Rückgang bei der Kunststoff-Produktion in 2020

Rückgang bei Produktion und Umsatz der deutschen Kunststofferzeuger im Pandemie-Jahr 2020. Quelle: PED

Die Kunststofferzeuger in Deutschland melden für das Pandemie-Jahr 2020 einen leichten Rückgang der Produktion. Aktuell gibt es Probleme in den Lieferketten.

Die Kunststoffproduktion in Deutschland ging im Jahr 2020 in Anbetracht der Pandemie um nur 1,6 % auf 17,9 Mio. t. zurück. Zum Vergleich: Die Industrieproduktion sank um 10,6 %. Der Umsatz der Kunststofferzeuger ging 2020 aufgrund des Preisdrucks während der Pandemie im Vergleich zum Vorjahr um 8,7 % auf 23,1 Mrd. EUR zurück. Die Exporte sanken leicht um 0,8 % und die Importe verringerten sich deutlich um über 7 %.

Dieses Zahlen teilte der Verband der Kunststofferzeuger Plastics Europe Deutschland (PED) bei seinem jährlichen Wirtschaftspressegespräch am 06. Mai 2021 mit.

Dr. Michael Zobel, Vorstandsvorsitzender PED, erwartet eine nur schrittweise Entspannung der derzeit problematischen Rohstoffversorgung. Foto: PED

Laut Dr. Michael Zobel, Vorstandsvorsitzender Plastics Europe Deutschland, zeichnete sich bereits in der zweiten Jahreshälfte 2020 eine Erholung ab. Die Perspektiven für das laufende Jahr 2021 bewertete Dr. Zobel positiv und sah „gute Gründe für Optimismus. Die Impfkampagne in Deutschland schreitet voran, der asiatische Markt ist vergleichsweise robust und das trifft derzeit auf die Wirtschaft in den USA ebenfalls zu.“

Kunststoff-Produktion derzeit über Niveau vor der Pandemie

Die unerwartet schnell wieder angestiegene Nachfrage – laut Zobel liegt die Kunststoff-Produktion derzeit sogar über dem Niveau vor Beginn der Pandemie – hat auch seine Schattenseiten vor allem für die Verarbeiter. Es gibt derzeit erhebliche Engpässe bei der Versorgung und explosionsartige Preissteigerungen fast aller Polymertypen.

Dr. Michael Zobel sieht die Gründe hierfür in einem ganzen Strauß an Ursachen: „Eine außergewöhnlich hohe Zahl von Force Majeure sowie Wartungsverzögerungen oder wiederholte Produktionsstopps wegen Mitarbeiter-Quarantäne führen derzeit zu einer kritischen Versorgungslage am deutschen Markt. Derzeit fallen rund 20 % der Erzeuger-Kapazitäten aus.“

Rückgang bei Importen verschärft die Lage

Hinzu kommt laut Zobel, dass Deutschland eine starke Kunststoffverarbeitung hat, die wiederum ihre Kapazitäten auf Volllast fahren wollen. Hierfür seine sie auf Importe angewiesen. „Doch die zusätzlich benötigten Kunststoffmengen zur Weiterverarbeitung konnten zuletzt weder aus China noch aus den USA importiert werden, da in beiden Ländern die Nachfrage das Angebot übersteigt.“

Normalisierung im vierten Quartal

Betroffen sind vor allem solche Kunststoffe zu, die für persönliche Schutzausrüstungen gegen COVID-19 verwendet werden; außerdem auf Lebensmittelverpackungen, Automobilkomponenten und E&E-Komponenten. Ein Ende der Engpässe ist vorerst noch nicht zu erwarten. „Die Lieferengpässe werden sich aller Erwartung nach nur schrittweise reduzieren“, so Zobel. PED rechnet mit einer Normalisierung der Rohstoffversorgung erst im vierten Quartal dieses Jahres.

Weichenstellungen für die Zukunft

Ingemar Bühler, Hauptgeschäftsführer PED, fordert bezahlbare Energie, höhere steuerliche F&E-Förderung sowie schnelle Genehmigungsverfahren für neue Anlagen. Foto: PED

PED-Hauptgeschäftsführer Ingemar Bühler gab auf der Pressekonferenz einen Ausblick in die Zukunft. Er ging der Frage nach, welche Weichenstellungen es konkret für die Kunststofferzeuger braucht, um auch künftig erfolgreich zu sein. „Wir müssen global zu einem Vorreiter für effizienteres, ressourcenschonenderes Wirtschaften werden. Innovative Recyclingtechnologien, Produktion mit nachwachsenden Rohstoffen und besser recycelbare Produkte sichern die Zukunftsfähigkeit unserer Branche.“

Bühler rief die Politik dazu auf, die Industrie hierbei stärker zu unterstützen. Konkret forderte er bezahlbare erneuerbare Energie, eine deutlich höhere steuerliche F&E-Förderung sowie schnelle Genehmigungsverfahren zum Beispiel für den Bau neuer Anlagen für die Kreislaufwirtschaft. Dann werde die deutsche Kunststoffbranche „weltweit führend bei nachhaltigen und innovativen Produkten und Prozessen sein – und einen wichtigen Beitrag für Wohlstand und Lebensqualität leisten.“

mg