Umfrage zum Kunststoff-Image: Nützlich oder schädlich?

  • News
Corona-Pandemie: Millionen achtlos weggeworfene Einwegmasken und -handschuhe führen zu einer erhöhten Belastung von Gewässern mit Mikrokunststoffen. Foto: Legambiente

Vom Lebensretter bis zum Umweltfeind: Die Menschen haben ein ambivalentes Verhältnis zu Kunststoffen. Das ergab eine aktuelle Civey-Umfrage zu deren Image.

Das Berliner Umfrage-Startup hat 2.500 Menschen in Deutschland zu ihrem Verständnis über Kunststoffe interviewt und damit ein Bild über das aktuelle Image von Kunststoff in der Gesellschaft gezeichnet. Das Ergebnis: Die Menschen haben ein ambivalentes Verhältnis zu Kunststoffen. Zudem fehlt vielen das Wissen über die Funktion von Kunststoffen. So bringen nur ganz wenige der Befragten Kunststoffe mit Klimaschutz in Verbindung.

Einerseits schätzen Verbraucher die besonderen Vorteile von Kunststoffen und deren Unverzichtbarkeit in vielen Bereichen. Zudem sehen sie die Fortschritte etwa beim Recycling oder bei der Kreislaufwirtschaft.

Andererseits werden insbesondere Kunststoffverpackungen oft mit Umweltverschmutzung assoziiert. Und auch der Beitrag von Kunststoffen zur Ressourcen-Schonung und zum Klimaschutz ist wenig bekannt.

Kunststoffe in vielen Branchen unverzichtbar

Mehr als 60 % der Befragten halten Kunststoffe im Medizin- und Gesundheitsbereich für unverzichtbar, 54,5 % im Computer- und Elektroniksektor sowie 47,4 % im Fahrzeugbau, gefolgt mit 38,4 % im Haushalts- und Hygienebereich sowie mit knapp 31 % bei Lebensmitteln.

Vor allem in der Medizintechnik hat Kunststoff ein nützliches Image. In einer Umfrage halten über 60 % der Befragten Kunststoffe hier für unverzichtbar. Grafik: PED

Bei der Frage nach den größten Fortschritten in der Kunststoffverwendung sehen rund 30 % der Verbraucher, dass sich Kunststoffe besser recyceln lassen. 28 % der Befragten sehen Fortschritte auch in der Mehrfach- bzw. Wiederverwendbarkeit von Kunststoffen. Ein knappes Drittel gab an, keine Fortschritte festzustellen.

Kunststoffe schonen Ressourcen

Die Verbindung von Kunststoffen und ihrem aktiven Beitrag zur Ressourcen-Schonung ist nur etwas mehr als 10 % der Bürger bekannt. Und dass Kunststoffe zum Klimaschutz beitragen, geben nur knapp 15 % an.

Das größte Problem beim Einsatz von Kunststoffen wird von 63,5 % der Befragten in der Meeresverschmutzung gesehen. Zweithäufigstes Problem ist mit rund 57 % das Mikroplastik, gefolgt vom achtlosen Wegwerfen an dritter Stelle mit rund 47 %.

Schädliche Aspekte am Nutzenende

„Leider ist der Begriff Kunststoff oftmals mit den negativen Aspekten verbunden, die vor allem am Nutzenende sichtbar werden. Deshalb wird Kunststoff nicht selten als Umweltfeind gesehen“, so Mara Hancker, Geschäftsführerin der Industrievereinigung Kunststoffverpackungen. „Die Ergebnisse der Umfrage zeigen uns, unsere Aufklärungsarbeit und Kommunikation fortzusetzen. Eine differenzierte Sicht ist dringend geboten, pauschales Plastik-Bashing unangebracht. Schließlich ist der Kunststoff als solcher nicht das Problem, sondern unser Umgang damit.“

Nützlichkeit wird oft übersehen

Oft wird die Nützlichkeit von Kunststoffen – insbesondere bei Verpackungen – übersehen. So goutieren nur jeweils knapp 20 % der Befragten eine längere Haltbarkeit von Lebensmitteln und eine geringeres Gewicht gegenüber Verpackungen aus anderen Werkstoffen. Doch auch diese Funktionen von Kunststoffen tragen zum Schutz von Ressourcen und somit weniger CO2-Ausstoss bei. Das jedoch ist vielen der Bürger nicht bewusst ist. Nur 5,4 % der Befragten bringen Kunststoff in Verbindung mit Klimaschutz.

Das schädliche Image von Kunststoffen speist sich vor allem durch die Meeresverschmutzung und Mikroplastik in der Umwelt. Grafik: PED

„Warum Kunststoff für den Klima- und Umweltschutz eines der wichtigsten Materialien ist, wird von vielen Menschen nicht verstanden. Eben noch spricht alle Welt vom Abfallproblem und nun soll Kunststoff die Lösung sein, um CO2 einzusparen, die Stromerzeugung, den Hausbau und die Mobilität grüner zu machen. Das ist nicht leicht nachzuvollziehen“, so Ingemar Bühler, Hauptgeschäftsführer von Plastics Europe Deutschland (PED). Bühler ergänzt: „Unsere Aufgabe ist es, uns der Kritik zu stellen, aber auch zu erklären, warum wir für Windräder, E-Autos und recyclingfähige Konsumprodukte dringend Kunststoffe brauchen.“

Auch Julia Große-Wilde, Geschäftsführerin im Gesamtverband kunststoffverarbeitende Industrie (GKV), forderte bei Ihrem Antrittsinterview im März: „Kunststoff braucht ein besseres Image. Wir müssen mit vereinten Kräften die Wahrnehmung von Kunststoff in der Öffentlichkeit verbessern.“

Umfrage zum Kunststoff-Image von Civey

Die Civey-Umfrage zum Kunststoff-Image in Deutschland wurde im Auftrag der Industrievereinigung Kunststoffverpackungen und des Kunststofferzeugerverbandes Plastics Europe Deutschland (PED) durchgeführt.

mg

Schlagwörter: