Schwieriger Strukturwandel der Autoindustrie

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Der Strukturwandel in der Autoindustrie belastet aktuell vor allem die deutschen Werke, denn die steigende Nachfrage wird über die Auslandswerke abgedeckt.

Nach Schätzungen des Ifo Instituts ist die Beschäftigtenzahl in der Autoindustrie seit Beginn des Jahres 2019 saisonbereinigt um 1,3 % gesunken. Das ist wesentlich mehr als im übrigen Verarbeitenden Gewerbe (minus 0,2 %).

„Zudem meldeten rund 14 Prozent der Automobilfirmen bei einer ifo-Umfrage im Dezember Kurzarbeit, deutlich mehr als der Schnitt der übrigen Industrie, die bei 7 Prozent lag“, sagt Wollmershäuser. Für die kommenden drei Monate erwarten sogar 19 % der Unternehmen in der Autobranche Kurzarbeit, gegen 15 % in der übrigen Industrie.

Autoindustrie kann sich über steigende Nachfrage freuen

„Interessanterweise stieg gleichzeitig die Nachfrage nach deutschen Autos 2019“, sagt Ifo-Konjunkturchef Timo Wollmershäuser. „Die Kunden wurden aber nicht aus der inländischen Produktion bedient. Denn sie ist im vergangenen Jahr um 8,9 Prozent geschrumpft, nachdem sie bereits im Jahr 2018 um 9,3 Prozent zurückgegangen war. Vielmehr weitete die Branche die Produktion deutscher Marken an Standorten außerhalb Deutschlands aus und führte die Autos dann nach Deutschland ein.“

So legte die Produktion deutscher Automobilhersteller in anderen europäischen Ländern im vergangenen Jahr um schätzungsweise 2,0 % zu, nach einem Anstieg von 7,5 % im Jahr 2018. Gleichzeitig stiegen die deutschen Importe von Pkw aus der EU zwischen Januar und September 2019 um 16 % gegenüber dem gleichen Zeitraum des Vorjahres.

Deutsche Werke in der Übergangsphase zur Elektromobilität

Als mögliche Ursache für die Produktionsverlagerungen der deutschen Automobilhersteller nennt Wollmershäuser ein vermehrtes Umrüsten deutscher Standorte auf die Herstellung von Elektroautos: „In der Übergangsphase fällt das Angebot an neu produzierten Pkw in Deutschland weg, und die vormals an den deutschen Standorten produzierten Pkw mit herkömmlichen Antrieben werden in anderen europäischen Ländern hergestellt.“

Im vergangenen Jahr wurden in Deutschland 3,6 Mio. Pkw neu zugelassen und damit 171.500 Fahrzeuge oder 5 % mehr als im Jahr 2018. Dabei stiegen die Neuzulassungen deutscher Marken mit 5,1 % sogar etwas stärker als die ausländischer Marken, die um 4,8 % zulegten. Damit wurde die Nachfrageflaute des Jahres 2018 überwunden, in dem die Neuzulassungszahlen zum ersten Mal seit 2013 zurückgegangen waren.

Besonders gefragt waren im vergangenen Jahr Fahrzeuge mit Hybrid- und Elektroantrieben. Aber auch Dieselfahrzeuge konnten im Vergleich zum Vorjahr ihren Absatz wieder leicht steigern, nachdem der in den Jahren 2017 und 2018 im Zuge der Dieselskandale und der Diskussion um Dieselfahrverbote eingebrochen war.

Der Anteil der Automobilbranche an der gesamten Bruttowertschöpfung beträgt nach Untersuchungen des Ifo Instituts derzeit 5 %. Von den sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten in Deutschland arbeiten 3 % in der Automobilbranche.

Einen Beitrag über den Strukturwandel der Automobilindustrie und die Folgen für die Kunststoffverarbeiter finden Sie hier.

gk

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