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Rezyklate beim Sandwich-Spritzgießen – eine Chance?

Dr.-Ing. Volker Reichert ist Geschäftsführer der A & E Produktionstechnik und spricht im Way-2-K-Interview über die Chance des Rezyklatseinsatzes beim Sandwich-Spritzgießen. Foto: VDMA/A & E

Volker Reichert von A & E Produktionstechnik über den CO2-Fußabdruck und die Chancen und Bedenken beim Einsatz von Rezyklaten beim Sandwich-Spritzgießen.

Eine Chance oder zu viele Bedenken – im Way-2-K-Interview im Vorfeld der K-Messe 2022 spricht Dr.-Ing. Volker Reichert; Geschäftsführer von A & E Produktionstechnik, über den Einsatz von Rezyklaten beim Sandwich-Spritzgießen. Einfluss darauf hat unter anderem, dass der CO2-Abdruck eine zunehmende Rolle spielt.

Herr Dr. Reichert, kann das Sandwich-Spritzgießen, für das Ihr Unternehmen eine spezielle Düse entwickelt hat, einen Beitrag zur Verwertung von Recycling-Kunststoffen leisten?

Dr.-Ing. Volker Reichert: Sandwich-Spritzgießen ist eine Möglichkeit, Recycling-Kunststoffe sinnvoll wieder zu verarbeiten. Ein Allheilmittel ist es nicht, da für die Herstellung neuer Formteile ebenfalls wieder neuer Kunststoff benötigt wird und die Recycling-Kunststoffe über eine angemessene Qualität verfügen müssen. Das Verfahren benötigt immer zwei aus verschiedenen Materialien bestehende Schmelzströme, so dass auch die höheren Investitions- und Betriebskosten bei Fragen der Wirtschaftlichkeit berücksichtigt werden müssen.

Man kann also nicht unsortierte und schlecht aufbereitete Rezyklate quasi in der Mittelschicht verstecken?

Reichert: Wenn hochwertige Teile produziert werden sollen, müssen auch hochwertige Rezyklate verarbeitet werden. Wenn man für hochwertigen technischen Kunststoff zwei- oder dreistellige Eurobeträge pro Kilogramm bezahlt, dann kann man keine Rezyklate einfüllen, die vielleicht nur im Cent-Bereich liegen. Prinzipiell geht es natürlich, Kunststoffe aus dem Gelben Sack mechanisch zu recyceln. Aber die daraus gefertigten Bauteile würden die an sie gestellten Anforderungen kaum erfüllen können. Unter Recycling- beziehungsweise Kreislauf-Aspekten sollte versucht werden, gleiche Materialien für Haut und für Kern zu verwenden. Hierbei kann davon ausgegangen werden, dass die Materialeigenschaften annähernd gleich sind. Wenn man Sandwich-Teile aus verschiedenen Kunststoffen spritzt, hat man später auch wieder das Problem, dass man sie beim Recycling trennen muss.

Eine Chance für das Sandwich-Spritzgießen?

Das Sandwich-Verfahren gibt es schon Jahrzehnte. Wird es durch die aktuelle Entwicklung hin zu mehr Rezyklateinsatz an Bedeutung gewinnen?

Reichert: Das Verfahren hat immer ein Nischendasein gefristet. Ich glaube nicht, dass die Bedeutung durch die aktuelle Diskussion exorbitant zunehmen wird. Die Wachstumsraten werden sich möglicherweise nicht von denen der letzten Jahre unterscheiden.

Gleichwohl steigt der Druck, Rezyklate einzusetzen.

Reichert: Manche unserer Kunden, das sind die Spritzgießer, möchten nicht, dass die Käufer der Formteile wissen, dass Rezyklat verarbeitet wurde. Gegenwärtig stellen wir aber auch fest, dass unter den Stichworten Kreislaufwirtschaft und Ressourcenschonung der Rezyklatanteil durchaus mit angegeben wird. Das Problem ist aber, mit der Rezyklatverarbeitung übernimmt der Spritzgießer die Verantwortung, dass die Formteile mit Rezyklat die vorgegebenen Spezifikationen auch erfüllen. Das führt bei hochwertigen Teilen zu erneuten Prüfungen und Zertifizierungen. Diese Kosten müssen ja dann auch wieder erwirtschaftet werden. Allein der geringe Preis für Rezyklate – sollte er überhaupt niedriger sein - wird da in vielen Fällen nicht ausreichen.

Rezyklate für einen besseren CO2-Fußabdruck

Den höheren Kosten steht zunehmend der ökologische Nutzen gegenüber.

Reichert: Generell gilt: Wer Rezyklate anstelle von Neuware einsetzt, hat einen ökologischen Vorteil. Bei der Herstellung von Rezyklat wird nicht so viel CO2 freigesetzt wie bei Neumaterial. Bislang hat dieser Aspekt kaum eine Rolle gespielt, aber das ändert sich gerade. Es ist abzusehen, dass die Verarbeiter, also unsere Kunden, gesetzlich dazu verpflichtet werden, den CO2-Fußabdruck für ihre Produkte anzugeben. Angenommen, der Fußabdruck für Neumaterial liegt bei 100 und bei Rezyklat nur bei 50 Kilogramm CO2 pro eingesetzter Kunststoffeinheit, dann wird der Einsatz von Rezyklat auf einmal sehr wichtig. Man findet heute schon bei Rezyklatherstellern Angaben darüber, um wie viel kleiner der CO2-Fußabdruck bei ihren Produkten gegenüber Neumaterial ist.

Den CO2-Fußabdruck verringern ist das eine, zugleich soll aber die Funktionalität gleich bleiben.

Reichert: So ist es. Und da hat das Sandwichverfahren durchaus Vorteile. Es gibt mittlerweile Additive, die bewirken, dass die mechanischen Eigenschaften der Rezyklate sogar verbessert werden. Die Rezyklate werden ja im Zuge der mehrmaligen Wiederaufbereitung immer schlechter, weil sich die Molekülketten abbauen. Es gibt jetzt Möglichkeiten, die Rezyklate so zu verkaufen, dass sie Neumaterial nahezu ebenbürtig sind. Ein solches hochwertiges wiederverwertetes Material lässt sich ideal als Mittelschicht in Sandwich-Bauteile spritzen.

VDMA/kus

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