Sollten Kunststofftragetaschen EU-weit gesetzlich verboten werden?

Back to Beiträge

Die Positionen der Deutschen Umwelthilfe und der IK Industrievereinigung Kunststoffverpackungen zu einem EU-weiten, gesetzlichen Verbot von Kunststofftragetaschen können nicht gegensätzlicher sein. Im Pro & Contra der K-ZEITUNG argumentieren Thomas Fischer und Ulf Kelterborn.

Thomas Fischer ist Projektleiter Kreislaufwirtschaft bei der Deutschen Umwelthilfe Foto: Deutsche Umwelthilfe

PRO: Thomas Fischer, Projektleiter Kreislaufwirtschaft bei der Deutschen Umwelthilfe

In Deutschland werden pro Minute mehr als zehntausend Plastiktüten verbraucht, pro Jahr macht das 5,3 Milliarden Stück. Damit gehören die Deutschen neben den Spaniern und Italienern zu den europäischen Spitzenreitern beim absoluten Tütenverbrauch. Jedoch gelangt hierzulande nur ein Bruchteil der verwendeten Plastiktüten über die Wertstoffsammlung in ein Recycling. Viele Plastiktüten landen im Hausmüll und werden verbrannt. Der Rest wird weggeworfen und verschmutzt Straßen, Grünflächen oder Gewässer.

Die Produktion von Plastiktüten verschlingt in Deutschland jährlich über einhunderttausend Tonnen Kunststoff. Denn der Einzelhandel bietet sie wie selbstverständlich und oft kostenlos an. Als Kunde kann man sich der Tütenflut nur durch aktive Verweigerung entziehen. Auch vermeintlich umweltfreundliche Alternativen wie Einwegtüten, die als biologisch abbaubar beworben werden, oder solche aus nachwachsenden Rohstoffen entpuppen sich bei genauerer Betrachtung als ähnlich umweltschädlich.

Ein EU-weites Plastiktütenverbot ist nicht durchsetzbar, da dieses gegen die EU-Verpackungsrichtlinie verstoßen würde. Deshalb ist eine Abgabe auf Plastiktüten die geeignetere Maßnahme. Das zeigen die Erfahrungen aus anderen Ländern wie zum Beispiel Irland, wo die Einführung einer Abgabe zur Reduzierung des Plastiktütenverbrauchs von 328 auf acht Stück pro Kopf und Jahr führte.

Ulf Kelterborn fordert als Hauptgeschäftsführer des IK eine ökonomisch vertretbare Vorgehensweise bei den Energiekosten. Foto: IK

CONTRA: Ulf Kelterborn, IK- Hauptgeschäftsführer

Die Kunststofftragetasche ist nicht nur verbraucherfreundlich, sie ist auch ressourcenschonend und besonders gut zu rezyklieren. Sie ist robust, hygienisch und wasserabweisend, also bestens geeignet, Waren jeglicher Art aus dem Supermarkt bei jedem Wetter sicher nach Hause zu tragen. Das macht sie so beliebt. Mit einem Gewicht von gerade mal zehn Gramm und einer Tragkraft von circa 15 Kilogramm ist sie jedem anderen Material weit überlegen. Ihre Leichtigkeit schont deshalb auch die Ressourcen.

Für die Produktion einer Tragetasche werden wenige Gramm Erdöl benötigt. Der jährliche Bedarf für Kunststofftragetaschen in Deutschland beträgt gerade mal 0,02 Prozent des insgesamt benötigten Erdöls. Sie schont damit nicht nur Ressourcen, sondern ist auch ökologisch vorbildlich. Das beweisen Ökobilanzen eindrucksvoll insbesondere gegenüber Papiertaschen.

Weil die Kunststofftragetasche witterungsbeständig und robust ist, sollte der Verbraucher sie mehrmals verwenden, auch das schont Ressourcen. Nach ihrem Gebrauch ist sie kein Abfall, sondern wertvoller Rohstoff. Sie besteht nämlich aus dem hochwertigen Kunststoff Polyethylen, der sich besonders gut rezyklieren lässt. 95 Prozent der Kunststofftragetaschen werden in Deutschland mittlerweile gesammelt und rezykliert. Die Forderung nach einem Verbot von Tragetaschen aus Kunststoff ist damit reiner Ökopopulismus und eine Bevormundung des Verbrauchers.

Share this post

Back to Beiträge