Foto: K-ZEITUNG
Matthias Gutbrod, Redakteur der K-ZEITUNG

Editorial

Scheitert die Transformation zur Kreislaufwirtschaft?

Ein aktueller Report zeigt: Die Welt wirtschaftet immer weniger nachhaltig. Droht die viel geforderte Transformation zur Kreislaufwirtschaft zu scheitern?

Ein aktueller Report zeigt: Die Welt wirtschaftet immer weniger nachhaltig. Droht die viel geforderte Transformation zur Kreislaufwirtschaft zu scheitern?

Fast alle politischen und wirtschaftlichen Akteure – auch aus der Kunststoffbranche – fordern eine Transformation zur Kreislaufwirtschaft. Sie betonen seit Jahren, wie wichtig ihnen der Klimaschutz und ein effizienter Umgang mit Ressourcen sind.

Und nun das: Der aktuelle Circularity Gap Report 2022, herausgegeben vom World Resources Institut, präsentiert alarmierende Zahlen, wonach die Menschheit auf dem Weg zum nachhaltigen Wirtschaften den Rückwärtsgang eingelegt hat.

In den letzten 20 Jahren hat sich der weltweite Materialverbrauch auf derzeit mehr als 100 Mrd. t im Jahr fast verdoppelt – Tendenz stark steigend. Nach Angaben des International Resource Panel könnte er bis 2050 auf 170 bis 184 Mrd. t ansteigen, wenn wir so weitermachen wie bisher.

Immer mehr Take-Make-Waste statt Kreislaufwirtschaft

Gleichzeitig gelangten 2021 nur 8,6 % des Materials wieder in den Wirtschaftskreislauf zurück. Und es wird immer schlimmer: 2018 betrugt die Rücklaufquote noch 9,1 %. Diese „Take-Make-Waste“-Wirtschaft hat damit allein im letzten Jahr über 90 Mrd. t Material verschwendet und zu Abfall gemacht.

Auch der globale CO2-Ausstoß nimmt wieder zu, nach einem Rückgang im ersten Corona-Jahr gab es 2021 eine Steigerung um 5 % auf gut 36 Mrd. t. Deutschland ist daran beteiligt – mit dem höchsten Anstieg seiner Treibhausgasemissionen seit 1990.

Das kann so nicht weitergehen – wir haben nur einen Planeten. Die Lösung dieser Dreifachkrise – Ressourcenausbeutung, wachsende Abfallberge, steigende Treibhausgasemissionen – ist eine konsequente Kreislaufwirtschaft, deren Motor mit regenerativer Energie angetrieben wird.

Die Transformation hat einen Preis

Viele Akteure in der Kunststoffbranche haben das längst erkannt. Sie wollen nicht nur auf erneuerbare Energien, sondern gleichzeitig auf der Rohstoffseite auf biozirkuläre Quellen setzten. Es bleibt zu hoffen, dass diese Transformation gelingt. Das ist längst nicht ausgemacht. Schließlich kostet diese viel Geld. Eine Kreislaufwirtschaft ist nur konkurrenzfähig, wenn die Verschwendung der linearen Wirtschaftsweise weltweit einen hohen Preis bekommt. Ob das durchsetzbar ist – auch in Indien oder Russland?

Man darf gespannt sein, wann der Circularity Gap Report der Menschheit bescheinigt, auf dem Weg zur Nachhaltigkeit im Vorwärtsgang zu fahren. Die Kunststoffindustrie hat angekündigt, hierzu wesentlich beizutragen.

Matthias Gutbrod