USA: Polyethylen-Produktion wird stark zunehmen

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Die US-Kunststoffindustrie profitiert von günstigen Ausgangsstoffen durch die Schiefergasproduktion, laut Germany Trade and Invest wird die Kapazität für Polyethylen in den USA bis 2020 um rund 40 % wachsen.

Laut den neuesten Marktinformationen von Germany Trade and Invest (GTAI) zu den USA wird die dortige Kunststoffproduktion in den kommenden Jahren stark zulegen. Vor allem an der Golfküste sind mehrere Megaprojekte zur Umwandlung von Ethylen in Polyethylen (PE) und andere Kunststoffe geplant. Die Kapazität zur PE-Produktion soll zwischen 2015 und 2020 um rund 40 % wachsen.

Laut dem American Chemistry Council (ACC) stieg die Kunststoffproduktion in den USA 2015 um 2,4 % auf circa 50 Mio. t. Die höchste Zuwachsrate verbuchte der Verband bei HDPE mit einem Plus von 7,3 % auf 8,5 Mio. t.

In den ersten zehn Monaten 2016 legte der Kunststoffoutput gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 2,1 % zu. Für 2017 und 2018 erwartet der ACC eine Wachstumsbeschleunigung und Zuwächse von 4,3 beziehungsweise 7,0 %.

Laut dem Informationsportal "Petrochemcial Update" befinden sich an der US-Golfküste sieben Ethan-Cracker mit einer Gesamtkapazität von rund 8,6 Mio. t Ethylen Jahresoutput in der Bauphase. Die Mehrzahl von ihnen soll bis Ende 2017 die Produktion aufnehmen. Hinzu kommen diverse, umfangreiche Kapazitätserweiterungen. Die Produktionskapazität im Land soll demnach zwischen 2015 und 2020 von 17,2 Mio. auf 24,0 Mrd. t Polyethylen pro Jahr zulegen.

Die Kapitalinvestitionen der Kunststoffindustrie werden laut dem ACC 2017 um 6,4 % auf 6,5 Mrd. USD steigen. Mit der Kunststoffindustrie eng verbundene Sektoren wie das Compounding profitieren ebenfalls von der Dynamik. Auch Anbieter von Additiven sowie Farbstoffhersteller dürften an dem Marktaufschwung teilhaben, berichtet der ACC.

Zahleiche neue Projekte angekündigt

Nach 2018 dürfte eine weitere Welle an Großprojekten in den Bau gehen. Der Petrochemiekonzern Lyondell Basell kündigte Mitte 2016 an, an der Golfküste ein Werk zur Fertigung von HDPE zu errichten. Die jährliche Produktionskapazität soll bei 0,5 Mio. t liegen. Die ersten Auslieferungen werden laut Lyondell Basell 2019 erfolgen. Das Unternehmen will von hier aus zahlreiche Exportmärkte bedienen.

Das taiwanesische Unternehmen Formosa Petrochemical gab 2015 eine Machbarkeitsstudie für einen 9,4 Mrd. USD schweren Komplex zur Herstellung von PE und PP in Louisiana bekannt. Die endgültige Investitionsentscheidung steht noch aus.

In den Fokus der Branche rückt zunehmend das Marcellus-Areal. Das Schiefergasfeld liegt größtenteils in den Bundesstaaten Pennsylvania, West Virginia, Ohio sowie New York. Die Produktion in der Region ist für Branchenunternehmen nicht zuletzt aufgrund der relativen Nähe zu inländischen Endabnehmern attraktiv. So ist der Großteil der PE-Verarbeiter im Nordosten und dem Mittleren Westen der USA angesiedelt, berichtet Loepp.

Shell gab im Juni 2016 bekannt, nahe Pittsburgh (Pennsylvania) einen PE-Komplex zu errichten. Das Investitionsvolumen soll sich auf rund 3 Mrd. USD belaufen. Die ersten Auslieferungen sind für Anfang der kommenden Dekade geplant. Die Produktionskapazität wird laut Shell bei 0,725 Mio. t Polyethylen pro Jahr liegen. Das thailändische Chemieunternehmen PTT Global erwägt einen milliardenschweren Komplex im Osten Ohios zur Fertigung von Polyethylen sowie weiterer Kunststoffe.

Günstiges Erdgas als Rohstoff

Die Vielzahl an geplanten Projekten im Land ist vor allem darauf zurückzuführen, dass die Branche von günstigem Erdgas profitiert. Laut dem ACC werden in den USA die Ausgangsstoffe zur Kunststoffharzproduktion zu etwa 75% aus Erdgas und -kondensaten gewonnen. In Asien und Europa fertigt die Branche ihre Produkte hingegen zumeist aus ölbasierten Erzeugnissen.

Das Preisverhältnis der Erdölsorte Brent zur Erdgas-Referenzsorte Henry Hub als Indikator für die Wettbewerbsfähigkeit des US-Sektors dürfte laut "Petrochmecial Update" mittelfristig weiterhin vorteilhaft bleiben. Dies sei einer der Gründe, aus denen immer mehr asiatische Branchenunternehmen die USA als Produktionsstandort favorisieren.

Laut dem ACC wird zwischen 2015 und 2030 rund die Hälfte der im Land produzierten Branchenprodukte im Ausland abgesetzt. Die Kunststoffindustrie gehört zu den wenigen US-Sektoren, die ein Plus in der Außenhandelsbilanz aufweisen. Der Überschuss notierte laut der Plastics Industry Association 2015 bei rund 7,1 Mrd. USD. Die Hauptabnehmerländer sind Mexiko und Kanada.

Anbieter von Kunststoffmaschinen profitieren vom steigenden Ausrüstungsbedarf der Endabnehmerbranchen. Gemäß der Plastics Industry Association stiegen die Auslieferungen unter Mitgliedsunternehmen in Nordamerika im 1. Halbjahr 2016 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 7,6 % auf 642,6 Mio. USD. Deutsche Hersteller dominieren den US-Importmarkt für Kunststoff- und Gummimaschinen. In den ersten drei Quartalen 2016 zogen ihre Exporte in die USA gegenüber der Vorjahresspanne um 19,6 % auf rund 614 Mio. USD an.

mg

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