Teilnehmerrekord beim Stuttgarter Kunststoffkolloquium

In über 40 Vorträgen in zwei Parallelsessions präsentierten junge Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen verschiedener Stuttgarter Institute ihre neuesten Erkenntnisse aus der Forschung zu den Themen Werkstoffe, Prozesse und Maschinentechnik sowie Zerstörungsfreie Prüfung und Faserkunststoffverbunde. Foto: IKT

Aufgrund der Coronapandemie fand das 27. Stuttgarter Kunststoffkolloquium erstmals rein digital statt, konnte aber auch einen Teilnehmerrekord verbuchen.

Angesichts von 600 registrierten Teilnehmern – ein neuer Rekord – waren die Veranstalter des Stuttgarter Kunststoffkolloquiums, das vom 1. bis zum 4. März 2021 erstmals in digitaler Form stattfand, sehr zufrieden. In über 40 Vorträgen in zwei Parallelsessions präsentierten junge Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen verschiedener Stuttgarter Institute ihre neuesten Erkenntnisse aus der Forschung zu den Themen Werkstoffe, Prozesse und Maschinentechnik sowie Zerstörungsfreie Prüfung und Faserkunststoffverbunde. Ein großer Fokus wurde auch auf die Punkte Nachhaltigkeit und Ressourcenschonung gelegt.

Teilnehmerrekord – auch dank Sponsoring durch Coperion

Bedingt durch das digitale Format der Veranstaltung fiel zwar das Vernetzen in den Pausen und auf der Abendveranstaltung aus, dennoch war das Interesse an der Veranstaltung besonders groß. Mit 600 registrierten Teilnehmern wurde eine Rekord-Teilnehmerzahl erreicht und die einzelnen Sessions waren an allen Nachmittagen gut besucht – vermutlich auch, weil durch das Engagement von Coperion als Sponsor die Teilnahme an der Veranstaltung kostenlos möglich war.

Mit rund 70 % gab es eine rege Industriebeteiligung, aber auch Forscher (ca. 25 %) aus anderen Hochschulen, auch aus Österreich und Belgien, wie auch Studierende aus Stuttgart fanden sich ein. Das Publikum zeigte sein Interesse an den Forschungsthemen durch viele Fragen an die Referenten über die Chatfunktion.

Besondere Highlights des diesjährigen Kolloquiums waren – wie in Stuttgart gewohnt – wieder hochkarätige Plenarvorträge. Direkt am Montag berichtete Martin Friedrich über die Aktivitäten des Additive Manufacturing Centers der BMW Group. Er zeigte die Möglichkeiten der generativen Fertigung in der Automobilindustrie, von individuellen Features im Innenraum bis hin zur Serienfertigung. Besonderes Augenmerk legte Martin Friedrich auf die Robustheit der Fertigung: Denn um generative Fertigungsverfahren industriell einsetzen zu können, müssen diese den gleichen Qualitätsanforderungen genügen, wie etablierte Verfahren wie das Spritzgießen.

Am Donnerstagnachmittag legte außerdem Soziologe Prof. Dr. Dr. Ortwin Renn, Berater der Bundesregierung, seine Überlegungen zur Resilienz in Krisenzeiten dar und warb dafür, neben aller Spezialisierung und „just-in-time“-Produktion die Robustheit der Prozesse gegenüber Störeinflüssen nicht zu vernachlässigen.

Podiumsdiskussion ganz im Zeichen der Corona-Pandemie

Die diesjährige Podiumsdiskussion stand ganz im Zeichen der Corona-Pandemie. Foto: IKT

Die diesjährige Podiumsdiskussion stand ganz im Zeichen der Corona-Pandemie. Die Stimmen aus Industrie und Forschung waren sich einig; Die Kunststoffindustrie wird zwar ebenfalls hart durch die Krise getroffen, konnte aber an vielen Stellen erneut zeigen, wie unverzichtbar sie für nachhaltige Lösungen aktueller Probleme ist. Durch die enorme Breite an Kunststoffanwendungen war damit erneut die Brücke zur Resilienz geschlagen.

Dipl.-Ing. Michael Weigelt, Geschäftsführer des GKV/Tecpart, machte anhand einiger Zahlen die Auswirkungen der Pandemie deutlich und zeigte vor allem, wie unterschiedlich verschiedene Teile der Branche von der Pandemie getroffen werden.

Weigelts Aussagen wurden von Prof. Dr. Hanns-Peter Knaebel, Vorstandsvorsitzender der Röchling-Gruppe, und Dr. Marco Wacker, Leiter des Geschäftsbereiches „Augenschutz“ bei Uvex, unterstützt: Kunststoffe sind zur Lösung vieler technischer Fragestellungen in der Pandemie unverzichtbar.

Krise als Chance nutzen

Prof. Dr. Ernst Schmachtenberg, ehem. Präsident der RWTH Aachen, warb im Rahmen der Podiumsdiskussion dafür, die Krise als Chance zu nutzen, und zwar insbesondere auch für junge und kreative Ingenieure.

Der Moderator, Prof. Dr.-Ing. Peter Middendorf, führte gewohnt geschickt durch die einzelnen Beiträge und stellte stets den Zusammenhang zwischen den Standpunkten her. Zum Schluss der Podiumsdiskussion wurde das Gespräch durch einen Schwenk in Richtung Politik noch einmal richtig angefeuert, sodass einige Zuschauer sich sicherlich noch ein wenig mehr Zeit gewünscht hätten.

