Überdurchschnittliches Wachstum für Konsumprodukte

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Nach einer Erhebung des GKV konnten 2018 neben den Konsumprodukten aus Kunststoff auch die Bereiche Bau, Technische Teile und Verpackung weiter zulegen.

Nach wie vor ist die Bauindustrie mit 5,3 Mio. t im Jahr 2018 der größte Abnehmer der deutschen Hersteller von Kunststoffbauteilen, doch gemessen am Umsatz sind nach Erhebungen des Gesamtverband Kunststoffverarbeitende Industrie e. V. (GKV) die Konsumprodukte der wachstumsstärkste Bereich des Jahres 2018.

Dr. Oliver Möllenstädt, Hauptgeschäftsführer des GKV, legte bei der traditionellen Pressekonferenz am Aschermittwoch die aktuellen Zahlen der deutschen Kunststoffverarbeiter vor. Foto: K-ZEITUNG/Kögel

Insgesamt gesehen bewegte sich – so Dr. Oliver Möllenstädt, Hauptgeschäftsführer des GKV, auf der traditionellen Jahrespressekonferenz am Aschermittwoch in Frankfurt am Main – „die Entwicklung in den wichtigsten Segmenten der Kunststoff verarbeitenden Industrie im vergangenen Jahr auf unterschiedlichem Niveau.“

Plus 3,2 % für Kunststoffverpackungen

So verzeichneten die Hersteller von Kunststoffverpackungen und Folien, die in der IK Industrievereinigung Kunststoffverpackungen organisiert sind, 2018 ein Umsatzplus von 3,2 % gegenüber dem Vorjahr. Bei der verarbeiteten Menge erreicht die Branche einen Zuwachs in Höhe von 2,7 % auf 4,5 Mio. t.

Allerdings hat sich das Wachstum im Verpackungsbereich nach Worten von Möllenstädt nach einem rasanten Jahresauftakt im Verlauf des Jahres 2018 deutlich verringert. Insbesondere bei den Industrieverpackungen, die noch 2017 stärker als die Konsumverpackungen zugelegt hatten, ist die Nachfrage im zweiten Halbjahr 2018 deutlich eingebrochen. Hier machten sich unter anderen die Rückgänge im Automobilgeschäft bemerkbar.

Bei den Konsumverpackungen ragten vor allem die Flaschen und Verschlüsse deutlich heraus, die im Zuge des starken Getränkekonsums im Rekordsommer ein deutliches Umsatzplus einfahren konnten.

Für 2019 blicken die Unternehmen der Kunststoffverpackungsbranche derzeit relativ gelassen nach vorne. Die Inlandsnachfrage für Konsumverpackungen dürfte nach Überzeugung des GKV angesichts des hohen Beschäftigungsniveaus sowie steigender Einkommen stabil bleiben. Anders sieht es bei Industrieverpackungen aus, bei denen durchaus mit leichten Einbußen zu rechnen ist. So hat neben der Automobilindustrie auch die Chemische Industrie ihre Erwartungen für 2019 deutlich reduziert. „Insgesamt ist damit deutlich weniger Schwung aber vorerst kein Absturz der Branchenkonjunktur zu erwarten“, so Möllenstädt.

Kunststoffe für den Baubedarf wachsen um 3,7 %

Baubedarfsprodukte aus Kunststoff konnten im vergangenen Jahr umsatzmäßig um 3,7 % zulegen. Nach den Erhebungen des pro-K Industrieverband Halbzeuge und Konsumprodukte aus Kunststoff war die Entwicklung für Kunststoffprodukte im Baubereich auch im Jahr 2018 weiter zweigeteilt. Getrieben von der regen Entwicklung im Geschosswohnungsbau profitieren all jene Produkte, die vorrangig dort zum Einsatz kommen, wie beispielsweise das Kunststofffenster. An der positiven Entwicklung des Geschosswohnungsbaus wird sich auch im Jahr 2019 wenig ändern.

Im Gegensatz dazu bleibt aber der Bau von 1- bis 2-Familienhäusern und der gesamte Renovierungs- und Modernisierungsbereich deutlich zurück und entwickelt sich lediglich seitwärts. Ursachen sind nach vor allem die hohen Baukosten, die langwierigen Genehmigungsverfahren sowie den fehlenden Bauflächen. Bei der energetischen Sanierung des Wohnungsbestands in Deutschland macht sich das Fehlen einer pragmatischen steuerlichen Förderkulisse schon seit Jahren bemerkbar.

