Kunststoffe und Design - Müll Branche 18.07.2018 1 Bewertung(en) Rating

So wird Kunststoffabfall zum Diesel

Neste forscht an neuen Wegen zum Kunststoffrecycling: 2019 soll in einem großtechnischen Versuch aus Kunststoffabfällen erneuerbarer Diesel entstehen.

Neste, nach eigener Aussage der weltweit führende Hersteller von erneuerbarem Diesel, erforscht aktuell neue Wege zur Nutzung verflüssigter Kunststoffabfälle als künftigem Rohstoff für die Raffinerie von Erdölprodukten. Das Ziel dieses Entwicklungsprojektes ist die Durchführung eines großtechnischen Versuchs im Jahr 2019. Bis 2030 möchte das Unternehmen jährlich mehr als 1 Mio. t Kunststoffabfälle als Rohstoff verarbeiten.

Nach Worten von Matti Lehmus, Executive Vice President Geschäftsbereich Ölerzeugnisse, belegt Neste nicht nur weltweit den zweiten Platz der nachhaltigsten Unternehmen. Laut Lehmus ist Neste zudem "der weltgrößte Produzent, der aus Abfällen und Reststoffen erneuerbaren Diesel herstellt. Unser Ziel ist zudem, Marktführer im kohlenstoffarmen Raffinerieprozess zu sein und die Kreislaufwirtschaft durch die Entwicklung innovativer Lösungen zur Verarbeitung von Altkunststoffen zu fördern".

"Mit unserer reichen Erfahrung in der Rohstoff- und Vorbehandlungsforschung sind wir bei Neste in der einmaligen Position, Kunststoffabfälle erstmalig als neuen Rohstoff für die Raffinerie von Erdölprodukten zu nutzen. Gleichzeitig wollen wir Lösungen anbieten, um die Menge an Kunststoffabfällen insgesamt zu reduzieren", ergänzt Lehmus.

Neste geht davon aus, dass in Europa jährlich rund 27 Mio. t Nachgebrauchs-Kunststoffabfälle anfallen, von denen aktuell nur etwa ein Drittel dem Recycling zugeführt wird.

Nach Überzeugung der Europäischen Union viel zu wenig, und so ist eines der Ziele der im Januar 2018 veröffentlichten Strategie der Europäische Union für Kunststoffe in einer Kreislaufwirtschaft, das Recycling von Kunststoffen und die Wiederverwendung von Kunststoffverpackungen bis 2030 zu erhöhen. Im EU-Abfallpaket wurde das Recyclingziel für Kunststoffverpackungen bis 2025 auf 50 % und bis 2030 auf 55 % angehoben.

Chemisches Recycling nutzt Plastikabfälle als Rohmaterial für die Raffinerie

"Zur Erfüllung der ehrgeizigen EU-Kunststoff-Recycling-Ziele müssen sowohl das chemische als auch das mechanische Recycling von der EU-Verordnung anerkannt werden", fordert Matti Lehmus. Das chemische Recycling nutzt Plastikabfälle als Rohmaterial für die Raffinerie und die petrochemische Industrie und deren Umwandlung zu Endprodukten wie Brennstoffen, Chemikalien und neue Kunststoffen.

Chemisches Recycling kann nach Erfahrung von Neste durch qualitativ hochwertige Endprodukte neue Absatzmöglichkeiten für Kunststoffabfälle erschließen und damit das klassische, mechanische Recycling ergänzen. Die großtechnische Fertigung von Produkten aus Kunststoffabfällen erfordert jedoch die Entwicklung neuer Technologien und Wertschöpfungsketten. Zur Beschleunigung dieser Entwicklung sucht Neste aktuell nach Partnern entlang der gesamten Wertschöpfungskette, zum Beispiel in der Abfallwirtschaft und in Aufbereitungsanlagen.

"Die Kreislaufwirtschaft basiert auf gemeinsamen Anstrengungen", erklärt Matti Lehmus. "Wir wollen mit führenden Unternehmen entlang der gesamten Wertschöpfungskette zusammenarbeiten, die unsere Nachhaltigkeitsziele mit uns teilen und bereit sind, mit uns neue Wege zu beschreiten."

Neben Kraftstoffen sollen auch Rohstoffe für neue Kunststoffe entstehen

Zusätzlich zur Erforschung von Wegen zum Einsatz von Kuntstoffabfällen als Rohmaterial unterstützt Neste zudem die Kunststoffindustrie und kunststoffverarbeitende Unternehmen bei der Reduzierung ihrer Erdölabhängigkeit und klimarelevanten Emissionen durch die Produktion von nachhaltigen und recyclingfähigen erneuerbaren Kunststoffen aus bio-basierten Rohmaterialien, wie z. B. Altfetten und Altölen. So wollen Neste und Ikea im Herbst 2018 zum Beispiel aus nicht-fossilen, biobasierten Rohmaterialien in kommerziellem Maßstab Polypropylen-Kunststoff (PP) herstellen. Dies wird - so Neste - weltweit das erste Mal sein, dass bio-basiertes PP in gewerblichem Umfang produziert wird.

gk

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