehmen geben an, „schwer“ betroffen zu sein, knapp 25 % sehen sich sogar „sehr schwer“ betroffen.

In der VCI-Umfrage stellen die Antworten der Mitglieder von Plastics Europe Deutschland weitere gravierende Probleme heraus. Dies spiegelt sich beispielsweise in den Umsatzerwartungen wider. Für Deutschland sehen mehr als die Hälfte der Kunststofferzeuger ein starkes Minus, für Europa erwarten sogar über 65 % einen deutlichen Umsatzrückgang. Und bei über 90% der Kunststofferzeuger sinkt die Kapazitätsauslastung aufgrund der Corona-Krise.

Dr. Michael Zobel, Vorsitzender von Plastics Europe Deutschland: „Die aktuellen Probleme der Kunststoffindustrie sind mannigfaltig und akut.“ Foto: Plastics Europe

Dass die wirtschaftliche Lage der Kunststofferzeuger in Deutschland herausfordernd sei, unterstrich Dr. Michael Zobel, Vorstandsvorsitzender von Plastics Europe Deutschland: „Bereits 2019 war ein schwieriges Jahr für uns, das zeigen die Zahlen aus dem letzten Geschäftsbericht von Plastics Europe. Mit den guten Abschlüssen bei der Kunststoffmesse K im Oktober in Düsseldorf und einer ersten Erholung in den zwei Anfangsmonaten dieses Jahres war die Zuversicht zunächst groß“, so Dr. Zobel. „Allerdings haben die Auswirkungen der Covid-19-Pandemie manchen Aufholprozess abrupt zunichte gemacht.“

In Europa haben das vor allem Frankreich, Spanien und Italien zu spüren bekommen. Aber auch Deutschland als wichtige Exportnation verzeichnet Einbrüche, etwa den Rückgang der Warenausfuhren im April um über 30 % gegenüber dem Vorjahresmonat. In diesem kritischen Umfeld müssen sich die kunststofferzeugenden Unternehmen behaupten. Sie tun das aus einer Phase der Schwäche heraus, wie die auch die Geschäftszahlen für 2019 belegen.

„Sinkende Kapazitätsauslastung, fehlende bzw. verspätet eintreffende Vorprodukte: Die aktuellen Probleme der Kunststoffindustrie sind mannigfaltig und akut“, analysierte Dr. Zobel. „Die Stärke unserer Branche – unsere Exportbilanz und die enge Verflechtung mit den europäischen Nachbarn – ist während der Corona-Krise ein Nachteil.“

VCI-Umfrage: Kunststoffindustrie rechnet mit langfristigen Folgen

Ein Drittel der befragten Kunststofferzeuger befürchtet künftig Liquiditätsengpässe, eine Mehrheit der Unternehmen sieht diese Gefahr derzeit noch nicht. Allerdings fragen Kunden bereits nach längeren Zahlungszielen. Corona-bedingte Zahlungsausfälle gab es bisher nur vereinzelt.

Mehr als 60 % der Unternehmen zweifeln, ob sie Rückgänge wie etwa beim Umsatz oder der Produktion in absehbarer Zeit aufholen werden. Langfristige Folgen sind auch deshalb zu erwarten, da knapp die Hälfte aller Investitionen in Sachanlagen bis auf weiteres aufgeschoben wird. Die Pandemie mindert auch Investitionen in Forschung und Entwicklung – immerhin eine gute Mehrheit der geplanten Investitionen soll aber wie geplant durchgeführt werden.

Ein Schritt in die richtige Richtung ist für Dr. Zobel der durch die EU-Kommission vorgestellte Recovery Plan. Skeptisch sieht er staatliche Verbote oder Abgaben, etwa auf nicht rezyklierte Kunststoffverpackungsabfälle. Um auch Kunststoffabfälle als wertvollen Rohstoff wieder im Kreis zu führen, brauche es vielmehr weitere Anstrengungen, so bei recyclingfähigem Design, Abfalltrennung sowie Sortier- und Aufbereitungsverfahren.

Corona-Krise wird noch lange spürbar sein

Qualitative Aussagen zu der konjunkturellen Entwicklung der nächsten Monate sind aufgrund der aktuellen Unsicherheiten rund um die weitere Entwicklung der Pandemie nicht zu treffen. Eines jedoch ist sicher: Selbst wenn die Rückgänge schnell aufgeholt werden könnten, wird die Corona-Krise noch lange spürbar sein – nicht zuletzt aufgrund des Aufschubs wichtiger Investitionen in Zukunftstechnologien und Anlagen.

mg

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