Bereits zum zweiten Mal wurden im Rahmen des Stuttgarter Kunststoffkolloquiums die Wilfried-Ensinger-Preise verliehen: Felix Grauf (r) wurde für seine Masterarbeit mit der Scher- und Dehnviskosität in treibmittelbeladener Schmelze ausgezeichnet und Dr.-Ing. Alexander Geyer für seine Dissertation über die Inline-Charakterisierung von Kunststoffen im Spritzgießprozess. Foto: IKT

Bereits zum zweiten Mal wurden im Rahmen des Stuttgarter Kunststoffkolloquiums die Wilfried-Ensinger-Preise verliehen. Die Stiftung würdigt ausgezeichnete Masterarbeiten sowie Dissertationen auf dem Gebiet der Kunststofftechnik mit dem Ziel, diese Studienrichtung bekannter zu machen und junge Menschen für eine entsprechende Laufbahn zu motivieren.

Der Preis ging in diesem Jahr an Felix Grauf, der sich in seiner Masterarbeit mit der Scher- und Dehnviskosität in treibmittelbeladener Schmelze beschäftigte sowie an Dr.-Ing. Alexander Geyer für seine Dissertation über die Inline-Charakterisierung von Kunststoffen im Spritzgießprozess.

Resilienz auch beim Videoteam

Auch durch den Einsatz modernster Technik eines professionellen Dienstleisters konnte das 27. Stuttgarter Kunststoffkolloquium auch als digitale Veranstaltung überzeugen. Foto: IKT

Hinter den Kulissen des Kolloquiums agierte ein professionelles Kamerateam, das Resilienz auch am ersten Tag des Kolloquiums zeigte: Ein Wasserrohrbruch über den Stromtransformatoren hatte die gesamte Infrastruktur in den geplanten Räumlichkeiten zum Erliegen gebracht, sodass kurzfristig auf ein anderes Gebäude ausgewichen werden musste. Neben diesem erfolgreich gemeisterten Stresstest gab es noch weitere technische Herausforderungen, doch die Vortragenden ließen sich in ihren Beiträgen davon nichts anmerken.

Die jeweils nachmittags stattfindenden Sessions standen ganz im Zeichen der Nachhaltigkeit und Ressourcenschonung durch den Einsatz von Kunststoffen. Die Beiträge aus der gesamten Breite der Kunststofftechnik von der Werkstoffaufbereitung und  -charakterisierung über die Verarbeitung bis hin zur Prozesssimulation und Bauteilprüfung wurden von Forschenden aus verschiedenen Instituten der Universität Stuttgart vorgestellt: aus dem Institut für Flugzeugbau (IFB), dem Institut für Konstruktion und Fertigung in der Feinwerktechnik (IKFF), den Deutschen Instituten für Textil- und Faserforschung (DITF) sowie aus dem Institut für Kunststofftechnik (IKT).

Verbesserung der Nachhaltigkeit im Zentrum

Übergeordnetes Thema der Beiträge war die Verbesserung der Nachhaltigkeit von Kunststoffprodukten durch effizientere Verfahren, verbesserte Werkstoffrezepturen und die Möglichkeiten der Prozesssimulation. Neue biobasierte Kunststoffe und die gezielte Modifizierung bekannter Biopolymere verbessern beispielsweise das Eigenschaftsspektrum dieser Kunststoffe und ermöglichen so den Ersatz von erdölbasierten Polymeren. Forschungsthemen auf dem Gebiet der Prozesssimulation sorgen für effizientere Verarbeitungsprozesse und kürzere Auslegungszeiten. Neueste Erkenntnisse aus der zerstörungsfreien Prüfung von faserverstärkten Kunststoffen erlauben eine effizientere Produktion von Faserkunststoffverbunden durch inline-Prüfung sowie eine schnelle und aussagekräftige Bauteilcharakterisierung zur Fehlerdetektion während des Lebenszyklus‘.

IKT als Gastgeber des 27. Stuttgarter Kunststoffkolloquiums sehr zufrieden

Prof. Christian Bonten (r) und Prof. Marc Kreutzbruck, die beiden Leiter des gastgebenden Instituts für Kunststofftechnik (IKT) zeigten sich bei der Verabschiedung mit dem 27. Stuttgarter Kunststoffkolloquium sehr zufrieden - sicherlich auch aufgrund des neuen Teilnehmerrekords. Foto: IKT

Der Gastgeber des 27. Stuttgarter Kunststoffkolloquiums war das Institut für Kunststofftechnik (IKT), vertreten durch die Professoren Christian Bonten und Marc Kreutzbruck. Das Institut ist aus dem Institut für Kunststofftechnologie und dem Institut für Kunststoffprüfung und Kunststoffkunde hervorgegangen. Diese wurden bereits im Jahre 1963/64 an der damaligen Technischen Hochschule Stuttgart gegründet. Das neue IKT arbeitet in Lehre, Forschung und industrieller Dienstleistung in allen Hauptbereichen der Kunststofftechnik: der Werkstofftechnik, der Verarbeitungstechnik wie auch in der Produktentwicklung.

gk