Schmuckbild - Meer Branche 10.09.2018 6 Bewertung(en) Rating

Unsichtbare Probleme

Kunststoffe in der Umwelt stehen im medialen Fokus, während andere - womöglich drängendere - Herausforderungen weitgehend unbeachtet bleiben.

Die Deutschen verbrauchen zu viele Verpackungen, liest man allenthalben. Die Recycling­quoten seien zwar gut, bei Kunststoffverpackungen liegen sie um 50 %, das reiche aber bei Weitem nicht aus. Mit dem neuen Verpackungsgesetz soll der Anteil zunächst auf 58,5 % steigen, ab 2022 dann auf 63 %. Bis 2030 soll jede Kunststoffverpackung in der EU recyclingfähig sein. Dabei wächst der öffentliche Druck ständig, den Kampf gegen die Kunststoffverpackung mit größtmöglicher Härte zu führen. So ergab etwa eine Umfrage im Auftrag der "Welt", dass fast drei Viertel der Deutschen ein Verbot von Einwegplastik befürworten – man ist sich hier über alle Parteien hinweg einig.

Überfischung und Temperaturanstieg

Die große Ablehnung von Verpackungen aus Kunststoff wird vor allem getrieben durch die Sorge um un­sere natürliche Umwelt – speziell die Meere. Spektakuläre Bilder und Aktionen mit hoher Emotio­nalität erzeugen in vielen Menschen das Bedürfnis, sich zu enga­gieren. Das ist grundsätzlich gut, womöglich aber dem Schutz der Meere gar nicht so zuträglich. In einem Interview mit der "NZZ" hat der Herausgeber der Zeitschrift "mare", der Meeresbiologe Nikolaus Gelpke, davor gewarnt, Kunststoffabfälle im Meer als größtes Problem der maritimen Lebensräume zu begreifen, nur weil es so sichtbar ist.

Der Experte vergleicht den Müll mit den Robbenaugen in Greenpeace-Kampagnen. Weitaus problematischer als der Müll im Meer seien aber weniger offensichtliche Gefahren wie die Überfischung, die Erwärmung und die Abnahme von Sauerstoff im Wasser (Sauerstoffzehrung). Selbstverständlich muss alles Sinnvolle getan werden, um Müll im Meer zu vermeiden, aber das Gesamtbild sollte im Auge behalten werden.

pl

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