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Ukrainekrieg gefährdet Liquidität und Lieferketten

Schon vor dem schrecklichen Krieg in der Ukraine waren die Lieferketten angespannt, doch jetzt verschärfen die Folgen des russischen Angriffs die Situation zusätzlich. Foto: Pxhere

Neben katastrophalen humanitären Folgen gefährdet der russische Angriffskrieg auch die Liquidität der Kunststoffverpackungshersteller und die Lieferketten.

Der russische Angriffskrieg in der Ukraine hat katastrophale humanitären Folgen. Gleichzeitig hat er auch weitreichende Auswirkungen auf die Hersteller von Kunststoffverpackungen in Deutschland. Dabei spielt vor allem das Management der Liquidität eine zunehmende Rolle.

Krieg in der Urkraine lässt Energiekosten steigen

Die sprunghaft angestiegenen Erdgaspreise und die hoch volatilen Strompreise verteuern unmittelbar die Herstellung von Verpackungen und Folien aus Kunststoff. Außerdem haben bereits einige Rohstoffhersteller drastische Preiserhöhungen für wichtige Rohstoffe wie Polyamid und EVOH angekündigt, die zum Beispiel für Lebensmittelverpackungen unersetzbar sind. Die Kosten lassen sich, wenn überhaupt, oft nur mit großem Zeitverzug an die Kunden weitergeben.

Viele mittelständische Unternehmen mit Liquiditätsprobleme

Dr. Martin Engelmann, Hauptgeschäftsführer der IK Industrievereinigung Kunststoffverpackungen: "Wir appellieren sowohl an die Rohstofflieferanten als auch an die Kunden, ihre Zahlungsziele kurzfristig anzupassen." Foto: IK

Diese Konstellation birgt für viele mittelständische Unternehmen derzeit Liquiditätsprobleme. „Während die Rohstofflieferanten auf eine Bezahlung innerhalb einer Woche bestehen, lassen sich die Kunden unserer Mitglieder häufig mehrere Monate lang Zeit, um die Rechnungen zu begleichen“, so Dr. Martin Engelmann, Hauptgeschäftsführer der IK Industrievereinigung Kunststoffverpackungen.

„In der aktuellen Krise überfordert diese Finanzierungslücke die Möglichkeiten vieler mittelständischer Hersteller. Wir appellieren daher sowohl an die Rohstofflieferanten als auch an die Kunden, ihre Zahlungsziele kurzfristig anzupassen“, so Engelmann. Insgesamt muss der Markt aus Sicht der IK schneller und flexibler auf die immer neuen Krisen reagieren.

Schwierige Situation durch Rohstoffknappheit weiter verschäft

„So verschärfen die Folgen des furchtbaren Kriegs in der Ukraine die Situation der Kunststoffverpackungshersteller, die bereits seit einem Jahr unter Rohstoffverknappung und dramatisch gestiegenen Energiepreise leiden. Viele mittelständische Unternehmen der Branche sehen sich in ihrer Existenz bedroht“, erklärt Dr. Engelmann unter Verweis auf eine aktuelle Mitgliederumfrage.

Lieferketten für Kunststoffverpackungen drohen zu zerreißen

Dabei schätzen knapp 80% der Verpackungshersteller die aktuelle Ertragslage als schlecht ein. „Wenn sich die Produktion aufgrund der hohen Energie- und Rohstoffkosten nicht mehr lohnt und Maschinen abgeschaltet werden, drohen wichtige Lieferketten zu zerreißen“, warnt Engelmann und weist auf die Bedeutung von Kunststoffverpackungen für die Versorgung der Bevölkerung mit Lebensmitteln und Arzneimitteln hin. „In der Corona-Pandemie hat die Politik erkannt, dass Verpackungen „systemrelevant“ sind. Diese Einsicht gilt auch in der aktuellen Krise“, fordert Engelmann und verweist auf konkrete Vorschläge des Bündnisses Faire Energiewende an die Politik.

Auch der DIHK warnt: Der Überfall Russlands auf die Ukraine vor gut drei Wochen verschärft die Probleme in den Lieferketten der Weltwirtschaft enorm. Schon in der bundesweiten IHK-Konjunkturumfrage zu Jahresbeginn meldeten 84 % der deutschen Industriebetriebe mittlere bis erhebliche Lieferschwierigkeiten. Laut DIHK-Vizepräsident Ralf Stoffels und -Außenwirtschaftschef Volker Treier nehmen die bereits vor dem Krieg bestehenden Probleme weiter zu.

DIHK sieht generell starke Zunahme der Lieferkettenprobleme

Laut DIHK-Sonderauswertung war bereits vor Kriegsausbruch eine deutliche Mehrheit der deutschen Unternehmen mit Problemen in ihren Lieferketten konfrontiert. Damit jedoch nicht genug: "Inzwischen erreichen uns auf vielen Kanälen Rückmeldungen über eine starke Zunahme der Probleme", so Treier.

Ein erster Trend aus der laufenden DIHK-Blitzbefragung zu den wirtschaftlichen Folgen des Krieges zeigt: Rund 60 % der Unternehmen melden zusätzliche Störungen in der Lieferkette und Logistik. Bereits zu Jahresbeginn hätten lediglich zehn Prozent der Betriebe mit einem baldigen Ende der Lieferketten-Probleme gerechnet, sagt der Experte für Außenwirtschaft. Inzwischen dürften es noch weniger sein.

Industrieller Mittelstand leidet besonders

Vor allem der deutsche Industriemittelstand leidet: "Diese Unternehmen bekommen selbst weniger Vorprodukte oder – wie vor allem bei Energie – nur zu sehr hohen Preisen. Zugleich können sie die Kostensteigerungen nur teilweise an ihre Kunden weitergeben und selbst wegen der Verzögerungen in der eigenen Lieferkette immer schlechter liefern", verdeutlicht Stoffels.

gk