Die ersten mit Sumfoam recycelten Schläuche können sich sehen lassen.
Foto: Sumteq
Die ersten mit Sumfoam recycelten Schläuche können sich sehen lassen.

Extrusion

Schlauchproduktion auf neuem Nachhaltigkeitsniveau

Polymerschaum Sumfoam macht Wiederverwertung von Produktionsausschuss für die Extrusion neuer Produkte möglich und vereint Kosteneffizienz mit Umweltschutz.

Eine Zero Waste-Strategie ist wohl für jedes Unternehmen ein erstrebenswertes Ziel, aber oft nicht leicht umzusetzen. Die Sumteq GmbH aus Düren hat sich des Themas angenommen und Recycling in der Kunststofftechnik weitergedacht. Gemeinsam mit dem Viersener Schlauchhersteller APD ist nun ein großes Projekt Wirklichkeit geworden: Durch den Einsatz von Sumfoam lässt sich Ausschussmaterial direkt vor Ort aufbereiten und zu hochwertigen Produkten weiterverarbeiten.  

Ein Polymerschaum, der mehr kann

Sumfoam – das ist der Name des nanoporös geschäumten Polymers, das von Sumteq entwickelt wurde. „Umweltschutz durch Polymer?“, mag man sich jetzt fragen. Ja, denn die neue Materialklasse macht dies durch ihre besonderen Eigenschaften möglich.

Dank der offenen Porenstruktur, die im Bereich von unter 50 Nanometern liegt, weist Sumfoam einzigartige Fähigkeiten auf. Die winzigen Poren verleihen dem Schaum eine hohe Kapillarkraft, durch die unpolare Substanzen, wie etwa Öle und Wachse, unmittelbar aufgesogen und gehalten werden. Sumfoam ist in der Lage, ein Vielfaches seines Eigengewichts an Flüssigkeit aufzunehmen – und das bei vollem Erhalt der Rieselfähigkeit. Dies macht Sumfoam zum idealen Trägermaterial für Weichmacher und weitere flüssige Additive.

Produktionsausschuss vor Ort wiederverwenden

Besonders profitieren davon kleine und mittelständische Unternehmen. War es früher nur möglich, Produktionsausschuss extern aufbereiten zu lassen, ist es durch Verwendung von Sumfoam kein Problem mehr, Reste sofort flexibel vor Ort wiederzuverwerten. Flexibel deshalb, weil sich die Größe der Sumfoam-Partikel stufenlos an die des zu verarbeitenden Materials anpassen lässt. Egal, ob Hart- oder Weich-PVC, jeder Härtegrad kann entsprechend modifiziert werden.

Image
Mit DOTP beladene Sumfoam-Flakes. Weichmacher wurde zur Visualisierung eingefärbt.
Foto: Sumfoam
Mit DOTP beladene Sumfoam-Flakes. Weichmacher wurde zur Visualisierung eingefärbt.

Aufgrund der Nanostruktur besitzt jeder einzelne Partikel Milliarden von Poren. So ist der Schaum selbst bei einer Vermahlung zu feinstem Pulver voll leistungsfähig. Beim Extrusionsverfahren wird das Dry Liquid zusammen mit den Kunststoffresten in einer homogenen Mischung zum Schlauch verarbeitet. Materialien, die bereits mit Sumfoam recycelt wurden, können wiederum in den Produktionsprozess zurückgeführt werden – der Kreislauf ist geschlossen.

Roland Skowronek, Geschäftsführer der APD Schlauchtechnik GmbH bringt es auf den Punkt: „Nachhaltigkeit hat in unserem Unternehmen einen sehr hohen Stellenwert. Deshalb achten wir darauf, unseren CO₂-Fußabdruck so gering wie möglich zu halten. Durch das gemeinsame Projekt sind wir diesem Ziel noch ein ganzes Stück nähergekommen.“

Vielfältige Anwendungsbereiche

Aber Sumfoam kann noch mehr. Nicht nur im Recyclingbereich bietet der Schaum viele Vorteile, auch im alltäglichen Produktionsprozess kommt er zum Einsatz. So können unterschiedliche Materialen individuell auf die gewünschten Merkmale eingestellt werden. Auf diese Weise ist es nicht mehr notwendig, ein breites Sortiment an Rohstoffen zu lagern. Der Hersteller kann sich auf einige wenige Grundstoffe konzentrieren, was einen weiteren positiven Effekt mit sich bringt: Eine kapitalbindende Lagerhaltung umfangreicher Varianten entfällt.

Auch auf andere Bereiche ist das angewandte Processing übertragbar. Neben Weichmachern können alle weiteren oleophilen Substanzen wie Antistatika, UV-Stabilisatoren oder Treibmittel gebunden werden. Dies eröffnet weitreichende Perspektiven für die Modifikation, aber auch für die Veredelung von Stoffen. Peter Grabowski, Manager Marketing & Communications bei Sumteq, sieht eine vielversprechende Zukunft für Sumfoam im Carrier-Bereich:

„Wir freuen uns sehr, zusammen mit APD einen wichtigen Meilenstein gelegt zu haben, der das große Potenzial von Sumfoam zeigt. Der Proof of Concept ist geschafft, die Produktion ist erfolgreich angelaufen. Für die Zukunft haben wir noch viele Pläne und Ideen. Sei es für PVC-Böden, Duschkabinen-Profile, Kabelummantelungen – es gibt unzählige Möglichkeiten und wir können es kaum erwarten, sie in Angriff zu nehmen.“

Sumteq stellt übrigens auf der K 2022 in Düsseldorf aus und präsentiert dort neben diesem innovativen Verfahren viele weitere Einsatzmöglichkeiten von Sumfoam im Kunststoffbereich. gk