Roland-Berger-Studie: Digitale Fabrik erst am Anfang

Die vollständig digitale Fabrik ist im deutschen Mittelstand noch keine Realität, belegt eine Studie der Unternehmensberatung Roland Berger. Foto: Pixabay

Laut einer Studie von Roland Berger ist die komplett digitale Fabrik für den deutschen Mittelstand noch kein Thema – doch die Investitionen dafür steigen.

Nach der Studie „Nextgen Production“ der Unternehmensberatung sind rund zwei von drei Projekten im Bereich digitaler Fabrik noch nicht über die Planungsphase hinausgekommen. Demnach existieren in den Unternehmen oft nur Industrie-4.0-Einzelanwendungen, die nicht optimal mit der Wertschöpfungskette verknüpft sind. Für die Studie hat Roland Berger Führungs- und Fachkräfte des Mittelstands aus fünf Branchen befragt.

Studie zeigt, dass 70 % Investitionen in Digitalisierung steigern wollen

Gleichzeitig zeigt die Erhebung, dass 70 % der Befragten in den kommenden beiden Jahren ihre Investitionen steigern wollen: Im Durchschnitt sind 20 bis 30 % der gesamten Investitionsbudgets für Digitalisierung vorgesehen.
 
„Obwohl die Digitalisierung in den meisten deutschen Unternehmen ganz oben auf der Agenda steht, existiert die digitale Fabrik bislang erst in Ansätzen“, sagt Oliver Knapp, Partner und Leiter der Innovationsplattform „Next Generation Manufacturing“ bei Roland Berger. „In den meisten Fällen sind die existierenden Anwendungen einzelfallbezogene Lösungen, entwickelt für ganz spezielle Aufgaben. Hier fehlt es an einer klaren Priorisierung und entsprechenden Strategien. Damit lassen Mittelständler Potenzial ungenutzt, ihre Abläufe zu optimieren und so ihre Position im internationalen Wettbewerb zu verbessern.“

40 % der Projekte für die digitale Fabrik existieren nur als Idee

Wie die Studie (hier zum Download) zeigt, steht der Großteil der Industrie.4.0-Anwendungen noch ganz am Anfang im Umsetzungsprozess: 40 % der Projekte existieren als Idee, 25 % befinden sich in der Planung. Vor allem die Skepsis hinsichtlich der Profitabilität lässt Entscheidungsträger vor konkreten Maßnahmen zurückschrecken. Wo neue Technologien bereits verwendet werden, nennen die Unternehmensvertreter vor allem das Verbessern von Prozessen (64 %) und Senken von Kosten (44 %) als Haupttreiber für die Digitalisierung, gefolgt von Qualitätssteigerungen (24 %).

Dem Mittelstand fehlt eine klare Vision für die Digitalisierung

Die Umfrage von Roland Berger zeigt, dass Mittelständler heute vor allem Big Data und Analysen, die sich auf Künstliche Intelligenz stützen, für die digitale Fabrik nutzen. Grafik: Roland Berger

Heute eingesetzte Anwendungen fallen mit einem Wert von 25 % hauptsächlich in die Kategorie Big Data und Analysen, die sich auf künstliche Intelligenz stützen. Künftig soll ihr Anteil auf 29 % wachsen. Auf dem zweiten Rang, mit 23 %, folgen heutige Projekte in den Bereichen anspruchsvolle Automatisierung und Robotik. Für die Zukunft wird ihr Anteil ebenfalls auf 29 % prognostiziert.
 
„Die erfolgreichsten Unternehmen sind heute schon die, die das Thema Digitalisierung in ihre bestehende Wertschöpfung integrieren und nicht als parallelen, separaten Prozess aufsetzen“, so Marc Bayer, Co-Autor der Studie. „Es gibt keinen Zweifel, dass die Industrie 4.0 die industrielle Produktion komplett umgestalten wird. Wollen Firmen bestehen, sollten ihre Ansätze alle Aspekte von den Produktionsanlagen über die Fähigkeiten der Belegschaft bis hin zu strategischen Forschungspartnerschaften miteinbeziehen."
 
In der Studie entwickeln die Autoren ein Zielbild, das anhand von fünf Dimensionen den Weg zur digitalen Fabrik vermittelt – mit Blick sowohl auf Technologie als auch Organisationsstruktur. Dazu gehört der Aufbau eines digitalen Ökosystems, das Netzwerke über die eigene Unternehmung hinaus definiert, die Digitalisierung der Produktionssysteme sowie der im Zentrum der Fertigung stehenden Werkstätte.

Zwei weitere Lesetipps zu diesem Thema: Die Plattform Industrie 4.0 hat im Sommer 2020 im Positionspapier „Covid-19 und Industrie 4.0“ aufgezeigt, wie Industrie 4.0-Lösungen einen Beitrag zur Bewältigung der wirtschaftlichen Folgen der Pandemie leisten können.

Außerdem hat die International Federation of Robotics (IFR) vor Kurzem prognostiziert, welche Rolle Roboter in der digialen Fabrik der Zukunft spielen werden.

sk

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