Konsumwaren aus Kunststoff legten um 5 % zu

Wie eingangs erwähnt konnten die Hersteller von Konsumwaren aus Kunststoff 2018 mit einem Plus von 5 % gegenüber Vorjahr das größte Umsatzwachstum erreichen. Möllenstädt: „Die Entwicklung im Konsumgüterbereich ist eng verzahnt mit der deutschen Binnenkonjunktur, die sich auch im Jahr 2018 solide entwickelt hat. Ein Beschäftigungsniveau in Deutschland auf Rekordhöhe und eine weiter zurückgehende Arbeitslosigkeit schieben die Binnennachfrage auch bei den Konsumprodukten weiter an. Daran wird sich auch im Jahr 2019 nichts ändern. Eine gute Binnenkonjunktur allein wird gleichwohl lediglich bedingt Wachstumsimpulse setzen können.“

1,3 % Wachstum für technische Kunststoffteile

Das kleinste Wachstum meldete das Branchensegment Technische Teile, das 2018 gegenüber Vorjahr nur um insgesamt 1,3 % zulegen konnte. Wie TecPart, der Verband Technische Kunststoff-Produkte, berichtet, war der Start in das Jahr 2018 für Hersteller Technischer Teile geprägt von Kapazitätsengpässen bei den Fachkräften, den Produktionsmitteln und bei Rohstoffen, etwa beim Polyamid PA 6.6. Die Produktion der Hersteller technischer Kunststoffprodukte war während der ersten acht Monate des Jahres 2018 durch die hohe Nachfrage aus den bedeutendsten Abnehmerindustrien Maschinenbau, Elektrotechnik und Elektronik sowie Automobilbau nahezu vollständig ausgelastet.

Die letzten vier Monate des Jahres 2018 standen dann unter dem Eindruck der zurückgehenden Automobilproduktion. Hauptverantwortlich dafür waren die Umstellung auf den neuen Pkw-Abnahmestandard WLTP, der durch hohen Zertifizierungsaufwand zu teils erheblichen Verzögerungen der Auslieferung neuer Fahrzeuge geführt hat, und die Zollpolitik der US-Regierung, die den Fahrzeugexport deutscher Hersteller aus den US-Werken nach China dämpfte und verteuerte.

Aufgrund der politischen Unsicherheiten und den bevorstehenden strukturellen Umwälzungen in der Automobilindustrie haben die Hersteller Technischer Teile für 2019 ihre Umsatzerwartungen gegenüber 2018 deutlich reduziert und weisen allenfalls geringes Wachstum aus.

Angespannt bleibt auch die Kostenseite. 2018 sind die Materialkosten für technische Kunststoffe im Mittel um 5 bis 10 % und dämpften somit die kalkulierte Rendite vieler Unternehmen, da die gestiegenen Kosten lediglich teilweise und zeitlich verzögert in den Markt weitergegeben werden konnten. Eine Entwicklung, die auch 2019 Folgen hat, denn die hohen Materialpreise haben in vielen Fällen noch nicht ihren Weg in die Preisentwicklung für Technische Teile gefunden.

Deutlich positiver lief es 2018 für den Bereich der Compoundierer und Recycler, denen sich infolge der Veröffentlichung der EU-Kunststoffstrategie in 2018 gute Perspektiven eröffneten. So war das wachsende Interesse am Einsatz von Kunststoffrezyklaten deutlich spürbar. „Diese Entwicklung wird sich auch 2019 fortsetzen“, so Möllenstädt.

GFK dominiert mit einem Mengenanteil von über 95 % den Composites-Markt

Auch im sechsten Jahr in Folge hielt 2018 das Wachstum des europäischen Marktes für Glasfaserverstärkte Kunststoffe (GFK) an, wie die AVK Industrievereinigung Verstärkte Kunststoffe berichtet. Gegenüber dem Vorjahr ist der europäische Markt um etwa 2 % auf ein Volumen von insgesamt 1,141 Mio. t gewachsen. Trotz eines starken Wachstums anderer Segmente im Markt für Faserverstärkte Kunststoffe bzw. Composites, sind aber GFK mit einem Mengenanteil von über 95 % das nach wie vor eindeutig dominierende Material im Composites-Markt.

Wie Dr. Möllenstädt auf der Jahrespressekonferenz erklärte, unterscheidet sich die generell positive Entwicklung des europäischen GFK-Marktes sehr stark sowohl regional als auch im Hinblick auf Anwendungen und spezifische Verarbeitungsprozesse. So ist beispielsweise der Markt für thermoplastische Systeme 2018 um fast 5 % gewachsen. Deutschland ist mit einer Gesamtherstellungsmenge von 229.000 t weiterhin das bedeutendste GFK- bzw. Composites-Land Europas.

Mengenmäßig größter Abnehmer von Kunststoffen war auch 2018 wieder die Bauindustrie. Foto; GKV

Das Wachstum blieb 2018 jedoch hinter der internationalen Marktentwicklung zurück. Somit verliert Deutschland leichte Marktanteile gegenüber den anderen Ländern, kann aber bisher seine Spitzenposition behaupten. „Die Bewertung der Geschäftslage bleibt weiterhin grundsätzlich positiv“, so Möllenstädt.

Last not least meldete der FSK Fachverband Schaumkunststoffe und Polyurethane, dass die Unternehmen der Polyurethan- und Schaumkunststoffindustrie überwiegend eine positive Bilanz der Geschäftslage im zweiten Halbjahr 2018 ziehen und der überwiegende Teil der Unternehmen dieses Branchensegments Umsatzzuwächse meldete. Für Unsicherheiten sorgte auch hier die Entwicklung der Automobilindustrie. Die positive Nachricht aus dieser Branche: Seit Mai 2018 hat sich die zuvor angespannte Versorgungssituation mit Vorprodukten etwas verbessert.

gk

 

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