Rezyklate können Neuware ergänzen – müssen es sogar

Dr. Dirk Textor, Vorsitzender des BVSE-Fachverbands Kunststoffrecycling: "Recyclate können und müssen jetzt und in Zukunft die Neuware ökologisch und ökonomisch vorteilhaft ergänzen". Foto: BVSE

Altkunststofftag des BVSE bestätigt Rezyklate als perfekte Ergänzung zur Neuware – Mengen, Qualität und Nachfrage sind zuletzt deutlich gestiegen.

Mehr als 200 Teilnehmer verfolgten in Köln und online am Computer den 23. Internationalen Altkunststofftag des BVSE-Fachverbands Kunststoffrecycling, bei dem die Referenten klar machten, dass Rezyklate mehr denn je eine ernstzunehmende Alternative und Ergänzung zur Neuware sind.

Der zentrale Branchenevent der Kunststoffrecyclingbranche stand nicht nur wegen der organisatorischen Herausforderung im Zeichen der Corona-Pandemie. So berichtete der Vorsitzende des BVSE-Fachverbands Kunststoffrecycling Dr. Dirk Textor, dass die Kunststoffmärkte sich auch selten so volatil präsentiert hätten.

Rezyklate gefragt wie nie zuvor

Kam das Kunststoffrecycling zu Anfang der Corona-Krise extrem unter Druck, unter anderem auch deswegen, weil die Rohölpreise einbrachen und dies die Preise für Kunststoffneuware ebenfalls nach unten zog, änderte sich das Bild ab Oktober 2020. Textor: "Die Force Majeuer-Meldungen zur Verfügbarkeit von Kunststoffneuware mehrten sich. Seecontainer wurden knapp. Die Transportkapazitäten zu Wasser und zu Lande verteuerten sich. Schließlich verschlimmerten die Havarie im Suezkanal im März 2021 und Ausfälle in chinesischen Ausfuhrhäfen die Situation noch weiter – Kunststoffneuware fehlte. Auf einmal waren Recyclate nachgefragt wie selten zuvor.“

Und wie der BVSE auf dem Internationalen Altkunststofftag erfreut feststellte, hat sich an der guten Nachfrage bis heute nichts geändert.

Kunststoffrecycler momentan vollständig ausverkauft

"Die Platte ist geputzt. Die Kunststoffrecycler sind momentan vollständig ausverkauft", erklärte Dirk Textor. Damit sei nach seiner Überzeugung aber auch deutlich geworden, dass die Unterstellung seitens mancher Kunststoffverarbeiter in der Vergangenheit einfach falsch war, dass "wir nicht die nötigen Qualitäten produzieren würden".

"Für mich ist der Beweis erbracht, dass das vorgeschobene Argumente waren. Es zeigt sich sehr deutlich, dass wir Qualitäten produzieren, die der Markt in der Lage ist aufzunehmen und zu verarbeiten", so der BVSE-Fachverbandsvorsitzende.

Industrie könnte noch deutlich mehr Rezyklate verarbeiten

Beim Altkunststofftag zeigte sich Textor davon überzeugt, dass die Kunststoffrecyclingbranche in der Lage ist, deutlich mehr Recyclate zu produzieren, und die kunststoffverarbeitende Industrie sei nach seiner Meinung auch in der Lage, deutlich mehr Recyclate zu verarbeiten.

Textor verwies in seiner Rede bei der Mitgliederversammlung des Fachverbandes Kunststoffrecycling aber auch auf die jüngste Vergangenheit, als der Markt sich noch ganz anders darstellte und die Nachfrage nach Recyclaten wegbrach. Der Fachverbandsvorsitzende warnte davor, dass sich eine solche Entwicklung wiederholen könnte, wenn die Neuware wieder besser verfügbar und billiger sei. "Dann werden Recyclate von interessierter Seite wieder in ein schlechteres Licht gerückt, um die Preise zu drücken."

Rezyklate als ökologische und ökonomische Ergänzung der Neuware

Aber: „Um es klar, auch in Richtung der kunststoffverarbeitenden Industrie zu sagen: Wir werden diese Argumentation nicht mehr zulassen. Recyclate können und müssen jetzt und in Zukunft die Neuware ökologisch und ökonomisch vorteilhaft ergänzen", forderte Dirk Textor für den BVSE-Fachverband Kunststoffrecycling abschließend.

Wie die K-ZEITUNG bereits berichtet hat, gab es neben zahlreichen positiven Entwicklungen beim Altkunststofftag 2021 auch kritischen Stimmen - vor allem zum Einsatz von Papierverbunden und zum chemischen Recycling.

gk